Es geht wieder los:19.08.-01.10.15 Frankreich

Heute haben wir Mittwoch, den 19. August und bestes, sonniges Wetter. Am kommenden Freitag wollen wir uns mit anderen Reisenden zu einer Tour durch Frankreich treffen.

Eigentlich alles prima, aber nachdem wir lange, ruhige Wochen zu Hause verbracht haben, fangen die Probleme genau mit unserem Fahrtbeginn an. Gestern hat es heftig geregnet und die Abdichtung der Heki hat das viele Nass leider nicht ausreichend abgeleitet. Wir haben also etwas feuchte Betten. Der Versuch sie trocken zu heizen misslingt, da die Heizung nicht läuft. Thomas stellt fest, dass das ganze 12 Volt Netz nicht geht. Ursache ist eine durchgeknallte Sicherung im DC-Wandler. Die Sicherung ist schnell getauscht, aber sobald wir die Heizung einschalten wollen ist die Sicherung wieder hinüber. So wird das Bett also mit dem Heizlüfter getrocknet. Um die defekte Heizung müssen wir uns unterwegs kümmern.

Als wir losfahren wollen, sehen wir, dass die Rückfahrkamera auch nicht geht. Bei all den letzten kleinen Strecken, die wir gefahren sind hat sie keine Probleme gemacht. Tja – und dann gibt unsere Klimaanlage im Fahrerhaus nach ein paar Minuten ebenfalls den Geist auf. Das fängt ja gut an.

Da wir am Freitag aber mit Norbert und Michael verabredet sind, können wir den Tourbeginn nicht verschieben. Also fahren wir weiter Richtung Lautertal. Da Stefan (Firma Excap) heute unterwegs ist, übernachten wir nach einer ruhigen Fahrt kurz hinter Lautertal-Gadernheim auf einem Parkplatz an der Nibelungenstraße. Der Parkplatz heißt schlicht und ergreifend „Schöne Aussicht“ und das stimmt auch. Wir haben einen wunderbaren Blick auf den kleinen Ort Lindenfels mit seiner Burg sowie einen weiten, weiten Blick über Täler und Hügelkämme. Thomas schafft es, die Rückfahrkamera wieder in Gang zu setzten. War wohl ein Wackelkontakt. Leider bleiben seine Versuche auch die Klimaanlage wieder zu aktivieren erfolglos, da an der Platine etwas abgebrochen ist, das sich mit unserem Werkzeug nicht wieder anlöten lässt.

Nach dem Frühstück brechen wir auf und schauen kurz bei Stefan vorbei. Er ist aber in einem wichtigen Kundengespräch und so unterhalten wir uns kurz mit seiner Frau, richten schöne Grüße aus und fahren weiter nach Karlsruhe.

Da Karlsruhe eine Umweltzone hat, können wir nicht einfach drauflosfahren. Google klärt uns aber darüber auf, das die Zone nur die Innenstadt betrifft und die Wohn- und Gewerbegebiete drum herum nicht betroffen sind. Wir suchen uns also einen freundlichen Lidl in der Oststadt. Von dort aus sind es nur 10 Minuten mit dem Fahrrad bis zum Schlosspark bzw. in die Innenstadt. Am Schloss sehen wir Hinweise, dass zur Feier des 300-jährigen Stadtjubiläums heute Abend eine Lichtshow auf der Schlossfassade stattfinden wird.

Wir radeln noch durch die Innenstadt und sehen an einer Baustelle ein Haus mit Wurzeln an einem Baukran hängen (hört sich seltsam an – es gibt aber Beweisfotos ;-)).


Die Parkplatznot muss hier besonders groß sein, wenn man die interessante Parkweise – halb an der Hauswand – betrachtet. Strafmandate bekommen die normal geparkten PKW daneben.


Nach dem Stadtbummel radeln wir zu unserem Steyr und ziehen für heute Abend wärmere Sachen an. Dann geht´s wieder zum Schloss – inzwischen kennen wir uns hier schon ganz gut aus.


Die Lichtshow´s sind beeindruckend. Das Schloss dient als Leinwand und wird – je nach Show – mit surrealen Mustern in seinen Formen fast aufgelöst oder mit immer neuen optischen Effekten und Farben neu gestaltet, bis wir kaum noch Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden können.


Nach einem Frühstück mit frischen Brötchen vom Bäcker nebenan machen wir uns fahrbereit. Der Steyr zieht mal wieder viel Aufmerksamkeit auf sich. Aus einem kurzen Gespräch Umstehender fangen wir den Begriff „Campingpanzer“ auf – na ja, so ganz unrecht haben sie ja nicht.

Kurz darauf hält ein Polizeiwagen und ein Beamter klopft an unsere Tür. Upps – sollte sich jemand beschwert haben? Der Polizist ist ganz erstaunt, als wir öffnen und betont sofort, dass sein Interesse privater Natur ist. Wir bitten beide Beamte herein und unterhalten uns nett mit ihnen.  Was wohl die Leute die zum Einkaufen kommen so denken?

Kurz nach diesem Überraschungsbesuch fahren wir dann weiter nach Straubenhardt, wo wir uns am Abend mit den beiden anderen Reiseteams treffen wollen.  

Als wir bei Michael eintreffen, sind wir früh dran. Deshalb packen wir unsere Fahrräder aus und machen eine Tour in die Umgebung. Die Gegend ist wunderschön mit Wald und vielen Obstwiesen. Da Straubenhardt sehr hügelig ist und es laufend recht steil rauf bzw. runter geht, freuen wir uns über unsere neuen E-Bikes. Diese Tour hätten wir ohne sie nicht unternommen. Die Gegend scheint auch im Winter recht mild zu sein. Außer den üblichen Obstbäumen sehen wir Weinstöcke und sogar einige Pfirsichbäume. Auf einer Apfelbaumwiese liegt mengenweise Fallobst unter den Bäumen. Wir suchen uns drei schöne Äpfel aus – später stellt sich raus, dass sie hervorragend schmecken. Schade um all die anderen, die auf der Wiese vor sich hingammeln.

Kurz vor 20 Uhr trifft Norbert ein und gegen 21 Uhr machen wir uns auf die Fahrt Richtung Frankreich, da die beiden anderen Teams wegen der Kinder gerne in der Nacht fahren möchten. Als wir an der ersten Mautstation in Frankreich langsamer werden, erleben wir eine schlechte Überraschung. Unser Motor macht bei langsamer Fahrt ungewohnte Geräusche und der Ölstand ist extrem niedrig.  Wir machen einen kurzen Stopp, füllen Öl auf und dann geht es weiter. Bei zügiger Fahrt stellen wir kein Problem mehr fest. Später erzählt uns Norbert, dass unser Steyr von Zeit zu Zeit dunkle Qualmwolken ausstößt.

Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz an einem Supermarkt und fallen so gegen ein Uhr müde und sorgenvoll ins Bett.  Am nächsten Morgen treiben uns die Sorgen um den Steyr früh aus den Federn, aber wir können die Ursache des Problems nicht herausfinden. Bei der weiteren Fahrt treten keine Probleme auf. Es ist sehr sonnig und der Schweiß läuft kräftig. Gegen Abend ziehen dunkle Wolken auf. Der Wetterbericht hat für die nächsten 2 Tage Regen vorhergesagt.

Gegen 18.oo Uhr fährt Michael von der Autobahn um einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Nach einer kleinen Tour über schmale, stellenweise steile Feldwege, finden wir einen Platz auf einer Wiese. Das Gewitter kommt näher und der Wind frischt auf. Es bleibt aber trocken und  wir sehen ein beeindruckendes Wetterleuchten. Die Bilder sehen aus wie ein Waldbrand.

Heute geht es weiter zur Tarn-Schlucht. Hier wollen Michael und Norbert auf einem CP in La Malene noch einen Freund treffen, der mit VW-Bus vorgefahren ist. Außerdem ist eine Kanutour durch die Tarnschlucht geplant. Da das Wetter umgeschlagen ist fahren wir bei Dauerregen, der teilweise sindflutartig wird. Jetzt schwitzen wir zwar nicht mehr, aber schönes Fahrwetter ist auch was anderes.

Als wir die Autobahn verlassen um zur Tarn-Schlucht zu fahren, stoppt uns ein Schild, dass eine Höhenbegrenzung von 3,60 m ankündigt.

Michael und Norbert fahren mit ihren niedriger aufgebauten Fahrzeugen weiter und wir folgen unserem Navi auf einem anderen Weg. Allerdings kündigt es uns in La Malene eine Begrenzung von 3,50 m an. Mal sehen, ob wir den CP überhaupt erreichen können.

 

Nach kurzer Zeit treffen wir die anderen Teams wieder – unsere Strecke war wohl kein nennenswerter Umweg. Auch den CP erreichen wir planmäßig, die Höhenbegrenzung können wir in La Marlene nicht entdecken (dafür aber eine Brücke die nicht mit Fahrzeugen über 6 m Länge wegen der anschließenden extremen Serpentinen befahren werden darf – die kannte unser Navi nicht – betrifft aber glücklicherweise unsere Strecke nicht.).

 

Der CP ist klein, aber schön direkt am Tarn gelegen. Der CP-Wart spricht sogar gut Deutsch. Da es immer noch dauerregnet, verbringen wir einige Zeit im Steyr und gehen dann zu Norbert und Gudrun, die ihre Terrasse mit Markise ausgefahren haben (super Idee!!!) und dort im Trocknen sitzen. Wir gesellen uns dazu und sprechen über alles Mögliche.

