01.02. - 17.02.16 Marokko

Thomas fühlt sich heute wieder recht fit und so machen wir uns auf den Weg Richtung Azrou. Ahman hatte uns eine Strecke empfohlen, der wir nun zu folgen versuchen. Unser Weg führt uns über Zaida und in der Höhe von Boumia biegen wir nach rechts auf eine schmale Straße ein. Wie viele Nebenstrecken ist sie nur einspurig geteert. Das ist auch nicht weiter schlimm, da es so gut wie gar keinen Gegenverkehr gibt. Nach einiger Zeit wird der Asphaltbelag aber immer schlechter. Der Straßenrand ist extrem ausgefranst und die Schlaglochhäufigkeit nimmt stetig zu. Stellenweise ist nur noch die Hälfte des ursprünglichen Belages übrig und am Straßenrand sind tiefe, ausgespülte Rinnen und Löcher, in die man besser nicht geraten sollte. 

Wir fahren wieder in bergigerem Gelände und erreichen die ersten Zedernwälder. Die Zedern sind beeindruckend – vor allem, wenn man so lange keine Bäume mehr gesehen hat. Bedauerlicherweise leiden die Bäume sehr unter den Prozessionsspinnerraupen. In der Sonne leuchten die weißen Gespinstkokons und einige Bäume sind schon recht mitgenommen. Das ist nicht nur für die Bäume schlecht, da die feinen Härchen der Raupen von der Luft fortgetragen werden und für Menschen sehr allergen sein sollen. Auf unserer Fahrt durch die Wälder merken wir glücklicherweise nichts davon.

 

In gleichem Maße, wie der Straßenbelag schlechter wird, nimmt die Schönheit der Landschaft zu. Wir fahren entlang der Berghänge des Mittleren Atlas. Die Landschaft variiert zwischen Zedern- und Kiefernwald und baumfreien Hochebenen. Immer wieder haben wir einen herrlichen Fernblick – teilweise bis zu den Gipfeln des nun hinter uns liegenden Hohen Atlas.

 

Gelegentlich sehen wir Schafhirten und ärmliche Hütten aus Holzbrettern und Plastikfolien – ansonsten ist die Landschaft hier nur sehr spärlich besiedelt. Nach einiger Zeit verliert sich der Asphaltbelag vollständig und wir fahren auf Piste. Diese ist anfangs sogar angenehmer zu befahren als der löchrige Asphalt. Im weiteren Verlauf der Strecke haben Bergrutsche bzw. Unterspülungen die Piste allerdings ziemlich in Mitleidenschaft gezogen und Thomas muss den Steyr mit viel Gefühl an diesen kritischen Pasagen vorbeisteuern. Je weiter wir kommen, umso heftiger werden diese Stellen und wir hoffen, das wir überhaupt durchkommen und nicht die ganze Strecke zurückfahren müssen, nur weil an einer Stelle gar nichts mehr geht.

An einem Abhang liegt ein dicker Felsbrochen – mehrfach so groß wie der Steyr - am Wegrand und lässt uns nicht viel Platz bis zum Abhang. Aber so dick ist unser Dicker ja doch nicht, er zieht mal kurz den Bauch ein und vorbei sind wir. Die Piste ähnelt immer mehr einem Waldweg, der zum Holzrücken benutzt wird. Kaum haben wir die Engstelle gemeistert, fällt unser Blick auf eine schmale Brücke aus Holzbalken mit Betonauflage. Was da noch ggf. drunter ist entzieht sich unseren Blicken. Ein (früheres?) Betonbrückenelement liegt im Fluss. Eine Tonnageangabe fehlt natürlich – so etwas haben wir in ganz Marokko noch nicht gesehen.

Also vorsichtig die Vorderräder auf die Brücke – wir hören keine Geräusche – gut – also Gas und so schnell wie möglich wieder runter! Alles gut gegangen – aber diese Art von Nervenkitzel ist nicht das, was wir brauchen. Bei einer solchen Strecke hat niemand mehr wirklich was von der schönen Landschaft!

