Reisebericht Marokko zweiter Teil

Marrakech - Tata

Das Wetter ist enttäuschend - Nebel mit Nieselregen – und wir hatten uns so auf den majestätischen Anblick der 4.000er gefreut, die wir aus der Ferne schon die letzten Tage bewundern konnten. Wie toll wäre der Anblick beim Näherkommen gewesen! Aber keine Chance – der Nebel wird immer dichter je mehr wir ins Gebirge kommen und die 4.000er hüllen sich in einen dichten Wolkenschleier. Wir fühlen uns wie ein Pferd mit Scheuklappen – wir sehen die Straße, aber die Abgründe rechts und links halt nicht. Vielleicht ist das für Ute mit ihrer Höhenangst ja auch ganz gut.

Obwohl es Sonntag ist, sind ein paar Laster unterwegs, aber trotz Nebel und kurviger Straßen klappt das Überhohlen gut. Kurz vor dem Pass klart es etwas auf und wir haben eine spektakuläre Aussicht auf die Serpentinen des Tizi-n-Tichka (2.260 m; unser neuer Höhenrekord). Der Steyr schlägt sich prima und Ute lenkt sich von ihrer Höhenangst durch jede Menge Fotos ab.

Pass Tizi-n-Tichka Marokko Serpentinen Passhöhe

Nachdem wir den Pass überwunden haben, klart es endgültig auf und die Sonne strahlt vom fast wolkenlosen Himmel. Wir haben wieder eine super Aussicht auf die wunderbare Landschaft und sehen auch noch einige der schneebedeckten 4.000er die wir gerade hinter uns lassen. Den berüchtigten Felsüberhang haben wir übrigens nirgends entdeckt, dafür aber umfassende Straßenbaumaßnahmen am Pass. Später erfahren wir, dass der Überhang wohl auf einer anderen Passstrecke zu finden ist.

In Quarzazate halten wir mittags bei der Kasbah Teourit und bereiten schnell einen kleinen Salat als Mittagessen. Danach wollen wir einen Bummel durch die Souks machen und was sehen wir, als wir aussteigen?

Da kommt doch ein Expeditionsmobil die Straße hochgefahren – und nicht irgendeins! Es sind Robert und Alexandra mit Tochter Lea. Was ein Zufall!! Eigentlich wollten wir uns mit den dreien ja zur Überfahrt in Algeciras treffen, hatten diesen Plan aber wegen der begrenzten Zeit (Ferien) und damit verbundenen schnellen Reise der Drei aufgegeben. Danach hatten wir uns aus den Augen verloren, und hier führt uns der Zufall zusammen. Also setzen wir uns erstmal in ein Lokal, trinken Tee und tauschen unsere Erlebnisse aus. Schade, dass die Drei so schnell weiter müssen, aber die Ferienzeiten von Lea setzen halt enge Grenzen.

Der Himmel ist wieder wolkenlos blau und es ist mächtig warm. Jeder sucht Schatten so gut er kann. Auf dem Parkplatz hatten wir einen sehr gut deutsch sprechenden Führer getroffen und nach ihm fragen wir, um eine Führung durch die Kasbah und die daran anschließende Altstadt zu erhalten. Wir erfahren viel über Entstehung, Bauweise und früherem Leben in der Kasbah und freuen uns über die individuelle Führung. Bei der Besichtigung der Altstadt sehen wir Viertel und Gassen, in die wir allein bestimmt nicht gegangen wären und landen – welche Überraschung - auf freundliche Art in einem Teppichgeschäft. Wir machen schnell deutlich, dass wir keinen Teppich kaufen werden, aber so ganz ohne Umsatz kommen wir doch nicht wieder raus. Nach einigem Handeln gehört Ute eine weitere Hamissa – wird unter Mitbringsel verbucht. Anschließend bringt uns unser Führer noch in ein wunderschönes Café, dass wir nie im Leben selbst entdeckt hätten. Von außen alles verwahrloste Altstadtlehmbauten, von innen sehr geschmackvoll und mit Liebe zum Detail renoviertes Café mit Springbrunnen und schattigen Sitzplätzen im Innenhof. Gegen 18.30 Uhr fahren wir weiter, um uns einen Platz für die Nacht zu suchen.

Haben wir noch in Frankreich und Spanien fast jede Nacht „frei“ gestanden, so ziehen wir in Marokko die Campingplätze vor. Nicht, weil wir uns unsicher fühlen würden, aber die Bevölkerung ist einfach unglaublich kontaktfreudig - man hat einfach mehr Ruhe und bei den Preisen von rd. 4 Euro für eine Übernachtung ist das finanziell kein Thema. Außerdem hoffen wir auf nette Bekanntschaften mit anderen Reisenden. So fahren wir zu einem CP, dessen Koordinaten wir von Freunden bekommen haben. Der Platz liegt nicht weit von der Kasbah entfernt, ist recht ordentlich und für eine Übernachtung auf jeden Fall o.k. – nur dass uns am frühen Morgen gleich fünf Muezzin aus verschiedenen Stadtteilen und mit leichtem Zeitversatz startend (alles andere als wohltönend) aus dem Schlaf holen, das ist kein Genuss!

Heute geht es weiter über die N10 zur Todra-Schlucht. Die Temperaturen liegen bei angenehmen 25°.  Wir fahren eine Zeitlang parallel zu dem großen Stausee bei Quarzazate und wundern uns über dessen Ausdehnung. Trotz des vielen Wassers ist die Gegend um den See öd und leer und nur am hinteren Ende ist eine Neubausiedlung aus dem Boden gestampft worden, die in der kargen Landschaft irgendwie fehl am Platz wirkt. Unterwegs halten wir in einem kleinen Dorf mit schöner Aussicht und vielen Tüchern vor den Geschäften. Tücher kann man nicht genug haben – zum zusätzlichen abschattieren, als Strandtuch, Sarong oder einfach so weil sie schön sind. Wir kaufen drei gebatikte Tücher in verschiedenen Größen und Farben und staunen über den in den Innenräumen fast schon apothekenhaft sauberen und ordentlichen Laden, in dem auch noch alle möglichen Produkte für die Schönheitspflege mit Rosen- und Arganöl verkauft werden.