 

Am nächsten Tag möchte die Gruppe am frühen Nachmittag weiterfahren, da das Wetter zwar trocken aber immer noch unbeständig ist.

 

Über Mittag machen wir einen Spaziergang am Tarn entlang nach La Malene. Dort ist Markttag – wirkt aber sehr touristisch. Das Örtchen selber ist malerisch an den steilen Berghängen gelegen.  Direkt in der Ortsmitte ist ein großer Parkplatz - eigentlich nur für Busse und PKW - aber jetzt stehen hier auch einige Wohnmobile.

 

 


Wir gehen auf der anderen Tarnseite noch ein Stück und sehen gelegentlich Kanuten, die von der Kanustation Tarnabwärts zu einer Tour aufbrechen.

 

Zurück am Steyr kommt Norbert wieder zu uns und zeigt uns das nächste Ziel – den Ort Plan in den Pyrenäen hinter Andorra auf spanischer Seite.

 

Da wir aufgrund der Höhenbegrenzung wieder eine andere Strecke fahren müssen, sagen wir den anderen Bescheid, dass wir schon mal allein vorausfahren und uns dann über Handy informieren werden, wo der nächste gemeinsame Stopp gemacht werden soll.

 

Aber es soll anders kommen.

Wir fahren über Landstraßen durch die schöne Landschaft und sehen viele Plätze, die zum freien Stehen einladen würden. Als wir durch Rodez fahren, ist kurz nach einem Kreisverkehr die Fahrt überraschen für uns zu Ende. Der Motor geht aus, springt nicht mehr an und alle Versuche mit der Handpumpe Diesel nachzupumpen bleiben erfolglos.

Leider haben wir die rund 100 Meter bis zur Einfahrt zum nächsten Lidl nicht mehr geschafft und beeinträchtigen den Verkehr auf dieser stark befahrenen Straße jetzt ziemlich. Das hat aber auch was Gutes, denn es bringt schnell die Polizei auf den Plan, die den Verkehr regelt, unsere Daten aufnimmt und Abschleppdienst und Mechaniker ruft.

So werden wir dann die kurze Strecke bis vor den Lidl-Parkplatz abgeschleppt. Das Ganze für 120,-- Euro. Der Mechaniker diagnostiziert ein Problem an unserer Dieselpumpe und benachrichtigt die nahegelegene MAN-Werkstatt. Mittlerweile ist es 18 Uhr und deshalb wird MAN erst morgen früh kommen. Auf unsere Nachfrage verlangt der Mechaniker kein Geld, da er unseren Wagen ja nicht repariert hat. Wir staunen und geben ihm trotzdem 20 Euro – er hat ja schließlich Zeit und Arbeit investiert. Dann richten wir uns für die Nacht ein und müssen unseren Schrecken erstmal verdauen.

Unsere Reisegefährten informieren wir telefonisch, dass wir liegengeblieben sind und sie ihre Tour erst einmal ohne uns fortsetzten sollen, da es noch nicht absehbar ist wie es bei uns weitergeht.

Um 8 Uhr kommt am nächsten Morgen der MAN-Monteur. Die Verständigung ist schwierig, da er kein Englisch spricht (und wir bekanntlich ja auch kein Französisch). Die Übersetzungs-APP unseres Handys leistet uns gute Dienste, obwohl das Ergebnis manchmal schon recht extrem ist. Der Mechaniker düst mit unserer Pumpe zur MAN-Niederlassung und wir frühstücken erstmal in Ruhe zu Ende. Kurz darauf ist er mit einem Ersatzteil wieder da und nach Einbau und Entlüftung der Dieselleitungen springt der Steyr an, als ob nichts gewesen wäre. Wir fahren hinter dem Mechaniker her zur nahegelegenen MAN-Werkstatt und bekommen dort die Rechnung über rd. 300 € präsentiert. Das Ersatzteil hat 35 € gekostet.....

Danach fahren wir tanken. Irgendwie leiden wir unter Dieselschwund. Wir können uns das Ganze nicht wirklich erklären. Sicherlich hat uns die Fahrweise der letzten Tage (gebirgiges Gelände und  flottes Tempo) mehr Diesel gekostet als sonst – aber trotzdem, irgendwohin verschwindet unser Diesel. Mal sehen, ob das jetzt ein Ende hat.
Anschließend geht es wieder zum Lidl – einkaufen! So etwas Alltägliches beruhigt einfach die Nerven.

Nach längerem Überlegen beschließen wir, nicht den anderen Reiseteams nachzufahren. Nach den Problemen der letzten Tage sind wir nicht sicher, ob unsere Probleme mit der obigen Reparatur wirklich behoben sind. Deshalb wollen wir die Leistungsanforderung an unseren Steyr langsam steigern und in Ruhe beobachten was so vor sich geht. Eine Tour auf Pisten durch´s Hochgebirge ist uns in der derzeitigen Situation zu risikoreich.


Deshalb schauen wir uns die Landkarte an und fahren zum nicht weit entfernten Lac de Pareloup. Dort haben wir gleich beim ersten Versuch richtig Glück und finden einen super Stellplatz in einer kleinen Bucht. Hier stehen schon ein junges britisch/französisches Paar mit Toyota und vier junge Franzosen mit einem Wohnmobileigenbau auf Mercedes Kühllaster. Nach netter Begrüßung und gegenseitiger Wohnmobilbesichtigung packen wir unsere Stühle aus und relaxen am Strand. Später baut Thomas das Kanu auf und wir erkunden einen kleinen Seitenarm des Stausees.


Das Wasser ist sehr klar und warm und wir können baden. Der Sand der Bucht besteht überwiegend wohl aus Glimmergestein und glänzt in der Sonne mit lauter Glitzerpartikeln. Selbst im Wasser funkeln sie, wenn man durch die Flachwasserzone geht. Abends im Steyr stellen wir fest, dass jetzt auch unser Teppich im Licht glitzert. Es bleibt ja nicht aus, dass man etwas Sand von draußen mit reinbringt – aber so einen tollen Effekt hatten wir dadurch noch nie.



Zwei Tage später verlassen unsere Nachbarn die Bucht und wir stehen nun ganz allein hier. Nur ab und zu kommen PKW´s mit französischen Familien, die aber kein Interesse an uns zeigen und zu den Buchten links und rechts von uns wandern.

Wir verlagern unseren Standplatz von der Strandmitte auf die rechte Seite nahe einiger Bäume, denn bislang haben wir direkt in der Blickachse eines kleinen, alten Ferienhauses gestanden. Das Haus ist derzeit zwar unbewohnt, aber das könnte sich am Wochenende ändern. Außerdem stehen wir jetzt direkt vor dem kleinen Bootssteg – das ist praktisch, wenn wir schwimmen wollen oder mit dem Kanu fahren.

Bucht am Lac de Pareloup

Wir verbringen unsere Tage mit sonnenbaden, schwimmen, lesen und naturkundlichen Entdeckungen. Da wir am Ufern schon öfters angeschwemmte, tote Flusskrebse gesehen haben, machte Ute sich heute auf die Suche nach lebenden Vertretern dieser Art. Die Suche ist erfolgreich und Ute macht mit der Kamera Jagt auf die Minihummer. Gar nicht so einfach, da das Wasser spiegelt und dauernd in Bewegung ist.
Wir entdecken auch einen großen Schwarm Jungfische, der sich stets im Schatten einiger Bäume im Flachwasser unserer Bucht aufhält. Die kleinfingerlangen Fischchen schwimmen sowas von eng zusammen, dass die ganze Gruppe von Ute den Namen „Fischsuppe“ bekommt. Ansonsten hat auch die Vogelwelt einiges zu bieten. Wir beobachten Reiher und Eisvögel beim Fischen und sehen kleine , uns bislang unbekannte, Strandläufer.

Heute wollen wir die Gegend mit den Fahrrädern erkunden und sind schon nach kurzer Zeit mal wieder extrem froh über unsere E-Bikes! In dem Örtchen Pareloup finden wir eine Karte mit einer Radrundtour um den See und beschließen der Strecke (rd. 27 km) zu folgen. Wir suchen einen Einkaufsmarkt, werden aber nicht fündig. In einem anderen kleinen Ort entdecken wir zumindest eine Art Kiosk und kaufen ein halbes Baguett (mehr war nicht mehr da) und ein Paket Eier. Was soll´s – wir haben ja schließlich genug eigene Vorräte und auch zum Brotbacken alles dabei.

Auf der Radtour stellen wir fest, dass wir mit unserem Stellplatz wirklich ungeheuer viel Glück gehabt haben. Die Ufer sind in den meisten Bereichen unzugänglich. Wir sehen mehrere CP-Plätze, aber sie gefallen uns nicht wirklich (klein, eng, Wohnwagen von Dauercampern, nicht am See gelegen). Ein CP fällt uns positiv auf. Er wirkt neu und modern und ist über eine automatische Einfahrschranke wie im Parkhaus zu erreichen. Die Stellplätze ziehen sich in drei Terrassen entlang des Seeufers und der Tagespreis ist mit 10,-- Euro in Ordnung. Einziger Nachteil ist die in der Nähe gelegene Schule für Jetski´s. Als wir vorbeikommen sind ca. 6 auf dem Wasser und machen einen Höllenlärm.