Wir fahren weiter an steilen Bergflanken entlang. Stellenweise tauchen Reste der ursprünglichen Asphaltstraße auf, weichen aber schnell wieder der Lehm- bzw. Schotterpiste. Ca. 10 km vor unserem heutigen Etappenziel erreichen wir wieder eine recht ordentliche Asphaltstraße. Was für eine Wohltat!

Kurz darauf kommen wir zum Lac Aguelmame Azigza, einem kleinen Bergsee in malerischer Umgebung. Wir sehen ein paar marokkanische Familien, die hier picknicken. „Ausflugslokale“ - gebaut aus mit Plastikfolien bespannten Holzgestellen – bieten Tee und Tanjine an.


Wir halten am Ende dieser „Restaurantmeile“ vor einem etwas stabilererm Haus mit nebenan stehendem Nomadenzelt (Schatten für Sommergäste) und werden sofort willkommengeheißen. Tee? Tajine? Oh ihr lieben Leute, wir hätten gerne mal ein wenig Ruhe um nach dieser Strecke durchzuatmen und Thomas Magen ist auf soviel Kontakt zum ursprünglichen Marokko eigentlich auch noch nicht eingestellt. Nur - wie machen wir das begreiflich?

Also kommen wir um die Tajine nicht herum. Als am Abend die Schafherde heimkommt, zieht unser Gastgeber ein Schaf hinter einen Verschlag. Wir haben ein mulmiges Gefühl. Später stellt sich aber raus, das die Tajine Hühnchen enthält. Wir sind irgendwie erleichtert. Seltsamerweise bewohnt die Berberfamilie nicht das Steinhaus, sondern nur einen Bretter-/Folienverschlag, der an eine Hauswand angebaut wurde. Wir werden hereingebeten und erfahren die hiesigen Lebensumstände hautnah. Der Raum wird von einem großen Webstuhl, einem kleinen Holzofen und einem Fernseher dominiert. Wir erfahren, dass ein Sohnin Tanger arbeitet. Vielleicht mit ein Grund für diesen kleinen Luxus.

Die Tajine schmeckt gut und anschließend trinken wir mit dem Hausherren noch Tee. Derweil schauen seine Kinder und eine Frau Fernsehen – die uns schon aus Agoudal bekannten türkischen Seifenopern. Nach einiger Zeit ziehen wir uns redlich müde in den Steyr zurück – und erleben eine Nacht, an die wir uns noch lange erinnern werden.

Nach ein paar Minuten klopft der Hausherr und nach einigem Hin und Her begreifen wir, dass man Diesel braucht. Ein Nachbar muss seine hochschwangere Frau ins Krankenhaus fahren – aber sein Wagen hat keinen Sprit mehr. Nun ja – kein Problem! Mit der Handpumpe werden ein paar Liter Diesel aus unserem Tank in einen Kanister umgepumt und dem Krankentransport steht nichts mehr im Wege.

Hatten wir anfangs noch gedacht, dass wir an so einem „einsamen“ Bergsee doch bestimmt eine ruhige Nacht verbringen könnten, merken wir jetzt, dass wir uns getäuscht haben. Daran sind zum einen die Hütehunde schuld, die die ganze Nacht über immer wieder in wilde Bellattacken ausbrechen. Im Gegensatz zu den nächtelang bellenden marokkanischen Stadthunden hat das hier aber einen guten Grund. Hier gibt es Kojoten, die den Schäfern zu schaffen machen und deshalb wird die Herde nachts auch in einen Pferch getrieben. Die ganze Nacht über hören wir die Kojoten heulen – und sofort darauf das wilde Gebell der Hütehunde. Aber das ist nicht der einzige Grund weshalb wir wachliegen. Leider spielt jetzt bei uns beiden der Magen verrückt – dank Iberogast-Magentropfen überleben wir´s aber!

Viel Schlaf bekommen wir auf diese Weise nicht, aber dafür können wir den fantastischsten Sternenhimmel bewundern, den wir jemals gesehen haben. Sterne über Afrika – wunderbar – wenn nur die Bauchschmerzen nicht wären.

Am nächsten Morgen brechen wir sehr früh auf, um der ansonsten obligatorischen Einladung zum Tee zu entgehen. Das Teewasser kommt – wie wir inzwischen gesehen haben – aus uns nicht so ganz geheuer vorkommenden Plastikkanistern und das wollen wir unseren strapazierten Mägen nicht nochmals zumuten.