 

Kurz vor der Todra-Schlucht, auf einem schönen Aussichtspunkt, fallen wir modernen marokkanischen Wegelagerern in die Hände. Es fängt ganz lustig an mit Turban wickeln, Foto mit Kamel und dann wollen die drei Jungs Tücher gegen Shirts etc. tauschen. Warum nicht denken wir – dazu haben wir ja die Sachen mitgenommen. Aber die Drei kriegen den Hals nicht voll und als wir im Gegenzug für 3 Shirts und 3 Paar Schuhe einen langen Tuareg Schal tauschen möchten - die Jungs haben ja schließlich von tauschen gesprochen - zieren sich die Herren mächtig. Wir setzen uns durch, aber das Ganze hinterlässt kein positives Gefühl mehr und so sehen wir zu, dass wir weiterkommen.

 

Die Todra-Schlucht ist landschaftlich einfach umwerfend, touristisch aber sehr erschlossen und der besonders beeindruckende Teil, in dem die hohen Felswände bis auf wenige hundert Meter zusammenkommen ist von Souvenirständen gesäumt. Wir lassen den Steyr am Eingang der Schlucht am Straßenrand stehen (hoffentlich bleiben alle Felsen wo sie sind, das überhängende Gestein sieht äußerst brüchig aus) und erschließen uns die spektakuläre Aussicht zu Fuß. Man fühlt sich einfach winzig, wenn man den Kopf in den Nacken legen muss, um überhaupt noch den Himmel sehen zu können. Um den Größenvergleich mal ins Bild zu setzen, wartet Ute in der Schlucht und Thomas holt den Steyr. Als er in die Schlucht einbiegt, könnte man unseren Dicken glatt übersehen, so winzig wirkt er in dieser Umgebung. Mal ein ganz neues Gefühl, sonst ist er immer der Größte.

Todra Schlucht Marokko Expeditionsmobil

Am Ende der Schlucht sehen wir noch unter einem gewaltigen Felsüberhang ein Kasbah Hotel. Unter diesem Felsüberhang möchten wir bei diesen losen Gesteinsformationen nicht leben, denken wir noch und später hören wir dann, dass das Hotel geschlossen hat, seit vor einiger Zeit ein gewaltiger Felsen herabgestürzt ist und im Inneren einen großen Schaden hinterlassen hat.

Die Schlucht endet ebenso abrupt wie sie beginnt und schon nach wenigen hundert Metern erkennt man kaum noch, wo zwischen all den hochaufragenden Felsen der Eingang liegen könnte. Wir halten auf einer weiteren Aussichtsfläche und machen noch ein paar Fotos. Ein junger Berber spricht uns freundlich an und wir nutzen die Gelegenheit, ihn nach dem Pass zur Dardes-Schlucht zu befragen. Der Pass liegt auf 2.800 Metern Höhe und die Straße soll nach unseren Informationen unbefestigte Piste sein. Weil nach den Unwettern im Winter viele Straßen und Pisten stark beschädigt wurden, sind wir uns nicht sicher, ob die Strecke für uns geeignet ist. Mustapha, der recht gut Englisch spricht, rät uns von der Strecke ab, aber wie immer in solchen Gesprächen kommt keine wirklich eindeutige Aussage. Ob das an der Mentalität oder an Verständigungsschwierigkeiten liegt, ist schwer zu sagen. Wir erzählen Mustapha, dass wir uns erstmal einen Campingplatz in Tamtattouchte suchen wollen und er erzählt uns, dass er dort wohnt und fragt, ob wir ihn bis dort mitnehmen könnten. Da Mustafa einen netten und freundlichen Eindruck macht und außerdem sauber gekleidet ist, kommen wir seiner Bitte gern nach. Auf der Fahrt sehen wir schwarze Verfärbungen hoch in den Felswänden und Mustapha erklärt, dass dort Höhlennomaden wohnen. Durch den Rauch der Kochstellen färbt sich der Fels über den Höhlen mit der Zeit schwarz. Für uns ist kaum zu erkennen, wie die Nomaden überhaupt diese hoch in den Felswänden gelegenen Höhlen erreichen können und die Vorstellung, dass Menschen und Tiere hier Sommers wie Winters unter Steinzeitbedingungen leben, ist für uns kaum zu fassen. Als wir T. erreichen lotst uns Mustapha zu seinem kleinen Camping Tafouyt, den er mit seiner Schwester Fatima und einem Freund betreibt. Jetzt geht uns auch ein Licht auf, was das eigentliche Anliegen der „Mitnahme“ war. Der kleine, aber langgestreckte Ort T. wird nicht mehr vom dem Touristenrummel der Todra-Schlucht erreicht. Da muss man sich schon aktiv um neue Kunden bemühen ;-)). Bei der Durchfahrt haben wir gesehen, dass viele Straßenanlieger versuchen, ihr kleines Grundstück als Camping anzubieten. So viele CP auf so kleiner Fläche hatten wir noch nie.

Wir sehen, dass Mustapha sich alle Mühe gibt, mit viel Fantasie und Liebe aber mit sehr geringen finanziellen Möglichkeiten seinen kleinen CP zu betreiben. Immerhin stehen schon zwei Gäste, ein italienischer und ein französischer Camper, auf seinem Hof. Also gesellen wir uns dazu und werden mit Tee bewirtet, dem nicht wie bislang gewohnt Minze sondern der hier überall wild wachsende Thymian beigefügt wurde – auch lecker und bestimmt sehr gesund! Das Angebot, dass Fatima für uns kocht, müssen wir ausschlagen, da es nach der super Bewirtung durch Hassan höchste Zeit wird, dass wir unsere eigenen Vorräte in die Pfanne hauen.

Am späten Nachmittag zieht zu unserem Erstaunen sehr schnell ein Gewitter auf und es stürmt und regnet heftig. So viel zu Wetterwechsel im Gebirge. Wir sind froh, dass wir hier gut und sicher stehen und planen nach diesen heftigen Regenfällen endgültig unsere Route um. Jetzt über den Pass auf Piste – das ist uns zu riskant, da der Lehmboden sich hier bei Regen in eine einzige Rutschbahn verwandelt. Wir finden eine neue Strecke durch die Assoul-Schlucht nach Imiter und dann von Amellago durch die Rheris-Schlucht nach Goulmima. Das wird unsere morgige Etappe werden.

 

Nach einer ruhigen Nacht besuchen wir früh morgens noch mit Mustapha als Dolmetscher einen kleinen Berbermarkt. Dieser ist definitiv nicht touristisch orientiert und wir kaufen Orangen und etwas Gemüse. Erstaunt sehen wir, dass gebrauchte Tennisbälle angeboten werden. Auf Nachfrage sagt man uns, dass ein Ball umgerechnet 2 € kosten soll – puh, dafür bekommen wir in Deutschland ja neue Bälle. Auch andere Sachen wie Schuhe und Kleidung, die offensichtlich von Touristen verschenkt wurden, finden wir auf den Marktständen. Wenn man aber gleichzeitig die immense Armut in dieser Gegend erlebt, ist es nur zu verständlich, dass jede Gelegenheit etwas Geld zu verdienen genutzt wird.