Als wir nach rd. 2 Stunden wieder an unserem Stellplatz ankommen, können wir erst richtig ermessen, wieviel Glück wir hatten, diesen tollen Platz auf Anhieb zu finden. Am Abend ziehen ein paar Wolken auf und die untergehende Sonne lässt Wolken und See in einem phantastischen Abendrot erglühen. Wir schnappen uns die Campingmöbel, unseren Proviantkorb und eine Flasche Rotwein und machen rd. 100 Meter vom Steyr entfernt ein romantisches Abenddinner auf der noch lange in der untergehenden Sonne liegenden Landzunge am Ende unserer Bucht. Herrlich – zumal es keine Mücken gibt, die uns den Genuss verderben könnten.

Wir verbringen einen weiteren ruhigen Tag am Lac de Paraloupe. Früh morgens beobachten wir aus unserem „Schlafzimmerfenster“ einen Graureiher, der sich nach seinem Frühstück umschaut. Er lebt hier recht luxuriös – es gibt täglich frischen Flusskrebs!

Wir entdecken, dass die KCT-Fenster in Kippstellung sehr gut als Abstellfläche für unseren Eierkocher geeignet sind. Sieht ja ein wenig schräg aus, hat aber den Vorteil, dass der Wasserdampf draußen bleibt.

Nach dem Gewitter vor ein paar Tagen hat es sich deutlich abgekühlt. Irgendwie ist der Sommer hier von einem Tag zum anderen verschwunden.

Heute machen wir eine zweite Radtour um eine weitere Landzunge zu erkunden. Auch hier stellen wir fest, dass es keinen anderen Stellplatz gibt, der unserem auch nur annähernd gleich käme. Was haben wir doch für ein Glück gehabt! Die Gegend hier ist super geeignet für Radtouren. Ruhige kleine Straßen, immer wieder ein schöner Blick auf den See oder malerische kleine Gehöfte oder Dörfchen. Da das Gelände aber ein stetes auf und ab mit sich bringt, muss man entweder sehr fit sein, oder halt - wie wir -  E-Bikes haben. Dummerweise bricht an Ute´s Rad der Fahrradständer ab, als das abgestellte Rad auf einer Wiese umkippt. Das hätte nicht passieren dürfen – hoffentlich erweist sich die Qualität des restlichen Rades auf Dauer als besser.

Bewölkt, später sonnig Da der Sommer die Midi-Pyrenees wohl endgültig verlassen hat, brechen wir Richtung Mittelmeer auf, obwohl es uns schwerfällt, unseren wunderschönen Stellplatz aufzugeben. Auf der Fahrt zur Hauptstraße macht Ute noch einige Fotos, die zeigen, wie passgenau Thomas den Steyr durch die schmalen Feldwege manövriert. Gut, dass hier nichts los ist und wir keinen Gegenverkehr haben.

Wir fahren durch die schöne Landschaft der Midi-Pyrenees und überqueren bei Millau eine beeindruckende Talbrücke, das Viaduc de Millau. Hinweisschilder entlang der Autobahn weisen auf die Sehenswürdigkeiten dieser Gegend hin. Als wir an Roquefort vorbeifahren und den Hinweis auf „les caves de Roquefort“ sehen, beschließen wir zumindest beim nächsten Einkauf original Roquefort-Käse einzukaufen. Allein die Midi-Pyrenees wären schon eine längere Erkundung wert. Da wir aber an die Mittelmeerküste wollen, heben wir uns das mal für später auf.

Wir fahren weiter durch die Region Languedoc Roussillon, die sich uns hier als karges Hochplateau zeigt. Auch der „parc naturel régional du Haut-Languedoc“, der auf einer Anzeigetafel an der Autobahn mit schroffem Gebirgspanorama und Weingütern wirbt, wäre bestimmt ein lohnendes Ziel.

Durch einen langen Tunnel verlassen wir die Midi-Pyrenees und auf der anderen Seite finden wir uns schlagartig in mediterranem Mittelmeerklima wieder. Es ist echt klasse, so den beginnenden Herbst hinter sich lassen zu können und wieder in den Sommer einzutauchen.

Wir fahren bis Agde, parken dort bei L. und radeln in die Stadt. Es ist hier ganz nett, aber die trutzige Cathédrale Saint Etienne, die wir bei der Hinfahrt gesehen haben, ist eigentlich auch das einzig Interessante. Auf dem Fluss liegen noch ein paar Restaurantboote, die einen guten Eindruck machen, aber die restliche Altstadt wirkt verwahrlost und bietet wenig Interessantes.

Deshalb fahren wir nach der kurzen Fahrradtour weiter nach Vias-Plage. Hier finden wir eine Wiese, die als Parkplatz für über 300 PKW ausgewiesen ist. Verbotsschilder bezüglich Camping sehen wir nicht, obwohl der Parkplatz  zwischen zwei Campingplätzen liegt.

Wir erkunden die Gegend mit den Rädern und stellen fest, dass wir in einem richtig grausigen Touri-Rummel-Ort gelandet sind. Die „Hauptstraße“ ist eine einzige Billig-Fress-und Klamottenbuden-Meile. Der Strand geht so. Sehr flacher Sandstrand. Man muss recht lang laufen, bis die Wassertiefe zum Schwimmen reicht. Das ist nicht unser Lieblingsstrand – aber wir haben lange nicht mehr im Meer gebadet und wollen also nicht wählerisch sein. Badeanzug an und losgewandert.

Am Abend radeln wir noch durch die Umgegend und stellen fest, dass es sich hier wirklich um einen richtigen Halli-Galli-Ort handelt. Die Campingplätze wetteifern mit jeder Menge Kitschaufbauten a la Fluch der Karibik und Daktari-Lounge. Fehlt nur das Schild „Bitte nicht füttern“ am Zaun! Ein Stück weiter ist ein Erlebnispark mit Achterbahn etc. Wem so was gefällt, für den ist Vias-Plage ein Eldorado.

Heute machen wir eine Radtour nach Vias. Auf der Hauptstraße von Vias-Plage ist großer Ramschmarkt. Zusätzlich zu den ohnehin schon überreichlichen Kitschläden haben diverse Händler Stände aufgebaut. Wir riskieren einen Blick – interessieren uns aber nicht für Bettdecken und „Markenware“ von Adidas etc. und deshalb radeln wir schnell weiter nach Vias. Der Weg dorthin führt uns eine Strecke entlang der Hauptstraße an einer endlos langen Autoschlage vorbei. Der Markt muss hier die Attraktion sein. Nach einiger Zeit geht die Strecke in eine Wellblech-Schotterpiste über und wir können die Geländegängigkeit unserer Fahrräder testen. Das Geschüttel ist aber auch nicht viel anders, als wenn wir mit dem Steyr auf Wellblech unterwegs sind. Vias bietet eine trutzige Kirche und einen kleinen Altstadtkern. Ganz nett – aber nichts, was man gesehen haben muss. Am Nachmittag fahren wir an den Strand, aber heute ist es sehr windig und so verbringen wir den restlichen Tag lieber am Steyr.


Wir fahren weiter Richtung Montpellier. Da heute Sonntag ist, hatten wir mit freien Straßen gerechnet – großer Irrtum! Die ganze Strecke zwischen Vias-Plage und Marseillan ist ein einziger Stau. In Marseillan muss irgendein Fest mit Straßenumzug stattfinden, jedenfalls sind alle Parkfächen gerammelt voll und an der Hauptstraße stehen die Leute in Dreierreihen. Da die erwarteten Attraktionen noch nicht da sind, muss der Steyr herhalten und wird ausgiebig fotografiert. Ute winkt und grüßt mit der Fanfare und die Menge jubelt uns zu – welch ein Empfang.

Hinter Marseillan sind die Straßen wieder frei und wir fahren auf der Küstenstraße Richtung Sete, die wir schon bei unser Rückreise im  Frühjahr kennengelernt haben. Der WoMo-Stellplatz kurz vor Sete, auf dem wir damals übernachtet haben, ist gut besucht, aber wir wollen heute auf jeden Fall noch bis Montpellier.

Dort fahren wir zum Decathlon (Sportgeschäft), da wir morgen früh dort nach einem Doppelpaddel für unser Kanu suchen wollen. Heute bietet er uns einen Übernachtungsplatz und eine gute Ausgangsbasis für eine Radtour in die historische Altstadt. In direkter Nachbarschaft liegt auch das große Meerwasseraquarium von Montpellier, aber der stolze Eintrittspreis von 15,50 € pro Person hält uns von einem Besuch ab. Außerdem hatten wir ja in Barcelona das Aquarium besucht und so anders werden die Fische hier wohl nicht aussehen.

Die Altstadt ist sehr schön und wir stellen an der Cathédrale Saint-Pierre unsere Räder ab. Der Blickwinkel auf den Riesenbau ist aus den schmalen Gassen umso beeindruckender. Interessant ist, dass ein Teil der C. restauriert wurde und mit ihrer fast weißen Fassade viel freundlicher und strahlender wirkt, als der nicht restaurierte Rest, der mit den Ablagerungen aus vielen, vielen Jahren (Baujahr ist das 14. Jahrhundert) düster und trutzig wirkt.