Also übergeben wir der Hausherrin schnell noch ein kleines Geschenkpaket mit der mitgebrachten Kleidung, Nähsachen und Kleinigkeiten für die Kinder und verabschieden uns herzlich. Der Hausherr ist noch nicht aufgetaucht und das ist auch ganz gut so.

Unser nächstes Ziel, dass Ahman uns aufgeschrieben hat, ist die Sources Oum Rbia. Die Strecke dorthin besteht aus schmalem, am Rand bröckligem Asphaltband und stellenweise auch wieder Piste – alles in allem aber deutlich besser als die gestrige Strecke. Dafür kommen wir heute viel häufiger an sehr ärmlichen Ansiedlungen vorbei und die Kinder betteln am Straßenrand. Es sind so viele, dass wir – selbst wenn wir wollten – gar nicht überall anhalten könnten. Wir wollen diese – teilweise auch recht agressive Bettelei – auch nicht durch entsprechendes Verhalten verstärken. Trotzdem fällt es uns schwer mit diesem Problem umzugehen. 

An den Stromschnellen angekommen sehen wir, dass es sich mehr um einen Sommerausflugsplatz handelt. Jeder freie Meter am sprudelnden Nass ist mit mehr oder weniger provisorischen Hütten vollgebaut. Um diese Jahreszeit ist nichts los. Nur ein Raum ist mit Teppichen und Kissen ausgelegt und lässt erahnen, wie es hier wohl im Sommer aussieht. Dann ist es bestimmt eine Wohltat unter Schattendächern direkt am kühlen Flusslauf zu sitzen und diesen, für das Umland ganz untypischen, Wasserreichtum zu genießen.

Unser Weg nach Azrou führt uns noch durch einige schöne Zedernwälder, die aber alle - mehr oder weniger – unter den Prozessionsspinnern leiden.

Kurz vor Ain Leuh sehen wir die ersten, erstaunlich europäisch anmutenden, Steinhäuser mit Satteldächern. Richtung Azrou nimmt dieser Baustil immer mehr zu. Die Plastikfolienhütten sind aber auch immer wieder zu sehen – ein extremer Kontrast!

Als wir in Azrou ankommen ist großer Markttag. Wir parken den Steyr auf einem großen Parkplatz an der Moschee und machen einen Spaziergang durch den Ort zu dem außerhalb stattfindenden Souk. Laut Reiseführer handelt es sich um den größten Souk in der Region und es sind wirklich jede Menge Menschen auf den Beinen.

Touristen sehen wir auf dem Markt keine und das Warenangebot richtet sich auch eindeutig an Einheimische. Besonders beliebt sind Kaftane und Hose/Jacke Kombinationen aus Teddyflausch. Und die Farben und Muster - das Ganze wirkt eher wie kitschige Schlafanzüge/Bademäntel, aber es hält wohl warm. Der Gemüsesouk strotzt nur so vor prächtigem Gemüse aller Art. Die Präsentation – auf dem Boden – ist für uns ungewohnt, aber ansonsten kann das Warenangebot mit jedem deutschen Wochenmarkt prima mithalten.

Nachdem wir genug gesehen haben, marschieren wir zum Steyr zurück und fahren zum Camping Amazigh. Der Besitzer Hassan lebte lange in Köln und spricht ausgezeichnet deutsch. Der Platz ist sehr schön zwischen Kirschbäumen gelegen und uneingeschränkt empfehlenswert.


Wir werden sofort von den beiden Katzen und einem jungen, gerade 4 Monate altem Hund adoptiert. Die Drei vertragen sich gut – aber Katzenfüttern ist schwierig, da sich der Hund aufgrund seiner Größe durchsetzt. Aber wozu sind die ganzen Kirschbäume gut. Bekommen die Katzen ihr Futter halt auf den Bäumen. Da haben sie ihre Ruhe. Der junge Hund hat sichtlich Langeweile und freut sich über jeden Camper, der sich um ihn kümmert. Die Tiere sind in guter körperlicher Verfassung. Das ist auf den meisten CP´s nicht der Fall und deshalb hier umso erfreulicher. Den Dreien wird es auch gutgehen, wenn wir wieder abgereist sind.