 

Wir verabschieden uns von Mustapha mit einem kleinen Paket mit Handschuhen, Pullovern etc. für die Drei und runden den Preis für die Übernachtung (4 Euro) gerne etwas auf. So nett und liebenswürdig sind wir noch nie abgeschleppt worden.

 

Unsere Fahrt durch die Assoul- und die Rheris-Schlucht bei strahlendem Sonnenschein ist ein absolutes Highlight unserer Marokkoreise! Ute macht rd. 800 Bilder - die Felsformationen sind unglaublich. Die Straße ist auf der ganzen Strecke asphaltiert, allerdings manchmal sehr schmal (quasi einspurig, aber Gott sei Dank kaum Gegenverkehr vor allem nicht in den unübersichtlichen Kurven!). Wir müssen mehrfach das Flussbett des Qued Rheris queren und bekommen jedes Mal eine gratis Reifenwäsche. Für den Steyr kein Problem – für ein normales Womo wären einige der Durchfahrten kritisch gewesen. Die im Reiseführer geschilderten Felsüberhänge sind zwar da und geben ein super Fotomotiv ab, aber wir passen problemlos durch.

Hinter Goulmima wird die Landschaft recht eintönig und wir fahren eine als Piste ausgewiesene Abkürzung Richtung Erfoud, die allerdings inzwischen auch schon asphaltiert ist. Nachdem wir Erfoud erreichen, wollen wir noch weiter Richtung Erg Chebbi, aber das Wetter verschlechtert sich zusehends (leichter Sandsturm) und wir staunen nicht schlecht, als uns der Doppeldecker von Reinhard mit seiner Reisegruppe entgegenkommt, die gerade einen Fossiliensteinbruch besichtigt haben. Wir fahren noch weiter, aber als die Sichtweite immer mehr abnimmt und die Strecke auch noch in eine heftige Wellblechpiste übergeht, haben wir keine Lust mehr und kehren um. In Erfoud treffen wir wieder auf Familie Schatz und folgen gerne der Einladung mit dem Steyr an dem Hotel der Reisegruppe zu übernachten und dort auch zu Abend zu essen.

Heute wird Reinhard mit seiner Gruppe in Rissani ein Mausoleum und ein touristisch nicht erschlossenes noch bewohntes Ksar (Wehrdorf aus dem 19. Jahrhundert) besuchen. Außerdem steht noch eine weitere Kasbah (Filmkulisse), ein Besuch des Souks in Rissani und ein Essen bei Berbern auf dem Programm.

Wir werden - wie schon in Marrakech - umgehend integriert und schließen uns gerne der fachkundigen Führung von Aischa und Reinhard an.

Die Fahrt nach Rissani ist von Wind und Flugsand begleitet und deshalb ist das Erlebnis den schönen, wunderbar begrünten Innenhof des Mausoleums von Mulay Ali Cherif (Vorfahr des jetzigen Königs) zu betreten umso eindrucksvoller. Nichtmuslime dürfen – leider, aber verständlicherweise, wenn man das Benehmen einiger Touristen betrachtet - die mosaikgeschmückte Grabkammer nicht betreten.

Das Ksar, das wir anschließend besuchen, ist in keinem Reiseführer genannt und ohne die Führung von Reinhard hätten wir es auch nicht entdeckt. Es handelt sich um einen riesigen Lehmbaukomplex mit wunderbarer Ornamentik auf den mächtigen Türmen, die das große Eingangstor flankieren. Wir besuchen dort eine Familie, die die Schatz seit längerem kennen und werden zum Tee eingeladen. Hier können wir direkt sehen, wie heute in einem Ksar gewohnt wird. In einem Innenhof - sehen wir eine in ihrem Verfall malerisch wirkende Kulisse. Nur schade, dass man weiß, dass es sie bald nicht mehr geben wird, da dem Zahn der Zeit in keiner Weise entgegengewirkt wird.

Wir führen einen Großteil der von uns mitgebrachten ausgemusterten Kleidung, Nähutensilien, Schmuck etc. einer sinnvollen Verwendung zu, indem wir sie an die Familie einer Frau übergeben, deren Mann verstorben ist, wie uns Reinhard vorher erzählt hat. Dies ist umso sinnvoller, da wir inzwischen bemerkt haben, dass Geschenke an die Kinder unterwegs nicht unproblematisch sind. Hält man auch nur in der Nähe eines Ortes, ist die Kinderschar ganz schnell unübersehbar und es kommt zu Raufereien unter den Kindern um die Geschenke. Auch wenn wir allein auf weiter Flur halten, so merken wir, dass die meisten Kinder kein Maß kennen und auch nach dem Geschenk eines Kleidungsstückes und eines Kugelschreibers (sehr begehrt, da gut weiterzuverkaufen) immer weitere Forderungen stellen z.B. nach einem Handy. An dieser Unsitte sind die Touristen letztlich selber schuld und wir wollen die Erwartungshaltung nicht weiter schüren.


Weiter geht es zu einem Berberanwesen mit Zelten und kleiner Kasbah. Dort verkauft eine Berberfamilie alles Mögliche, was die Nomadenfamilien noch so abzugeben haben und natürlich Teppiche. Zum Mittagessen lernen wir Maflouka kennen, eine Spezialität, die es nur in dieser Gegend gibt. Von außen betrachtet handelt es sich um ein großes Fladenbrot, das aber einen ganz dünnen Teig hat und innen mit Fleisch und Zwiebeln oder auch nur mit Gemüse (für die Vegetarier unter uns) gefüllt ist. Schmeckt super lecker – keine Ahnung, wie man den Teig so dünn und überall so rund geschlossen um die Füllung kriegt. Gewürzt ist das Ganze sehr pikant mit einem speziellen Gewürz, das aus 44 Zutaten besteht und das wir später auch im Souk kaufen können.

Weiter geht es zu der Kasbah Mulay Ibrahim, die als Filmkulisse für Filme wie „Marco Polo“, „Himmel über der Wüste“, etc. diente. Irgendwie kann uns dieser Bau aber nicht so wirklich begeistern, die anderen haben uns mehr beeindruckt. Zum Abschluss besuchen wir noch den Souk, kaufen Gewürze und eine aus Kunststoff-Stroh geflochtene Matte für unsere „Terrasse“ – dann verabschieden wir uns von der Reisegruppe (leichten Herzens) und von Aischa und Reinhard (schweren Herzens) und setzen unseren Weg ins Erg Chebbi fort.