Neben der Cathédrale  liegt der kleine, aber sehenswerte botanische Garten „Jardin des Plantes“. Der Eintritt ist frei und die recht naturbelassenen Rasenflächen werden von den Besuchern als Picknickplätze genutzt. Wir gehen zurück zu unseren Rädern und radeln vorbei am Arc de Triomphe über den Place Royale Du Peyrou mit Blick auf das alte Viadukt. Später suchen wir uns ein kleines Lokal in der Altstadt und essen eine Pizza, deren Belagvariante uns bislang noch nicht bekannt war. Sie besteht aus Creme fraich, Gehacktem, Schafskäse + Honig und ist sehr lecker. Allerdings auch sehr reichlich und gehaltvoll uns so liegt sie uns noch lange im Magen. Da waren die Augen mal wieder größer als der Bauch.

Auf dem Rückweg verlassen wir uns auf unser Navi – ohne es hätten wir in nämlich nicht mehr gefunden. Außer einem kleinen Stück Schnellstraße, führt es uns gut und sicher wieder an unseren Ausgangspunkt.

Der Einkauf bei D. bringt uns leider keine neuen Paddel, dafür aber einen neuen Fahrradständer. Rund um Montpellier werden die Autobahnen erweitert und es gibt Baustellen ohne Ende. Deshalb stehen wir erstmal einige Zeit im Stau. Da es sonnig und warm ist, hebt das die Laune nicht unbedingt.

Unser nächstes Etappenziel ist Saintes Maries de la Mer in der Camargue. Die Fahrt ist unspektakulär. Unsere Suche unterwegs abseits der Straße einen Stellplatz zu finden bleibt erfolglos und so stellen wir uns am Ortseingang von Saintes Maries de la Mer auf einen großen WoMo-Stellplatz. Der Platz bietet nichts außer Entsorgung und Stellfläche und ist mit 12 Euro pro Tag aber auch nicht zu teuer. Der Platzwart ist nur von 8.00 – 12.00 Uhr anwesend und so werden wir erst am kommenden Tag zur Kasse gebeten. Wir hatten uns schon gewundert, warum soviele WoMo´s vor 08.00 Uhr abgereist sind.

Mit den Rädern ist die Stadt in wenigen Minuten erreicht und wir besorgen uns an der Touristeninfo eine Karte über Fahrradtouren in die Umgebung. Leider stellt sich unsere Route zwischen Küste und Naturschutzgebiet als stellenweise sehr feinsandig heraus. Nicht ideal zum Fahrradfahren! Nach einiger Zeit kehren wir um, da es auch sehr windig wird und die Landschaft sich auf Meer auf der einen und Sumpf auf der anderen Seite beschränkt.

An einer Stelle halten wir an und gehen ein Stück zu Fuß in das Lagunengebiet, da Ute mit der Kamera Jagt auf die allgegenwärtigen Flamingos machen möchte. Ehe wir uns versehen, werden aber wir gejagt und zwar von einer stattlichen Anzahl Mücken. Ehe wir es überhaupt bemerken, sitzen so um die 20 Mücken auf jedem von uns. Im Tourenplan stand ja was von Proviant mitnehmen – hätten die mal besser was über die Mücken geschrieben! Da wir kein Mückenmittel dabei haben, ergreifen wir wedelnd die Flucht und hängen die Mücken mit einem Radspurt ab.

Zurück in der Stadt stöbern wir in der Altstadt. Hier ist es auch sehr touristisch, aber auf deutlich höherem Niveau als in Vias-Plage. Leider hat die kleine Altstadt durch die vielen Touristenläden optisch doch sehr gelitten. Ein wenig mehr Rücksichtnahme auf die alte Bausubstanz wäre besser gewesen.

Am Abend machen wir noch einen Spaziergang am Strand von unserem Stellplatz aus. Wir sehen Unmengen von Großlibellen – es sind hunderte! So viele auf so kleiner Fläche haben wir noch nie gesehen. Aber sie haben ja auch reichlich Nahrungsangebot in den unzähligen Mücken. Abends sind wir mutig und grillen vorm Steyr – aber wirklich gemütlich ist es wegen der vielen Mücken nicht.

Heute fahren wir weiter zum Cap Couronne. Da wir von den anderen Wohnmobilisten gelernt haben, stehen wir früh auf und rollen kurz nach sieben vom Platz. Am Ortsausgang von Saintes Maries de la Mer Richtung D85A halten wir mit Blick auf das Naturschutzgebiet und frühstücken im Steyr. Eine kleine Pferdeherde zieht in einiger Entfernung vorbei. Im Vordergrund stehen Flamingos malerisch in einer der vielen Brackwasserflächen rum. Nett anzusehen und ein gutes Fotomotiv. Auf dem Weg aus der Camargue sehen wir noch ein paarmal die typischen, weißen Camarguepferde in den Sumpfwiesen. Ob die noch Hufe oder schon Flossen an den Beinen haben können wir allerdings nicht sehen.

Später fahren wir auf der N568 durch große Weideflächen und Mandelplantagen. Die Gegend von Port-de Bouc ist stark industriell geprägt und dunkelgelbe Abgase ziehen sich weit auf´s Meer hinaus. Die Luft riecht teerig und wir sehen zu, dass wir schnell weiterkommen.

In La Couronne ist Markttag und wir stellen den Steyr an einer Nebenstraße ab. Auf dem Markt kaufen wir ein paar Tomaten und erkunden das Örtchen dann zu Fuß. Am Cap, kurz vor dem Leuchtturm, sehen wir zu unserer Überraschung einen zum WoMo umgebauten hellblauen Mercedes LKW. Er gehört Antje und Wolfgang, die uns diesen Platz wärmstens empfehlen und so machen wir uns auf den Weg den Steyr nachzuholen. Dann schauen wir uns erstmal gegenseitig unsere Fahrzeuge an, packen die Stühle aus und lassen uns im Pinienwäldchen zu einem Plausch nieder. Da Antje und Wolfgang Richtung Camargue unterwegs sind, geben wir ihnen unser dort gesammeltes Prospektmaterial und einige Stellplatztipps mit auf den Weg.


Anschließend erkunden wir die nahegelegene Badebucht. Das ist ein Strand wie wir in lieben! Super klares Wasser, Sand zum Liegen und gut in´s Wasser kommen und reichlich Felsen am Rand, die ein interessantes Schnorchelrevier abgeben. Also nichts wie Bade- und Tauchsachen eingepackt und ab in´s Wasser. Die Fischvielfalt ist hier sehr groß und schon ein paar Meter vom Strand entfernt treffen wir auf verschiedene Fischschwärme, die uns bis auf Armlänge heranlassen. Einige der Kameraden sind rd. 30-40 cm groß. Jetzt wissen wir auch warum auf den Klippen so viele Angler stehen.

Zum  Abendbrot packen wir unsere Campingstühle (die kleinen vom Dekathlon) und unseren Picknickkorb + eine Flasche Rotwein und gehen zum Rand des Klippenabbruches. Dort lassen wir uns nieder und genießen unser Mahl und den Sonnenuntergang. So lässt sich´s leben!

Den Abend verbringen wir gemeinsam mit Antje und Wolfgang im Steyr, trinken den leckeren Rotwein, den die Beiden spendieren und zeigen ein paar Bilder, die wir in der Camargue gemacht haben.


Am Vormittag radeln wir zum Fischereihafen auf der anderen Seite der Bucht und kaufen frische Schwertfischsteaks für heute Abend. Direkt am Hafen ist auch ein WoMo-Stellplatz – aber sowas von dicht gedrängt. Da haben wir mit unserem Platz mal wieder richtig Glück gehabt. Vor allem, da wir dort ganz legal stehen. Die Parkverbote für Campingfahrzeuge fangen erst ein paar hundert Meter Richtung Leuchtturm an. Den Rest des Tages gestalten wir als Badetag.


Heute gönnen wir uns noch einen weiteren Badetag. Leider stellen wir fest, dass unser kleines Paradies auch ein paar Nachteile hat. Zum einen sind das die winzig kleinen Mücken, die uns gegen Abend den Aufenthalt draußen vermiesen. Man sieht sie kaum, man hört sie nicht – aber am nächsten Morgen jucken die Stiche echt fies. Zum anderen wird der kleine Pinienwald an dem unser Parkplatz ist, von einigen Tagesbesuchern wohl als Toilette missbraucht. Draußen sitzen ist jedenfalls in der Nähe der Parkzone kein Vergnügen, da uns immer wieder sehr unangenehme „Düfte“ in die Nase wehen.

Heute zieht es uns wieder weiter. Unser Weg führt durch die Millionenstadt Marseille und unser Navi meint es „gut“ mit uns und gönnt uns eine Fahrt durch die Altstadt. Na ja – ist schon erstaunlich wie souverän Thomas den Steyr überall durchmanövriert, aber Ute stehen manchmal die Haare zu Berge bei den schmalen Straßen und den immer wieder angekündigten Höhenbeschränkungen. Aber Thomas und das Navi schaffen es und wir kommen unbeschadet aus dem Gewühl wieder heraus. Unser Ziel ist La Ciotat und der „Parc national des Calanques“ ein Naturschutzgebiet direkt vor den Toren von Marseille mit einer atemberaubenden Küstenstraße. Wir schrauben uns in steilen Serpentinen die Berge hoch und die Aussichtspunkte werden immer eindrucksvoller – leider aber auch immer windiger. An unserem letzten Haltepunkt reißt eine Windbö Ute die Tür aus der Hand und wir bekommen sie danach nur noch mit Gewalt zu. Echt blöd!