Das Wetter hat sich etwas verschlechtert. Es ist mal mehr, mal weniger bewölkt. Allerdings kommt noch genug Sonne durch, so dass wir lange draußen sitzen können und uns den üblichen Aufgaben nach einer längeren Fahrstrecke widmen – Wäsche waschen, Steyr kontrollieren, Hausputz und relaxen!

Am Abend treffen Svenja und Hannes mit ihrem Toyota ein. Wir kommen ins Gespräch und verbringen den Abend mit gemeinsamem Abendessen und Informationsaustausch im Steyr. Die Beiden wollen bis Südafrika fahren. Wir hoffen, dass sie bald einen Blog einstellen.

Genug gechillt – heute geht es weiter. An der Straße nach Azrou liegt auch der Emirates Euro Camping. Die Anlage ist so pompös und überdimensioniert – Disney- land für Camper. Uns graust es! Nur schnell weiter.


Wir fahren zum einkaufen in den Ort und dann weiter in den Nationalpark Ifrane. Dort ist die Cèdre Gouraud -die mit 42 Metern größte, inzwischen aber leider abgestorbene Zeder – ein Touristenmagnet geworden. Eine weitere Attraktion sind die hier wild lebenden Berberaffen. Eine Affenfamilie konnten wir schon rd. einen Kilometer vorher auf einem Feld am Straßenrand entdecken. Hier an dem Aussichtspunkt werden die Affen von den Besuchern gefüttert und sind deshalb sehr zutraulich.

An dem Parkplatz warten Andenkenhändler und Pferdeführer auf zahlungswillige Touristen. Die Pferde sind prächtig aufgezäumt und eigentlich in ganz gutem Zustand. Allerdings tragen alle Kandarre und Hilfszügel – für die armen Pferde sehr unan- genehm.

Deshalb hat Ute – auch ganz spontan – eine Pferdeallergie bekommen. Der beste und schnellste Weg, um sich die Pferdeführer vom Leib zu halten.

Der ganze Rummel spricht uns nicht sonderlich an und so fahren wir zügig weiter.

Auf unserem Weg nach Meknes machen wir am Nachmittag eine Pause in El Hajeb und staunen über die großen, europäisch anmutenden Häuser und einen niegelnagelneuen Supermarkt der Kette ACIMA. Da sich Thomas immer noch etwas angeschlagen fühlt, beschließen wir heute nicht mehr nach Meknes weiterzufahren, aber aus unserem Plan auf dem Parkplatz des Supermarktes zu übernachten wird nichts. Als es dunkel wird, macht man uns deutlich, dass übernachten hier nicht erlaubt ist und wir nicht bleiben können. Einen CP gibt’s hier nicht und auf eine Fahrt im Dunkeln haben wir keine Lust. Also rollen wir ein paar 100 Meter die Haupstraße runter und bleiben einfach am Straßenrand stehen. Dort verbringen wir unbehelligt die Nacht – die Geräuschkulisse der Straße brauchen wir so schnell aber nicht wieder.

Am nächsten Morgen werden wir – wen wundert´s – früh wach und erreichen deshalb schon recht früh Meknes. Unser Navi lotst uns durch mehrere, immer kleiner werdende, alte Stadttore aber der Steyr passt problemlos durch und so erreichen wir zügig einen Parkplatz am Fuß der alten Mauern der Sultansstadt. Heute ist wohl auch ein besonderer Markttag, jedenfalls sind die Parkflächen von Einheimischen sehr frequentiert und da wir keine andere Alternative haben, akzeptieren wir die mit 10 Euro sicherlich deutlich überhöhte Preisforderung des Parkplatzwächters.