Zwischen Rissani und Merzouga wollen wir zum Camping Mohajut. An der Tankstelle werden wir aber mal wieder freundlich abgeschleppt. Dies stellt sich als Glücksfall heraus, da wir hierdurch den Camping Haven La Chance kennenlernen, der einen sehr schönen, großen Stellplatz quasi in den Dünen anbietet, teilweise schon mit großen, schattenspendenden Palmen  und mit super Blick auf die Dünen des Erg Chebbi. Unser Schlepper macht sich schnell aus dem Staub, als er merkt, dass wir an Jeeptouren,  etc. nicht interessiert sind.

Heute ist es sehr sonnig (16 - 38°) und klar – gutes Wetter zum Fotogrfieren. Es ist auch sehr malerisch, morgens den Dromedar Karawanen zuzusehen, die von den Ausflügen mit Übernachtung im Nomadenzelt wieder durch die Dünen zurückkommen. Ein Bild wie aus längst vergangenen Zeiten, das eine ungeheure Ruhe ausstrahlt.

Wir möchten gerne eine Ostumfahrung des Erg Chebbi über Piste machen und tragen verschiedene Daten zusammen. Nach einigem Probieren und fluchen übers Navi bildet sich so langsam aus den Koordinaten von Därr und der Pistenkuh eine Strecke, die wir wohl nachfahren könnten. Eine gewisse Nervosität macht sich bei Ute – wie immer vor neuen unbekannten Gefilden – breit. Thomas ist Optimist und die Ruhe selbst – ebenfalls wie immer. Dann nutzen wir noch das Wifi des Hotels, und verschicken Mails an Freunde.

 

Eigentlich ein Tag, an dem wir nichts groß geschafft haben, aber trotzdem fühlen wir uns gestresst. Schon seltsam! Sicherlich liegt es auch an der Klimaumstellung. Der Wind wäre ja bei diesen Temperaturen eigentlich ganz angenehm, aber er trägt mengenweise super feinen Sand – fast schon Staub mit sich. Und dieser ist dann fast überall - vor allem aber in Hals und Nase. Erfreulicherweise hält der Steyr gut dicht - weder im Fahrerhaus noch in der Kabine haben wir mit Sand zu kämpfen. Da haben wir von anderen Reisenden schon ganz andere Story´s gehört.

 

Wir machen noch einen kleinen Spazierganz zum benachbarten Camping Mohajut. Die Inhaberin ist aber in Deutschland und ihr Mann auf Tour in den Dünen. Das Hotel ist sehr schön, aber der Stellplatz ohne Pflanzen und von einer hohen Mauer umgeben gefällt uns gar nicht. Also wandern wir wieder zurück und freuen uns über unseren Schlepper.

 

Heute geht’s auf die Piste – im Sand spielen, artgerechte Haltung - wie man so schön in Offroaderkreisen sagt. Mal sehen wie das bei uns so klappt. Ute hat ein flaues Gefühl im Bauch. Sie weiß, dass nichts passieren kann – dafür ist das Dünengebiet einfach zu klein und zu belebt – aber trotzdem.

Einige Zeit fahren wir über Schotterpiste entlang an weiteren Kasbah Hotels, die allesamt am Rand der Dünen liegen. Nach einiger Zeit kommen die ersten Sanddünen, Thomas steuert den Steyr wohlgemut hinein – und es fliegt Sand ohne dass der Steyr vorwärts fährt. Wenn es nicht vorwärtsgeht, kann es also nur tiefer gehen und bevor er sich richtig eingräbt, steigen wir lieber aus und schauen uns das Ganze an.  Thomas schaufelt mit den Armen etwas losen Sand zur Seite, Untersetzung und Sperren rein und schon geht's weiter. Nun - so lernt man sein Fahrzeug kennen und als weitere Dünenfelder in unserem Weg liegen, lassen wir lieber den Reifendruck auf 3 Bar ab. Das hilft enorm und die folgenden Sandfelder stellen überhaupt kein Problem mehr dar und auch das Geschüttel der Schotter- bzw. Wellblechpiste wird erträglicher.

Irgendwo im Nirgendwo machen wir halt für eine kleine Mittagspause im Steyr. Draußen ist es uns einfach zu heiß und stickig. Anschließend übernimmt Ute nach langer Fahrabstinenz das Steuer – bei der übersichtlichen Piste auch kein Problem. Auf der rechten Seite immer die Dünen im Blick – mal näher, mal weiter – schaukeln wir durch eine etwas hügliger werdende Landschaft, die von vielen Pisten durchzogen ist. Letztlich ist es aber einfach die Hauptpiste wiederzufinden – das hätte wohl auch ohne Navi geklappt. Fühlt sich mit aber beruhigender an.

Weit vor uns sehen wir einen großen See und Palmen. Wir wundern uns! Wir haben zwar von einem See in der Nähe gehört, der zeitweilig Wasser führt – aber das hier ist die völlig falsche Lage! Hier kann kein See sein – und so ist es auch. Beim weiter fahren merken wir, dass wir unsere erste Fata Morgana sehen. Schon ein spannendes Erlebnis!

Die Schotterpiste weicht immer mehr Tiefsandstrecken und das Fahren erfordert volle Konzentration. So übergibt Ute nach ein paar Stunden das Steuer auch gerne wieder an Thomas. An einem kleinen Berg legen wir einen weiteren Stopp ein und stellen fest, dass die Halterung einer Kunststoffklappe nachgegeben hat. Thomas zurrt das Teil wieder fest – wofür gibt es Spanngurte! Währenddessen bekommen wir Besuch von einem Kamelhirten, der wohl ein paar versprengte „Schäfchen“ einsammelt. Ein Dromedar will gar nicht mehr vom Steyr weg und gibt ein prächtiges Fotomotiv ab. Als wir weiterfahren begegnet uns eine Gruppe Jeeps, die mit wilder Staubwolke durch den Sand preschen. Wir lassen sie vorbei und ziehen ruhig weiter. Nach rd. 4,5 Stunden erreichen wir wieder eine asphaltierte Straße und passen erstmal wieder den Reifendruck an.

 

Auf der Rückfahrt steuern wir noch einen anderen, in Reiseführer empfohlenen CP an. Sieht eigentlich nicht schlecht aus, ist aber total leer und keiner kümmert sich. Brauchen wir nicht wirklich und so fahren wir zurück zu unserem Haven la Chance.