Außerdem beunruhigt uns ein zunehmend lauter werdendes Knacken, dass der Steyr bei Kurvenfahrt und Gewichtsverlagerungen des Fahrerhauses von sich gibt, immer mehr. Wir können uns nicht vorstellen, was die Ursache seien soll und die Vorstellung an den steilen Serpentinen hängen zu bleiben ist insbesondere Ute ein Graus. Das schmälert doch den Genuss der Fahrt durch die herrliche Landschaft ganz gewaltig und so fahren wir gegen Abend (Übernachten im Nationalpark verboten) zurück nach La Ciotat. Auf einem Parkplatz von L. finden wir mal wieder eine Stellplatzmöglichkeit und Thomas schmiert den Steyr nochmals gründlich ab und richtet die Tür wieder.

In der Nacht gibt es ein heftiges Gewitter mit reichlich Niederschlag und Sturm und plötzlich sind wir gar nicht mehr unglücklich darüber, dass wir nicht auf den Klippen des Nationalparkes stehen bleiben konnten.

Bei unsere Recherche im Internett nach einer LKW-Werkstatt werden wir nicht fündig und so beschließen wir Richtung Toulon weiterzufahren und das Problem weiterhin zu beobachten. Mal knackt es mehr – mal weniger – und wir achten mehr auf die Geräusche als auf die Gegend. Es wird aber auch nicht schlimmer und die Aussicht, die Problematik mit einem französischen Mechaniker zu diskutieren, wirkt ziemlich abschreckend auf uns. Und so suchen wir uns in Toulon mal wieder einen L. und planen für morgen die Weiterfahrt nach Saint Tropez.


Die Strecke führt uns durch das Massif  des Maures, einen bewaldeten Gebirgszug mit Gipfeln bis rd. 650 Metern. Um unseren Steyr zu schonen, nehmen wir die D98, die uns ohne allzuviele Serpentinen nach Saint Tropez bringt. Auf google-maps hatten wir uns einen CP in Pampelonne am Plage de Tamaris angeschaut. Im real life erweist sich der aber als Privatgelände. Wir stellen uns auf einen WoMo-Sammelplatz für 18 Euro (ohne Strom) dicht an dicht mit den kleinen weißen Artgenossen. Das Preis-/Leistungsverhältniss ist nicht der Hit – aber das liegt wohl an der Gegend hier. Der Strand hier ist sehr grobsandig und ungepflegt (angeschwemmte Pflanzenreste etc.). Dafür ist das Wasser angenehm warm und die Brandung bietet mal ein anderes Schwimmerlebnis. Außerdem liegt eine dicke Jacht vor Anker (Stella Maris; 72 Meter) und bietet uns und den anderen Touris ein Fotomotiv.

Die Strandbars und Wassersportclubs sind dabei, alles einzumotten – nur unser CP-Wart ist auf die einträgliche Idee gekommen die Hauptsaison bis zum 20.09. auszuweiten. Aber so voll wie der Platz ist kann er es sich wohl leisten.

Am späten Nachmittag fahren wir mit den Rädern nach St. Tropez (ca. 7 km) und schauen uns Jachthafen und Altstadt an. Wie erwartet drängt sich hier eine Luxusjacht an die andere und in den Geschäften kann man z.B. Kindershort´s für über 100 Euro kaufen – na ja, man kann es auch lassen. Wir shoppen lieber mit dem Fotoapparat – das ist billiger!

Wir gönnen uns ein Eis im Hörnchen (Riesenkugel für 3,50 € – hätte man aber auch 2 draus machen können), das super lecker ist und schlendern durch die Gassen. Die Preise der Restaurants sind erwartungsgemäß sehr unterschiedlich. Einige sehr hochpreisig, andere – insbesondere etwas vom Hafen entfernte – haben durchaus normale Preise (z.B. Pizza zwischen 10 – 15 Euro).

Zurück am Steyr probieren wir eine Flasche Rotwein, den Ute im Lidl gekauft hat (taugt nichts) mit Brot und Käse (gut) und machen anschließend noch einen Strandspaziergang bei Nacht. Ein Stück entfernt hat noch eine Strandbar geöffnet  und spielt recht gute Musik. Wir lauschen von einer verwaisen Strandliege und hängen unseren Gedanken nach.

Das Wetter hat gewechselt. Über Nacht sind Wolken aufgezogen und es hat geregnet. Jetzt ist es bewölkt aber trocken. Ute nutzt die Zeit um das Tagebuch nachzutragen und Thomas bastelt am Steyr. Da es weiterhin trocken bleibt, brechen wir am Nachmittag zu einer Fahrradtour auf. Wir erkunden die Richtung Cap Camarat gelegenen Strandabschnitte und stellen fest, dass wir mit dem Steyr hier nirgends eine Chance gehabt hätten. Alle Parkplätze sind für PKW reserviert.

Wir radeln weiter zum Leuchtturm auf dem Cap Camarat. Die Straße ist schmal, kurvig und manchmal auch recht steil. Mit den E-Bikes aber kein Problem und wir werden mit einer super Aussicht belohnt. Ein Fußweg von ca. 30 Metern führt von dem (sehr) kleinen Parkplatz vor dem Leuchtturm zu einem weiteren Aussichtspunkt. Der Weg ist wirklich nicht beschwerlich – umso mehr verwundern uns die Schilder. Babys und Stöckelschuhe sind verboten – aber auf die Klippen stellen darf man sich.

Auf dem Rückweg folgen wir einer Abzweigung mit einem Hinweisschild zum CP Municipal. Der Stellplatz ist riesig und trotzdem fast bis zum letzten Platz gefüllt. Hier beträgt der Preis nur 8,-- Euro pro Tag. Es gibt zwei Toiletten und eine Dusche – für all die vielen Camper. Die Besichtigung haben wir uns geschenkt. Der Strand ist nicht so schön, da sich hier das angeschwemmte Seegras sammelt und in dicken Packen den Strand aufpolstert. Ansonsten aber durchaus eine Alternative zu unserem CP – allerdings ist der Weg nach Saint Tropez von hier aus sehr weit.

Heute kommt immer öfter die Sonne durch die Wolken und wir machen nochmals eine Tour nach Saint Tropez. Es ist schon krass, wenn man die protzigen Superjachten sieht, die hier im Hafen liegen – und zwar direkt gegenüber der Lokale, nur durch die Strandpromenade getrennt. Das „Volk“ sitzt dort in Mengen oder läuft über die Promenade und bestaunt die Reichen. „Schöne“ sehen wir eher weniger. Eine Jacht setzt mit ihrem Namen „One More Toy“ dem Ganzen die Krone auf. Unser Ding ist das nicht und wir verziehen uns in die Altstadt. Die kleinen Gassen haben viel Flair und wir kommen immer wieder auf schöne, stimmungsvolle kleine Plätze. Die vielen kleinen Geschäfte und Lokale sind meist harmonisch in´s Stadtbild integriert und es macht Spaß alle Winkel zu erkunden. Ein Tipp falls Ihr auch mal hierherkommt – das Eis bei Barbarac (an der Strandpromenade, da wo die Künstler stehen) ist wirklich zu empfehlen!

Das Wetter wird immer besser und für die kommenden Tage ist strahlender Sonnenschein angekündigt. Der Gedanke gerade dann wieder im Fahrerhaus zu hocken, gefällt uns nicht und so verlängern wir einfach noch für zwei Tage. Es ist schön mal wieder zur Ruhe zu kommen, sich keine Gedanken um knackenden LKW, mögliche Stellplätze, Parkverbote etc. zu machen und sich die Zeit mit baden, lesen, Kartenspielen etc. zu vertreiben. Urlaubsgefühl kommt auf.

Der Wetterbericht hatte Recht! Wir haben strahlenden Sonnenschein und verbringen fast den ganzen Tag am Strand. Da der Wind gedreht hat, wird kein Seegras mehr angeschwemmt und das Wasser ist glasklar. Es gibt auch kaum noch Wellen und das Meer strahlt in allen Blau- und Türkistönen wie in der Karibik. Obwohl wir inzwischen ja einiges an Sonnenschein genießen konnten, ist die Sonne immer noch so intensiv, dass Ute ohne Sonnenschirm keine Chance hat und das Mitte September!

In Pampelone und Saint Tropez ist es wirklich schön, aber trotzdem wollen wir hier keine Wurzeln schlagen und deshalb fahren wir heute weiter Richtung Cannes. Leider begleitet uns das bekannte Knacken während der ganzen Fahrt.

Wir fahren die Küstenstraße (D559) durch St. Maxime bis nach Frejus. Die gesamte Küste ist in diesem Bereich bebaut und Villen, Restaurants und Hotels wechseln sich ab. Es gibt immer wieder schöne Badebuchten und Strände und Parkplätze sind reichlich vorhanden – leider aber nur für PKW. Überall begegnet uns das Parkverbotschild für WoMo´s. Wir finden das unfair! Dass das Campen untersagt ist können wir ja verstehen, aber warum dürfen wir nicht wie jedes andere Fahrzeug auch tagsüber hier parken und baden? Wir campen ja schließlich nicht, sondern gehen wie alle anderen Leute mit unseren Sachen an den Strand!