 

Wir ziehen die Bilanz unserer ersten Pistentour. Bis auf die Halterung der Kunststoffklappe hat alles gut gehalten und ist dort wo es hingehört. Wir sind zufrieden. Das Piste fahren war auch interessant und wir haben den Steyr wieder als zuverlässiges Fahrzeug kennengelernt.

Heute verbringen wir den Tag faulenzend am Pool. Das Wasser ist herrlich erfrischend und nicht gechlort.

Ute schreibt Tagebuch und Thomas versucht aus dem Netz weiteres Kartenmaterial herunterzuladen. Wir hoffen nur, dass der allgegenwärtige Sandstaub unseren Laptops nicht schadet – inshallah.

Außerdem stöbern wir in den Reiseführern, wobei sich immer mehr zeigt, dass der Därr- Führer dem Baedeker weit überlegen ist – jedenfalls für Individualreisende wie uns.

Da es tagsüber richtig lecker warm wird, bringen wir die Metallbleche von KCT an den Fenstern an. Dadurch ist es in der Kabine zwar etwas dunkler, aber damit können wir gut leben. Der Wärmedämmeffekt ist aber deutlich spürbar und so schaffen wir es die Kabine kühler zu halten.

Ute hat seit kurzem einen schmerzenden Hals, vermutlich durch die trockene Luft (20 % Luftfeuchtigkeit), den Staub/Sand und/oder das Fahren mit offenen Fenstern – Zugluft merkt man bei den Temperaturen nicht wirklich. Unser Platz hier ist eigentlich wunderschön und gut geeignet zum Ausruhen, aber Ute möchte lieber raus aus der Wüste und ihre Halsentzündung in einem Klima mit weniger Staub und höherer Luftfeuchte auskurieren. Also werden wir morgen wohl weiterfahren.

Wir starten Richtung Zagora und fahren lange Zeit durch eine Landschaft, die uns an afrikanische Savannen wie die Serengeti erinnern. Nur mit dem Unterschied, dass nicht ein Tier zu sehen ist. Gelegentlich eine kleine Ziegenherde oder mal ein paar sperlingsartige Vögel – das war´s dann. Heute erreicht die Temperatur im Fahrerhaus 40° und liegt damit nur ca. 3° über Außentemperatur. Ute hat ziemlich Probleme mit der trockenen Luft. Trotz Abkühlung mit feuchtem Handtuch fühlt sie sich nicht gut  und sehnt einen ruhigen Platz unter Palmen herbei. Deshalb wollen wir auch nicht bis Zagora durchfahren, sondern biegen Richtung Quarzazate ab und steuern einen CP an, von dem der Reiseführer Gutes berichtete.

Mittlerweile haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, nie direkt auf einen CP zu fahren, sondern ihn erst mal zu Fuß zu inspizieren. Man zeigt uns einen versifften Pool und einen Platz mit dem Charme einer Schutthalde mit Palmen dazwischen – nein danke, da sparen wir uns die Inspektion der Sanitäranlagen und fahren lieber gleich weiter.

Also geht es heute doch noch nach Zagora, d. h. für uns erstmal ein Stück auf der gleichen Strecke zurück. Wir fahren durch das Draa-Tal und bei passender Gelegenheit rollen wir zum üppig sprudelnden Fluss Draa hinunter und machen eine kleine Pause. Kinder baden an einer Brücke und - ganz ungewohnt für uns, aber sehr angenehm – ignorieren sie uns völlig. Das ganze Tal des Draa ist von Palmenanpflanzungen und wildwachsendem, in voller Blüte stehendem Oleander durchzogen. Ein sehr schöner Anblick und eigentlich die optimale Gegend für einen tollen CP. Als wir nach einiger Zeit am Straßenrand ein Schild entdecken, fahren wir kurzerhand ab und folgen den Hinweisen. Wir finden schöne Gebäude, aber die Tore sind alle zu und wir sehen auch keine anderen Camper – also fahren wir wieder weiter.

Draa Tal zwischen Quarzazate und Zagora Marokko

Am späten Nachmittag erreichen wir den CP „Sindibad“ in Zagora, den uns Sandy und Carsten empfohlen hatten. Die Zufahrt zwischen Lehmmauern ist sehr schmal. Gut, dass der Boden keine Schlaglöcher hat, sonst könnte der schaukelnde Aufbau Schaden nehmen – oder die Lehmmauern. Was halt gerade stabiler wäre.

Der Platz unter Palmen ist nett, die Sanitäranlagen (Duschen ganz o.k.; Toiletten gehen gar nicht) sind nicht der Hit und die sonst in Marokko erlebte herzliche und freundliche Art ist dem Rezeptionisten abhandengekommen.

 Für das, was dieser Platz bietet, empfinden wir den Preis von 45 Dirham als recht hoch. Wir lernen zwei junge Österreicher kennen, die hier nur wegen einer Reparatur untergekommen sind und sie empfehlen uns einen anderen CP etwas außerhalb auf der anderen Flussseite. Das werden wir uns bestimmt morgen durch den Kopf gehen lassen. Jetzt will Ute nur noch ihre Ruhe, da die Halsschmerzen immer stärker werden und sich auch noch ein lästiger Husten dazugesellt hat.


Wir sehen in unserem Navi, dass keine 200 Meter entfernt auch noch ein CP im Palmenhain ist und manchen uns nach dem Frühstück zu Fuß zu einer Besichtigung auf. Der erste Eindruck ist gut – eine großzügige Anlage mit viel blühenden Bougenvilleen. Aber das war's auch. Die Sanitäranlagen verströmen einen Geruch, der uns von näheren Inspektionen abhält. Die Benutzung des Pools kostet extra. Ein kurzer Blick in die offenstehende Küche zeigt uns, dass wir von dort bestimmt nichts essen würden. Nein – hier kämen wir nur vom Regen in die Traufe.

 

Also packen wir unsere Sachen, stecken dem durch Abwesenheit glänzenden Rezeptionisten das Geld durchs Fenster und fahren ein paar km weiter zum Camping Auberge Oasis Palmier (GPS N 30°19.377 W 05°49.500).

Hier gefällt es uns wirklich gut. Die Anlage hat viele schöne Plätze unter Palmen, top Sanitäranlagen und der Service ist super. Kaum steht unser Steyr, werden für uns Matten und Teppiche ausgerollt, ein kleines Tischchen mit Tischdecke aufgestellt und man bringt uns das Anmeldeformular auf einem Tablett mit Minztee – ja so geht es auch. Was für ein Unterschied!

Wir treffen Reisende mit 3 Fahrzeuge, die sich aus dem allradlkw-forum kennen. An einem der LKW sind marokkanische Mechaniker gerade dabei eine Reparatur vorzunehmen und fragen anschließend bei uns nach, ob sie den Steyr abschmieren sollen. Bei einem Preis von 12 € sagen wir nicht nein.

 

Später am Tag zieht es sich immer mehr zu und fängt dann an zu gewittern. Der Regen spült zumindest unsere Markise sauber. Vom Rest des Steyr kann man das leider nicht behaupten. Mal sehen, ob es uns morgen gelingt einen Teil des Erg Chebbi Sandes loszuwerden.

 

Ausruh- und Genesungstage. Der CP leert sich zusehends. Bis auf ein paar Jeeps, die meist erst spät abends eintreffen und 2 weiße französische Womos ist der Platz fast leer. Ute's Hals geht es etwas besser, dafür kommen jetzt noch Magenkrämpfe dazu. Nur gut, dass wir so einen schönen Platz gefunden haben. Hier bekommen wir alles was wir brauchen und wenn doch etwas fehlt (Orangen etc.) besorgt der nette Platzwart es für uns. Frisches Brot können wir uns jeden Morgen für 2 Dirham (rd. 0,20 Cent!!!) aus einer Kiste nehmen. Das ist wirklich ein guter Service. Auch Tangine, Kuskus oder andere Gerichte wären zu bestellen. Diese werden in einem Berberzelt serviert oder auf Wunsch zum Womo gebracht. Was wir bei den anderen Reisenden so sehen, sieht alles sehr lecker aus, aber wegen Utes Magenbeschwerden gibt es bei uns derzeit Schonkost – leider!

Es wird täglich wärmer und der leichte Wind bringt nur staubfeinen Sand und warme Wüstenluft. Unser Drang nach Aktivitäten fällt proportional zur Tagestemperatur. Wir sind froh, dass unser CP so viele große Palmen hat und auch von Palmenanpflanzungen umgeben ist. Das filtert wenigstens etwas Staub und hebt die Luftfeuchtigkeit. Langsam wird es langweilig und wir schmieden Pläne für die Weiterreise. Da es immer noch sehr windig ist, werden wir aber erst morgen starten. Unser Weg nach Mhamid führt uns wieder in die Wüstenregion und das wäre bei weniger windigem Wetter einfach besser.

Wir haben uns eine Piste ausgesucht, die bis Foum Anagame auf der anderen Seite des Draa fast parallel zur N9 verläuft. Die Piste ist gut zu fahren aber recht eintönig. Hinter einer Düne liegt ein totes Kamel wohl schon ein wenig länger im Sand. Wir kommen an Melonenfeldern vorbei, sind aber so blöd nicht anzuhalten und zu versuchen ein oder 2 der großen Melonen zu kaufen, obwohl wir jemanden auf dem Feld arbeiten sehen. Mal wieder stellen wir fest, dass der Steyr manchmal einfach schneller fährt als wir denken können.

Es geht weiter immer mit Sichtkontakt zum Qued Draa. Als eine kleine Piste zum Qued abzweigt, nutzen wir die Chance und fahren zum Fluss. Eine Schautafel verweist auf ein amerikanisches Projekt. Hier wurde ein Stauwehr zur Flussregulierung gebaut. Wir gehen zum Fluss hinab, aber wirklich sehenswert ist das Ganze nicht. Gegen Mittag erreichen wir ein kleines Dorf – unser Außenthermometer zeigt inzwischen 39° an. Wir fahren weiter, der Fahrtwind macht's erträglicher. Wenig später stoßen wir auf die S9, die sich in einem tadellosen Zustand befindet und uns hinauf zum Tizi Beni-Selmane führt. Hier haben wir eine sehr schöne Aussicht über die savannenartige Draa Ebene. Der Wind ist allerdings sehr stark und so halten wir nur zu einer kurzen Mittagspause und fahren dann weiter Richtung Mhamid.

Tizi Beni-Selmane Marokko

Die Hügel und kleinen Berge zeigen interessante Gesteinsformationen und beleben das ansonsten recht triste Umfeld. An einer Straßenkreuzung zweigt eine Piste zu einem CP ab und da wir heute eigentlich keine so große Tagesetappe fahren wollten, folgen wir dem Hinweis über schmale Brücken und immer holperiger werdende Piste durch Ödland, Plamenhaine und kleine Felder. Der CP erweist sich aber als Flop – ehe wir in voller Sonne auf einem ummauerten Hof stehen, können wir uns auch einfach frei in der Gegend einen Stellplatz suchen. Wir fahren zurück und die Neugier lässt uns durch eine Toreinfahrt fahren, hinter der wir außer Dünen nichts sehen, aber aufgrund der Inschrift ein Hotel oder ähnliches vermuten. Irrtum – hier geht es nur durch Sandfelder immer weiter bis zu einem Dorf mit schmalen Straßen. Letztlich stoppt uns eine winzige Brücke, der wir unsere 11 Tonnen nicht zumuten wollen. Wir drehen um und fahren zurück zur S9.

Kurz vor Mhamid halten wir, um unseren Reiseführer erneut nach möglichen CP´s zu durchforsten. Und wie das hier so ist – kaum steht ein Tourist am Straßenrand, so kümmert man sich um ihn. Während wir noch lesen, hält ein Geländewagen und ein Berber fragt uns in gutem Englisch, ob er helfen kann. Natürlich kann er uns einen Übernachtungsplatz mit Dusche etc. empfehlen. Er wendet, fährt einfach vor und mal wieder sind wir im Schlepp.

Kurz vor Mhamid verlässt unser Führer die Straße und fährt auf kaum erkennbarer Piste Richtung Dünen und schon sind wir mitten drin im nächsten Abenteuer! Wir kommen an einer Station der Libya Rally vorbei, die uns vor schnell fahrenden Rallyfahrzeugen warnt. Unser Führer fährt aber unbeirrt immer weiter in die Dünen. Gebäude können wir keine mehr ausmachen. Thomas ist auch voll beschäftigt mit dem Steyr, dem Führer durch und über die Dünen zu folgen und der starke Wind weht viel Sand in der Gegend rum, was auch nicht dazu beiträgt, die Sicht zu klären.