Frejus mit seinen großen Sandstränden sollte eigentlich das Ziel unserer heutigen Etappe werden. Aber dort angekommen, ist wieder keine Parkmöglichkeit zu finden. Was machen wir, wenn wir nirgends stehen können? Wir fahren zu L. Aber diesmal klappt auch das nicht. Unser Navi führt uns zu einem Einkaufszentrum, das am Ortsrand direkt an der Autobahn liegt. Zu allem Überfluss, versperrt uns noch eine Schranke die Einfahrt auf den Parkplatz (später entdecken wir auch die unbeschrankte Ausfahrt). Also halten wir um die Ecke im Gewerbegebiet und gehen zu Fuß einkaufen um unsere Vorräte wieder aufzufüllen.

Da es uns hier nicht hält, machen wir uns weiter auf den Weg nach Cannes. Wir wählen die DN7, die uns durch das Massif de L´Esterel und damit vom Meeresspiegel auf rd. 400 Meter Höhe führt. Die Strecke führt durch Korkeichenwälder und bietet schöne Ausblicke, die wir auch besser genießen könnten, wenn uns das ständige Knacken bei jedem Lastwechsel des Fahrerhauses nicht daran erinnern würde, dass irgendwas mit unserem Steyr nicht stimmt. In La Napoule, einem Vorort von Cannes, machen wir Halt an einem großen Giant Casino. Das Angebot von Giant entspricht dem Namen – es ist einfach gigantisch und wir gehen mal wieder einkaufen. Wird noch zu einer unserer Lieblingsbeschäftigungen.

Anschließend fahren wir mit den Rädern zum Strand und entdecken einen schönen Weg am Meer entlang mit Blick auf den Hafen von Cannes, das Chateau de la Napoule und anschließende Badebuchten. Das Chateau interessiert uns und wir schauen nach, ob eine Besichtigung möglich ist. Grundsätzlich ist sie das auch – nur gerade heute findet hier eine Hochzeitsfeier statt und das ganze Gelände ist für Besucher gesperrt.

Wir radeln noch ein Stück die Hafenpromenade bis nach Cannes und kehren dann zum Steyr zurück. Dabei sehen wir, dass auch für das gesamte riesige Gelände des Einkaufsmarktes ein Parkverbot für WoMo´s gilt! Bei der Einfahrt hatten wir das Schild glatt übersehen. Wollen die uns als Kunden nicht?

Da es schon recht spät ist bleiben wir, zumal wir auch noch dem direkt neben dem Giant liegenden Mc. D. einen Besuch abstatten wollen/müssen, da unser Datenkontingent für die Internetnutzung für diesen Monat aufgebraucht ist. Dummerweise hat einer unserer Laptops mit Windows10 ein „Eigenleben“ und nutzt jede Wifi-Verbindung um Updates zu fahren. Damit hat er unser Kontingent arg gebeutelt.

Um 4 Uhr nachts wird unsere Nachtruhe abrupt gestört. Es stehen 3 PKW neben uns und eine Gruppe aus Frauen und Männern läuft mit Funkgeräten herum. Einer der Männer fordert uns auf wegzufahren. Wie Parkwächter sehen die nicht aus! Da eine Verständigung leider nicht möglich ist, ziehen wir uns schnell an, packen alles zusammen, was bei der Fahrt in der Kabine rumfliegen könnte und fahren einen Straßenzug weiter, wo wir vor einem Immobilienbüro und einem Waschsalon einfach am Straßenrad stehen bleiben. Thomas schläft ruck zuck wieder ein, aber für Ute ist die Nacht erstmal gelaufen – gut, dass sie ihren Tolino dabei hat.

Morgens um sieben fahren wir los. Eigentlich wollen wir wieder auf den Parkplatz des Einkaufszentrums, da wir noch das Wifi von Mc. D. nutzen möchten. Zu unserem Erstaunen ist aber der ganze Platz abgesperrt und es werden überall Stände aufgebaut. Das erklärt zumindest unser Erlebnis der letzten Nacht! Haben wir aber auch ein Glück, dass wir ausgerechnet an dem Tag vor dem Markt hier stehen wollten.

Nun so schnell kann das gehen. Gerade noch Urlaubsfeeling in Pampleone – und jetzt schon wieder im Stress. Also beschließen wir einen CP bei Antibes anzufahren, den wir uns gestern im Internet angeschaut hatten. Wenn wir der Küstenstraße weiter folgen könnten eigentlich ein Katzensprung – aber aufgrund diverser Höhenbeschränkungen (u.a. 3,40 m) geht das für uns nicht. Unser Navi führt uns die halbe Strecke bis auf den Gipfel des Massiv de L´Esterel zurück und dann eine abenteuerliche Serpentinenstrecke über weitere Gipfel und durch kleine Örtchen bis zur D37. Diese Strecke ist für Fahrzeuge über 6 Meter Länge gesperrt, aber das hält Thomas nicht ab. Glücklicherweise sind so früh morgens noch kaum andere Verkehrsteilnehmer unterwegs und wir haben auf der schmalen Strecke so gut wie keinen Gegenverkehr – bis auf einen offensichtlich lebensmüden Motoradfahrer, der uns auf der extrem kurvigen Straße plötzlich voll auf unserer Seite der Fahrbahn entgegenkommt. Seine und unsere Schutzengel leisten Schwerarbeit und wir schaffen es unversehrt aneinander vorbeizukommen. Ein paar Meter weiter in der Kurve – nicht auszudenken!

Nach ein paar engen Serpentinen und zwei schmalen Brücken (einspurig, Thomas fährt auf den Zentimeter) haben wir es geschafft. Die Ausschilderung hier ist schon erstaunlich. Die Strecke ist schmal, war aber für uns mit unseren 7 Metern Länge unproblematisch zu befahren. Andererseits brach am Fahrbahnrand an mehreren Stellen der Asphalt weg und die Brücken sahen auch nicht sehr stabil aus. Die Strecke war aber bis 19 Tonnen freigegeben. Welche Fahrzeuge wiegen 19 Tonnen und sind kürzer als 6 Meter? Sehr seltsam!

An der D37 sehen wir mehrere Rastmöglichkeiten und halten an einer Stelle an, um zu frühstücken. Doch kaum haben wir den Kaffee in der Tasse, hält ein Lieferwagen neben uns und bittet uns ein Stück vorzufahren. Er möchte hier einen Stand für Obst und Gemüse aufbauen. Wir haben momentan irgendwie kein Händchen bei der Auswahl unserer Parkplätze!

Unser weiterer Weg führt uns entlang des Lac de Saint-Cassien, einem Stausee, der der Stromgewinnung dient. Entlang der ganzen Strecke sind schöne Haltemöglichkeiten, auf denen wir auch einige WoMo´s sehen. Allerdings liegt das Gelände hier hoch über dem Wasserspiegel. Nachdem wir eine lange Brücke überquert haben, steuern wir direkt dahinter spontan einen Parkplatz an. Es ist wunderschön hier – aber natürlich mal wieder Parkverbot für WoMo´s. Wir überlegen, ob wir es einfach drauf ankommen lassen, oder ob wir weiterfahren sollen – da sehen wir gegenüber die Zufahrt zu den Parkplätzen einer kleinen Strandbar. Sie liegen etwas entfernt von der Hauptstraße und sind von dort nicht einsehbar – das gibt den Ausschlag.


Wir suchen uns einen Platz ganz am Ende des Areals und bauen das Kanu auf. Als wir lospaddeln macht gerade die kleine Strandbar auf und der Parkplatz füllt sich schnell.

Der See hat klares, hellgrünes Wasser bei einer Sichttiefe von rd. 1,5 Metern und ist sehr zerklüftet. Wir paddeln in jede der kleinen, canyonartigen Buchten und suchen uns eine schöne einsame Stelle zum Baden aus. Wir sehen Reiher, Möwen und verschiedene Fische aber leider keine der hier ang. vorkommenden Wasserschildkröten. Dafür genießen wir die Paddelpause und das Bad im klaren Wasser. Nach rd. 3 Stunden fahren wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück und beschließen an der Strandbar einen kleinen Imbiss einzunehmen.

Belegte Baguette – leider schon aus! Sandwich – auch leider aus. Was gibt´s denn noch – Fritten! Ein bisschen blöd ist das schon, aber dank dem netten, gut englisch sprechenden Verkäufer haben wir trotzdem unseren Spaß dabei. Mit zwei Gläsern Rosé verziehen wir uns in eine nette Ecke und warten, und warten. Tja – die Fritten hat man wohl vergessen. Hat aber auch was Gutes! Beim Nachfragen lernt Ute den „Patron“ kennen und erklärt, dass wir das sind mit dem „Camion“ und fragt ob wir hier wohl übernachten können – und schwupps haben wir die offizielle Erlaubnis! Das finden wir super – jetzt stehen wir doch gleich viel lockerer hier.


Heute scheint die Sonne wie verrückt, aber unser Parkplatz bleibt ziemlich leer. Die kleine Bar und der Bootsverleih haben nämlich nur am Wochenende geöffnet. Uns stört das nicht. Wir finden es klasse so einen schönen Platz gefunden zu haben und legen unseren Plan mit dem CP bei Antibes erstmal auf Eis.

Da es recht windig ist und wir auch wieder etwas paddeln möchten, fahren wir mit dem Kanu auf die andere Seeseite. Hier ist die Aussicht auf die umliegenden Berge noch schöner, wir haben den Strand für uns allein und die Bäume halten den Wind ab. Der Rest des Tages ist für´s Tagebuch langweilig aber für uns entspannend – baden, lesen, dösen und abends lecker Essen kochen.