Plötzlich taucht hinter der nächsten Düne ein Nomadenzeltcamp mit einigen kleinen Lehmhäuschen auf. Der Steyr wird zwischen 2 Häuschen platziert und hat somit ganz guten Windschatten und wir werden zum Tee in eingeladen. Wir sind im „Camp under the Stars" und Hassan braust gleich wieder los, da er noch eine Gruppe Belgier abholen muss. Wir erholen uns von unserer Überraschung und richten uns häuslich ein. Am Abend lässt der Wind nach und man kann die Räume verlassen ohne gleich eine volle Ladung Sand in die Augen zu bekommen. Wir schließen Freundschaft mit dem Lagerhund und machen mit ihm eine kleine Dünenwanderung. Der Kontakt zu den inzwischen eingetroffenen Touristen gestaltet sich schwieriger – außer einem Gruß kommt kein weiterer Kontakt zustande.

Wir hatten eigentlich gehofft, in Mhamid auf weitere Reisende zu stoßen, um die Piste zum Erg Chegaga und bis nach Foum-Zguid gemeinsam zu befahren. Alleine trauen wir uns die Strecke noch nicht zu, da wir unserm Navi mangels Offroaderfahrung noch nicht so ganz vertrauen, der starke Wind möglicherweise kaum eine vernünftige Fernsicht (Pistenerkennung) zulässt, das Erg Chegaga deutlich größer ist als das Erg Chebbi und die Strecke zumindest teilweise recht nah an der algerischen Grenze vorbeiführt. Was also tun? Zurück nach Zagora und die N12 nehmen? Da kommt das Angebot von Hassan, uns den kritischen Teil der Strecke mit Geländewagen zu führen, doch sehr entgegen. Die Piste möchten wir gerne in Angriff nehmen und ein ortskundiger Führer vermittelt einfach das Gefühl von Sicherheit. Also sagen wir kurz entschlossen zu und verbringen noch einen schönen Abend bei Trommelmusik mit Hassan, seinem Team und der schweigsamen Reisegruppe. Da der Rhythmus einfach ist, und es Ute in den Fingern kribbelt, greift sie sich bei passender Gelegenheit eine Tabla und trommelt gemeinsam mit Hassan bis die Finger brennen. Die schweigsamen Belgier sitzen derweil daneben und schaffen es nicht einmal mitzuklatschen.

Wüstennächte sollen ja ruhig sein – diese leider nicht, da sich der Lagerhund immer wieder bemüßigt fühlt, das Lager mit lautstarkem Gebell zu verteidigen. Aber wir wollen uns nicht bei Hassan beschweren – wer weiß, was sonst aus dem Guten wird. Die Nachttemperatur fällt nicht unter 25 Grad. In Kombination mit der niedrigen Luftfeuchte lässt sich das aber gut aushalten.


Pünktlich um 8 Uhr starten wir zu unserer zweiten größeren Pistentour. Gemäß Hassan's Ausführungen fahren wir zuerst die Oase Source Sacree an, danach geht es weiter zum Erg Chegaga. Danach fahren wir noch gemeinsam bis zum Beginn des Lac Iriki, einem großen See, der seit geraumer Zeit vollständig ausgetrocknet ist. Dort werden wir uns von Hassan trennen, da die Piste dann einfach zu verfolgen und zu fahren seien soll.

 

Wir haben heute unglaubliches Glück mit dem Wetter. Im Gegensatz zu gestern hat der Wind stark nachgelassen und der Himmel ist leicht diesig, so dass die Temperaturen mit fast 39 Grad noch erträglich sind und wir eine gute Sicht haben. Wir fahren durch Mhamid ohne weitere Reisende zu sehen und dann geht es auf die Piste, die schnell sehr sandig wird. Da immer wieder auch steinige Strecken vorkommen, senken wir den Reifendruck nicht ab und schauen mal wie weit wir so kommen.

Expeditionsmobil Wüste Libya Rally Marokko 2015

Nach einiger Zeit zeigt sich, dass die Strecke gar nicht so ruhig und einsam ist wie wir dachten – wir fahren nämlich genau auf der Rennstrecke der Libya Rally! Immer wieder überholen uns kleine Geländeflitzer in hohem Tempo und mit großer Staubfahne. Glücklicherweise verweht der Wind diese seitlich, sonst könnten wir über weite Strecken nichts erkennen. Wie auf der Autobahn schauen wir jetzt häufig in den Rückspiegel um den Rallyfahrzeugen frühzeitig Platz zu machen. Als die nächste rasende Staubfahne näherkommt enthüllt sie eine Überraschung – es nehmen auch LKW an der Rally teil! Also noch mehr aufpassen. Hier hätte ein Zusammenstoß auch für uns heftige Folgen!

Der Steyr läuft super und Thomas fährt ebenso super – die beiden passen gut zusammen! Wir können dem Geländewagen von Hassan gut folgen, wobei es angenehm ist, dass er recht weit vorausfährt – so können wir unser eigenes Tempo finden und haben auch nicht immer eine Staubfahne vor uns.

Wir machen einen kurzen Stopp an der Oase Source Sacree. Irgendwie ganz nett, aber sonderlich beeindruckt sind wir nicht. Das muss wohl daran liegen, dass wir schon durch so viele Oasen gekommen sind. Früher war die Oase wohl eine wichtiger Etappenpunkt für Karawanen nach Timbuktu, aber jetzt ist sie unbewohnt und verfällt immer mehr.

Autowrack in der Wüste Marokko

Neben der Piste liegt ein alter LKW im Sand – Ute kann sich eine Bemerkung über die Folgen von zu viel artgerechter Haltung nicht verkneifen.

Einige Zeit später erreichen wir die beeindruckenden Dünen des Erg Chegaga und machen eine Pause in dem Camp, dass Hassan hier als Ziel der Kameltrekkingtouren unterhält.

 

Wir fahren geführt von Hassan und seinem Begleiter weiter – und das ist auch gut so, denn die Piste ist sehr nah am Erg und hat viele Tiefsandfelder in denen man kaum nachverfolgen kann, wo die Piste eigentlich weitergeht. Wir hatten vor der Abfahrt unser Navi programmiert und stellen mit zunehmender Fahrtdauer fest, dass das Garmin uns auch ganz gut geführt hätte. Nun gut – an einigen Stellen hätten wir uns allein wohl nicht getraut weiterzufahren, aber Offroadroutine muss man halt durch Praxiserfahrung gewinnen.