Das Wetter ist wunderbar warm und sonnig und so beschließen wir auch noch die nächsten Tage hier zu verbringen. Wir genießen jeden Morgen unser Frühstück auf dem Sonnendeck der Strandbar mit wunderbarem Blick über den See. Danach geht es dann mit dem Kanu zu „unserer“ Badebucht, wo wir den größten Teil des Tages wie oben beschrieben verbringen.


Die Natur ist hier scheint´s noch intakt. Wir sehen Süßwassermuscheln und Flusskrebse, die ja Indikatoren für die Wasserqualität sein sollen. Es gibt auch viele Eisvögel und wir können sie aus allernächster Nähe beim Fischen beobachten. Leider sind sie zu schnell und zu scheu um Fotos zu machen.

Am späten Nachmittag lässt der Wind meist deutlich nach und wir erkunden dann weitere Seitenarme des See´s mit dem Kanu, die alle sehr schön und idyllisch sind. Es ist sehr angenehm, dass Motorfahrzeuge auf dem See verboten sind – es kommen ausschließlich Elektromotoren bzw. Muskelkraft zum Einsatz.


Gegen Abend verziehen wir uns recht zügig in den Steyr, denn leider sind hier viele kleine Mücken, die sich um diese Zeit über uns hermachen wollen. Man sieht sie nicht, man hört sie nicht – aber ruck zuck sind die Beine voller Stiche die leider höllisch jucken. Schade – denn sonst könnten wir auch abends noch schön draußen sitzen.


Es wird Zeit für uns weiterzufahren, da wir ja unseren Termin Mitte Oktober am Bodensee nicht aus den Augen verlieren dürfen. Außerdem scheint sich ein Wetterwechsel anzukündigen. Heute Morgen ist es bewölkt und so fällt es uns viel leichter unseren tollen Platz zu verlassen.


Unser nächstes Ziel ist Avignon und da der Steyr immer noch knackt, haben wir uns entschieden Autobahn zu fahren. Dementsprechend ist die Fahrt recht ereignislos – bis auf die € 44,-- Maut. Eine stolze Summe für rd. 200 km.


In Avignon suchen wir uns wieder einen stadtnahen L. und nutzen die Gelegenheit um unsere Vorräte aufzufüllen. Dann geht es mit den Rädern in die Stadt. Schnell haben wir die imposante Befestigungsmauer erreicht, die den gesamten Altstadtkern umgibt. Wir möchten natürlich den Papstpalast (Palais des Papes) anschauen, der in den Jahren 1335 bis 1430 als Residenz für 7 Päpste und fünf Gegenpäpste diente und so schlängeln wir uns durch extrem schmale Gassen, die zunehmen touristischer geprägt sind.


Plötzlich erheben sich gewaltige Mauern vor uns – wir haben unser Ziel erreicht. Der Palast wurde aus Sicherheitsgründen direkt auf massiven Fels bebaut (kein Tunnelbau möglich) und es ist beeindruckend auf dem alten Kopfsteinpflaster durch eine schmale, anfangs kaum erkennbare Felsspalte - überragt von dem gewaltigen Bauwerk - in Richtung des zentralen Place de l´Horloge zu gehen.

In Ute´s Phantasie könnten jetzt jederzeit gepanzerte Ritter auf ihren Schlachtrössern um die Ecke getrabt kommen. Es kommt aber nur eine Gruppe amerikanischer Touristinnen auf Segways – der Kontrast zu der mittelalterlichen Architektur ist schon gewaltig!


Wir wandern über den Place de l`Horloge in Richtung der Kathedrale Notre-Dame-des Doms und dann vorbei am Musée du Petit Palais in den Jardin des Doms. Von hier haben wir eine gute Aussicht auf die Kathedrale und die goldene Jesusstatue auf der Turmspitze. Der an der Statue angebrachte Blitzableiter zeigt, dass man auch hier mehr auf Naturgesetzte vertraut als auf´s Gottvertrauen.


Der Besuch des Gartens ist vor allem wegen der phantastischen Aussicht auf die gesamte Umgebung zu empfehlen. Wir haben einen weiten Blick in´s Land – sei es die bekannte Brücke Pont Saint-Bénézet, die Rhône, die Île de la Barthelasse oder die Dächer der Altstadt und das Hinterland.


Von der Pont Saint-Bénézet sind nur noch 4 Brückenbögen erhalten, sodass sie jetzt mitten in der Rhône endet. Die restlichen Bögen (früher mal 22) sind Kriegen und vor allem Hochwassern zum Opfer gefallen.


Anschließend fahren wir über die glücklicherweise intakte und mit einem sehr schönen Radweg ausgestattete Pont Edouard Daladier zur Île de la Barthelasse. Dort radeln wir an der Rhône entlang und genießen den Blick auf das Stadtpanorama und erkunden auch die verschiedenen CP´s.

Die gibt es hier reichlich, aber wir wollen morgen weiter und so machen wir noch einen Spaziergang durch die geschäftigen Gassen der Altstadt, essen Pizza (nie wieder direkt an der „Touri-Meile“) und radeln dann zum Steyr zurück.


Unser nächstes Etappenziel ist das kleine Örtchen Cognin-les-Gorges an der beeindruckenden Gorges du Nan. Thomas hat die Nase voll von langweiliger Autobahnfahrt und da die Strecke laut Navi keine steilen Serpentinenstrecken enthält, fahren wir wieder Landstraße.



Unser Weg führt uns entlang der Rhône durch idyllische Örtchen wie Rochemaure mit Burganlagen und mittelalterlichem Dorfkern. Damit wir nicht zu sehr ins Schwärmen geraten, bilden große Zementwerke und zwei Nuklearanlagen einen massiven Kontrast.  Die Nuklearanlage Tricastin,  die Urananreicherungsanlage von Pierrelatte und das stillgelegte Kernkraftwerk Marcoule liegen hier dicht beieinander.

Kurz hinter Valence wird das Panorama gebirgig. Ein optisches Highlight ist das Örtchen Pont en Royans mit seiner eindrucksvollen Brücke und den schroffen Gebirgszügen im Hintergrund. Leider findet hier ein Trödelmarkt statt und es ist kaum ein Durchkommen – anhalten völlig unmöglich. Also betätigt sich Ute mal wieder als Bildreporterin vom fahrenden Steyr aus. Kurz vor St. Romans fahren wir an mächtigen Kalksteinfelsen vorbei. Aus der Ferne sind zerklüftete Felsformationen zu erkennen, die aus der Nähe betrachtet bestimmt ein Erlebnis sind.

Am Nachmittag kommen wir in Cognin-les-Gorges an und sehen sofort den tiefen Einschnitt der Gordes du Nan, der direkt hinter dem Örtchen beginnt. Wir fahren zum Camping La Chatonnière. Es handelt sich um einen „Camping a la Ferme“, also Camping auf dem Bauernhof. Die Betreiberin ist gebürtige Deutsche und es geht sehr ungezwungen zu. Da wir keinen weiteren Service in Anspruch nehmen, zahlen wir 7,-- Euro pro Tag – da kann man nicht meckern. Der kleine Hof lebt in der Hauptsache vom Walnussanbau. Überhaupt ist die ganze Gegend voller Walnussplantagen.

Ein anderer deutscher Wohnmobilist gibt uns den Tipp des „france passion camping“. Über WOMO International kann man wohl für ca. € 40,00 eine Plakette kaufen, die dann für 1 Jahr zum kostenlosen übernachten auf diversen Höfen (jeweils 1 Nacht) berechtigt. Für uns momentan nicht mehr so spannend, aber sollten wir mal wieder eine längere Frankreichtour planen müssen wir mal genauer dazu recherchieren.


Heute ist es ziemlich bewölkt und die Sonne scheint nur ab und zu. Für Morgen ist Regen angesagt. Außerdem ist es hier deutlich kühler. Wir fühlen uns wie auf einer Zeitreise. Vorgestern haben wir noch unbeschwerte, sommerliche Badetage genossen und heute kramen wir lange Hosen und warme, herbstliche Jacken aus den Tiefen unserer Schränke. Heute Morgen sind es nur 10 Grad und bei dem bewölkten Himmel kommen die Temperaturen auch am Nachmittag nicht über 17 Grad hinaus.


Also rein in die Herbstklamotten, Wanderschuhe an und los geht´s Richtung Schlucht. Das Örtchen ist super klein und super urig. Die Häuser erinnern mehr ans Engadin als an die Dörfer, die wir noch gestern durchfahren sind.


Direkt hinter dem Ort starten diverse Wanderwege. Wir gehen entlang des Nan in die gleichnamige Schlucht, die dieser durch seine steten Wasserläufe über die Jahrtausende geschaffen hat. Die Schlucht beeindruckt durch hohe Felswände, viele lebhafte Wasserfälle und Ute staunt über die vielen verschiedenen Farnarten, die hier auf kleinstem Raum prächtig wachsen.


Der Weg wird nach rd. einer halben Stunde immer steiler und schmaler und da wir heute Nachmittag noch eine Radtour planen, gehen wir zurück und kehren im „Lokal zum Steyr“ zu einer Mittagsmahlzeit ein.


Anschließend wollen wir, der Empfehlung unserer Wirtin folgend, eine Radtour zum rd. 10 km entfernten Malleval en Vercors machen. Die Straße beginnt direkt hinter unserem CP und ist mit einer maximalen Breite und Höhe von 2,80 Metern definitiv nicht steyrtauglich. Die Strecke führt uns konstant bergauf. Unser Navis verrät uns später, dass wir 700 Höhenmeter zu bezwingen hatten. Gelobt seien die E-Bike´s!!!! Die Straße ist so schmal, dass wir – obwohl wir ja nur mit Rädern unterwegs sind - oft in einer Ausweichbucht anhalten, wenn uns PKW begegnen. Glücklicherweise ist die Straße kaum befahren, so dass wir uns auf die grandiose Landschaft konzentrieren können.

Besonders spektakulär ist der Abschnitt durch die Schlucht, der unter Felsüberhängen durch drei kleine, abenteuerlich anzusehende Tunnel führt. Hier halten wir geschätzt alle 10 Meter an, um die immer wieder neue, grandiose Aussicht zu genießen und natürlich auch zu fotografieren.


Der restliche Weg (ca. 6 km) nach Malleval ist unverändert steil aber nicht mehr so spektakulär. Trotzdem bietet sich immer wieder ein schöner Blick über die Bergwiesen und –wälder und natürlich die Gorges du Nan.

Malleval selbst besteht nur aus wenigen, schmucklosen Häusern. Nach dem heimeligen Eindruck, den Cognin bei uns hinterlassen hat, hatten wir von Malleval eindeutig mehr erwartet.

Seit wir die Schlucht verlassen haben, ist es deutlich kälter geworden und wir ziehen uns für die Rückfahrt warm an. 10 km nur Abfahrt – das hält nicht gerade warm und wir freuen uns, als wir wieder in die Schlucht fahren und von einem merklich wärmerem Klima empfangen werden.


Unser Fazit: Die Tour ist sehr empfehlenswert und wir würden sie auf jeden Fall wieder mit den Rädern machen. Es ist einfach toll überall anhalten zu können, stehenzubleiben solange man will und sich einfach auf die Landschaft konzentrieren zu können. Mit PKW wäre das so nicht möglich, da jeder Gegenverkehr zu einem Erlebnis der besonderen Art wird und gerade im Bereich der Schlucht und der Tunnel keine Parkbuchten vorhanden sind. Schaut Euch einfach die Bilder an, dann wisst Ihr was wir meinen!



Heute fahren wir weiter nach Grenoble. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön und führt durch große Walnussplantagen. Wir haben Glück mit dem Wetter. Es ist zwar Regen angesagt, aber nachdem sich der Morgendunst verzieht wird es immer sonniger.

In Grenoble stellen wir uns wieder auf einen Parkplatz von L. und starten mit den Rädern in die Stadt. Ziel ist die Basisstation der Seilbahn, die zur Bastille herauffährt. Diese liegt direkt am Ufer der l`Isère bei den Parkanlagen des Jardin de Ville und ist schnell gefunden. Die Fahrt in den bekannten Plexiglaskugeln dauert ca. 5 Minuten und bietet schon eine schöne Aussicht auf das Altstadtviertel. Leider ist das Plexiglas recht verschrammt, was die Qualität der Fotos beeinträchtigt.

Dafür entschädigt aber das grandiose Panorama, das die verschiedenen Aussichtplattformen der Bastille bieten. Wir genießen den Weitblick und informieren uns über die umliegenden Gebirgszüge, die auf bebilderten Hinweistafeln beschrieben werden und die wir dank des immer sonniger werdenden Wetters gut sehen können. Nur den Mont Blanc mit seinen über 4800 Metern können wir wegen der leichten Bewölkung in der Ferne nur erahnen. Nach ausgiebigem Genuss des Panoramas und reichlich Fotos gehen wir zu den sogenannten „Höhlen von Mandrin“. Es handelt sich hier um in den Fels gehauene Gewölbe, die als Geschützstellung und als Lager dienten. Anschließend machen wir uns wieder auf die Rückfahrt, da wir die Altstadt noch etwas mit unseren Rädern erkunden wollen. Mit Hilfe unseres Navi´s finden wir auch wieder zum Steyr zurück. Von dort aus starten wir noch mal kurz mit den Rädern zu einem in der Nähe gelegenen Mc D. Allerdings kurven wir ganz schön in der Gegend rum, bis wir ihn endlich gefunden haben, da er in einem großen Einkaufszentrum liegt und keine Außenwerbung auf ihn aufmerksam macht.

Eigentlich – tja eigentlich wollten wir heute bis nach Genf weiterfahren. Nach einigen Stunden Fahrt hat Ute aber irgendwie die Nase voll. Nicht schon wieder von einer Großstadt in die Andere. Genf kann warten. Ute möchte lieber noch eine Zwischenstation einlegen und zwar irgendwo im Grünen.

Unser Navi zeigt uns, dass wir ganz in der Nähe des Lac d´ Annécy  sind. See – hört sich gut an. Also nichts wie hin. Der See liegt in malerischer Gebirgskulisse und das Wasser schimmert türkisgrün wie ein Gletscherfluss. Unser Weg führt uns entlang des Seeufers durch Sevrier und Saint-Jorioz.

Der CP, den wir uns ausgesucht haben ist auch wirklich schön gelegen, hat aber leider geschlossen. Also fahren wir ein Stück zurück zu einem anderen CP – und der hat auch geschlossen!

Direkt neben dem CP ist ein kleiner Parkplatz und dort halten wir leicht gefrustet um die Lage zu sondieren. Ein französisches Ehepaar staunt über den Steyr und schnell sind wir im Gespräch, da die Beiden gut Englisch sprechen. Sie stehen hier schon seit zwei Tagen und wir beschließen kurzerhand ebenfalls hier zu bleiben. Campen ist zwar – wie überall – verboten, aber was sollen wir machen, wenn die CP´s geschlossen haben.

Also lassen wir uns häuslich nieder und nutzen den tollen Radweg – wohl eine ehemalige Eisenbahnstrecke – der direkt vor dem Parkplatz vorbeiführt. Der Weg ist recht stark frequentiert. Man merkt, dass in Frankreich der Radsport einen hohen Stellenwert hat. Hobbyradler - so wie wir - sehen wir kaum, dafür aber jede Menge Rennradler in der typischen Radrennsportmontour.

Wir finden einen direkten Weg zum See und radeln am Ufer auf schmalen Wegen durch eine wunderschöne Landschaft. Das ist genau die Erholung vom Großstadtambiente, die Ute jetzt braucht. Kurz bevor wir umkehren, haben wir einen wunderschönen Ausblick auf das Chateau de Duingt, das malerisch am Seeufer vor der eindrucksvollen Kulisse des Col de la Forclaz (1.157 m) und des La Tournette (2.351 m) liegt. Optisch hat man den Eindruck, dass der See dort endet und das Chateau sozusagen an der Mitte des hinteren Seeufers liegt – ein Irrtum, wie wir morgen noch feststellen sollen.

Heute ist wieder wunderschönes, sonniges Wetter und wir beschließen mal ein wenig in die andere Richtung, also Richtung Annecy zu radeln. Der Radweg ist hervorragend und so ist Annecy schnell erreicht. Der Ortseingang direkt am Hafen der Ausflugsboote (fahren in dieser Jahreszeit aber nur noch am Wochenende) sieht aus wie Klein-Venedig mit einem Schuss Mittelalter und wir machen uns zu Fuß zu einer Ortserkundung auf. Der Altstadtkern ist wunderschön und wir können den Besuch wärmstens empfehlen! Bilder sagen auch hier wieder mal mehr als Worte.

Anschließend radeln wir weiter in Richtung Veyrier-du-Lac. Da der Radweg weiterhin super angelegt ist, die Gegend sehr abwechslungsreich und das Wetter super ist, radeln wir immer weiter ohne uns groß abzusprechen, ob wir nun den See umrunden wollen, oder langsam mal umkehren sollten. Es läuft einfach super und wir haben ja schließlich e-bikes!

So radeln wir vorbei an Menthon-St. Bernard und sehen jede Menge Gleitschirmflieger, die wie ein Haufen bunter Schmetterlinge vor dem Gebirgszug der Les Dents de Lanfon (1.824m) herumfliegen.

Bei Talloires führt die Straße wieder an den See und wir haben einen tollen Ausblick auf das Chateau de Duingt am anderen Seeufer und den „Petit Lac“. Allerdings finden wir das gar nicht so wunderbar, da wir davon ausgegangen waren, dass  - wie gestern beschrieben - das Chateau am Ende des Sees liegt. Das war ein Irrtum, wie wir aus dieser Perspektive erkennen. Ein gutes Kartenstudium hätte auch geholfen – wer gucken kann ist klar im Vorteil! Jetzt zeigt sich, dass unsere Radtour wohl doch noch ein wenig länger wird. Leider liegt der folgende Streckenabschnitt schon ziemlich im Schatten der Berge und es wird merklich frischer. Also treten wir munter in die Pedale und umrunden auch noch den Petit Lac – was bleibt uns auch anderes übrig.

Wieder am Steyr angekommen, zeigt sich, dass die Gesamttour 39 km umfasste. Wäre auch kein Problem gewesen, wenn wir nicht so lange durch Annecy marschiert wären und den Petit Lac nicht erst so spät erreicht hätten. War aber trotzdem schön! Auf der anderen Seeseite haben wir sogar einen schönen, direkt am See gelegenen CP gesehen, der noch aufhatte.

 

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