So wühlt sich der Steyr durch Tiefsand, über Dünen, trockene Wadis und holperige Wellblechstrecken. Als wir den Lake Iriki erreichen staunen wir über die riesige, absolut ebene Fläche, über die sich die Piste autobahngleich bis zum Horizont erstreckt. Hier verabschieden wir uns von Hassan und seinem Begleiter und freuen uns darüber, dass am und im Steyr alles heil und an seinem Platz ist. Als wir noch neben dem Steyr stehen, brausen zwei Rally-LKW an uns vorbei. Gerade richtig für ein interessantes Foto. Und es soll noch spannender werden. Ein paar km weiter sieht Thomas im Rückspiegel eine rasende Staubwolke begleitet von einem roten Helikopter. Wir stoppen und Thomas gelingt ein tolles Foto von dem Rally-LKW und dem ihn filmenden Helikopter. Der Helikopter fliegt so tief neben uns her, dass wir fast meinen, dass er uns berühren könnte – was man nicht so alles erlebt in der Wüste!

Da kann dann auch die Fata Morgana, die uns einen See mit seltsam darin gelegenen kleinen Bergkuppen vorgaukelt nicht mithalten. Trotzdem beeindruckt die Fläche des Iriki durch ihre Größe und auch durch den Bewuchs mit einer niedrigen Pflanze mit fast dunkelroten Blättchen, die den Anschein erwecken, als ob der ganze See rot angestrichen wäre.

Nach der Ebene des Iriki folgt Steinwüste mit echt wüsten Steinen. Kilometerweit nichts als Steine, Steine, Steine. Gelegentlich sehen wir Stachelakazien, Kamele und auch mal zwei (vermutlich) wilde Esel. Ansonsten holpern wir so durch die Gegend und auch Ute traut sich mal wieder ans Steuer. Seit geraumer Zeit sind uns keine Rallyfahrer mehr begegnet, sodass wir dem Blick in den Rückspiegel keine Bedeutung mehr schenken. Umso größer ist unser Erstaunen, als plötzlich rechts von uns ein Rally-LKW auftaucht. Ute geht auf die Bremse – wir wollen ja gerne Platz machen. Zu unserem Erstaunen hält der LKW auch, der Fahrer steigt aus und erkundigt sich bei uns nach dem Weg, d.h. ob wir andere Fahrzeuge gesehen hätten. Ja gibt's denn sowas? Noch ehe wir etwas sagen können, sehen wir einen kleinen Geländewagen an uns vorbeipreschen. Scheint's wir sind wieder auf der Strecke der Libya Rally und das LKW-Team macht sich sofort wieder auf den Weg.

Als wir nach einiger Zeit wieder einen Fahrerwechsel machen wollen, sehen wir, dass sich der Auspuff etwas verzogen hat und durch die heißen Abgase die Kunststoffklappe (die von FT, die sich bei der Piste ums Erg Chebbi teilweise gelöst hatte) geschrottet hat. Na ja –weg mit Schaden. Thomas reißt die Klappe ganz ab und versucht sie zu zersägen, damit wir sie im Stauraum mitnehmen können. Klappt aber nicht und so wickeln wir das dreckige Teil in Plastik und verstauen es im Bett – gut zugestopft mit Bettdecken und Kissen, damit es ja liegenbleibt.

 

Als wir dann, nach zwei Passkontrollen mitten im Nirgendwo und gefühlte 1000 km Rüttelpiste später, die N12 bei Foum-Zguid erreichen, sehnen wir uns nur noch nach einer kalten Dusche. Beim zweiten Anlauf finden wir einen leidlich passablen CP – Hauptsache Dusche und Stellplatz mit etwas Schatten und Grün drum rum. Er hat sogar einen Pool. Muss mal eine schöne Anlage gewesen sein. Jetzt dient er als Mückenzuchtanstalt. Nachts dürfen wir – trotz aller Vorsicht – mal wieder ein paar Mücken jagen. Fliegen hat´s auch massenweise und heiß ist's trotz Schatten. Wir freuen uns über unsere Klimaanlage – da gelingt das Einschlafen gleich besser. Nachts haben wir ein vielstimmiges Hundeheul- und –bellkonzert, dass mehrstimmig von Eseln, Hähnen etc. und morgens um fünf auch noch vom Muhezin begleitet wird. Schlafen tun wir trotzdem – zumindest zeitweise, da wir einfach zu geschafft sind.

Da Foum-Zguid uns nicht viel zu bieten hat, fahren wir weiter über Tissinnt nach Tata. Da wir von der Holperei durch die Steinwüste erst einmal die Nase voll haben, fahren wir die N 12. Ein Vorteil hatte die Wellblechpiste aber. Die Schlagsahne in den Tetrapacks muss nicht mehr geschlagen werden - das hat das Gerüttel auf der Piste erledigt!

Die Landschaft wechselt von savannenartig bis Geröllwüste und wird ab und zu durch Tafelberge aufgelockert. Landschaftlich interessant wird es erst kurz vor Tissinnt, wo das gleichnamige Qued Tissinnt immer spektakulärer wird. Wir machen einen kleinen Abstecher von der N12 über ein paar hundert Meter Piste zu einer Stelle, an der man das Qued zu Fuß erreichen kann. Der Flusslauf hat einige Becken von unterschiedlicher Größe geschaffen, die durch kleine Wasserfälle kaskadenartig miteinander verbunden sind. Bei diesen Temperaturen würden wir ja gerne ins Wasser springen – aber die schwarzen Verfärbungen der Wasserfälle, die Algen und der Geruch des Wassers halten uns davon ab. Obwohl das Wasser recht salzhaltig ist – ausgetrocknete Pfützen haben weiße Salzkrusten – schwimmen kleine Fische in den Naturpools. Das tief ausgespülte Qued zeigt, dass es nach Regenfällen hier wohl recht wild zugeht.

Kurz nach Tissinnt erweitert sich das Qued zu einer Canyon artigen Landschaft, die sich über eine ganze Ebene ausbreitet und spektakulär anzusehen ist. Wir freuen uns mal wieder über unsere hohe Sitzposition im Steyr und genießen den Ausblick.

In Tata finden wir eher durch Zufall einen recht schönen CP, nachdem wir schon beschlossen hatten weiterzufahren, da der städtische CP zwar zentral gelegen aber ansonsten einfach nur trostlos ist.

So stehen wir jetzt auf dem durchaus zu empfehlenden „Camping Palmier Tata“ (CPS N29° 45,180, W 07°58,467‘). Wir haben einen schönen Platz unter Palmen – gerade die richtige Mischung aus Schatten (für uns und den Steyr) und Sonne (für unsere Solaranlage und damit die Klimaanlage ;-)). Abends bestellen wir uns dann eine Tajine und ein Kuskusgericht beides mit Hühnchen für zusammen 5,50 €. Es schmeckt lecker und dann bei dem Preis – warum kochen wir eigentlich noch so oft selbst?