Trotz Navi und Reiseführer fällt uns die Orientierung nicht ganz einfach. Das bekannte Bab Mansour – angeblich das größte und schönste Tor Marokkos – finden wir schnell. Nur auf welcher Seite liegt nun die Medina? Wir unternehmen erst eine Wanderung in die falsche Richtung – nämlich zum Place Lalla Aouda. Hier sind auch noch Parkmöglichkeiten, aber eher für PKW. Dahinter liegen nur Wohnviertel und so machen wir kehrt und stoßen auf das Musee de Meknes. Ausgestellt werden Trachten, Schmuck und Gegenstände des täglichen Lebens, aber der ganze Komplex ist ziemlich vernachlässigt und wir hätten auch nichts versäumt, wenn wir uns den Besuch geschenkt hätten.

Gegenüber des Bab Mansour und des direkt daneben liegenden kleineren Bab Jemaa en Nouar ist der Platz el Hedim. Auf der einen Seite haben Keramikhändler ihre Waren aufgestapelt. Dahinter befindet sich auch einer der Eingänge der großen Markthalle. Hier werden Lebensmittel aller Art angeboten. Wir kommen an Ständen mit Süßigkeiten vorbei, die recht verlockend aussehen. Allerdings wimmelt es hier dermaßen vor Bienen, das wir lieber zügig weitergehen.

Am Ende des Platzes liegt ein weiteres Museum, das Dar Jamai. Vielleicht interessanter als das Musee de Meknes – aber Museum hatten wir heute schon – also halten wir uns rechts und kommen in die Souks. Das Warenangebot ist – anders als in Marrakech – nicht touristisch geprägt und besteht hauptsächlich aus Bekleidung, Gewürzen und Möbeln. Durch die ohnehin schmalen Gassen schieben Obsthändler ihre fahrbaren Stände und auch ein paar Mopeds und Fahrräder quetschen sich vorbei – aber irgendwie achtet jeder auf jeden und es kommt zu keinen Rempeleien.

Nach einer kleinen Pause im Steyr stürzen wir uns nochmals in Gewühl – diesmal Richtung Medina, also rechts vom Dar Jamai. An der Medersa Bou Inania kommen wir in einen Souk, der sehr schön und ordentlich mit Holzgittern überdacht ist. Das Warenangebot besteht aber auch hier fast ausschließlich aus Bekleidung. Wir durchstöbern die Gassen „der Nase nach“ und stoßen auf einen Laden, der u.a. Kunsthandwerk mit Silberfadeneinlagen anbietet. Diese sehen wir in Marokko hier zum ersten Mal. Der Besitzer spricht gut Deutsch und erklärt uns hingebungsvoll den gesamten, sehr aufwendigen Produktionsprozess (würde jetzt aber das Tagebuch sprengen). Selbstverständlich kommen wir nicht aus dem Laden ohne – nach ein wenig Handeln – zwei kleine Tellerchen zu erstehen. Als Dreingabe bekommen wir noch eine Empfehlung wie wir am besten unsere Route durch die Medina fortsetzten. Wir folgen dem Rat und bereuen es nicht.

Unser Fazit: Die Souks von Marrakech haben uns besser gefallen, allerdings ist es sehr angenehm, dass die Händler in Meknes deutlich zurückhaltender sind und man als Tourist auch nicht sofort einen „Führer“ an der Backe kleben hat, wenn man nur mal kurz stehenbleibt.

Zurück am Steyr sind wir ganz schön geschafft und freuen uns dem städtischen Gewimmel entfliehen zu können. Wir steuern den CP Zerhoun Bellevue an, der nahe unserem nächsten Ziel Volubilis liegt. Der CP ist schön inmitten von Olivenbäumen gelegen und nach dem Staub der Souks genießen wir das umsomehr. Außerdem liegen in der Umgegend keine Häuser etc. und so verbringen wir eine herrlich ruhige Nacht – ohne Hundegebell und andere Lärmkulissen.

Den nächsten Tag genehmigen wir uns kurz entschlossen als weiteren Ruhetag. Das Wetter ist sonnig bis leicht bewölkt und wir sitzen bei 24 Grad genüsslich vor dem Steyr und durchstöbern die Reiseführer nach Informationen zu Volubilis und Fes.

Am nächsten Morgen erreichen wir nach kurzer Fahrzeit die römischen Ruinen von Volubilis. Das Gelände liegt rd. 4 km nordwestlich von Moulay Idriss und ist sehr groß. Leider wurde die Stadt im Lauf der Jahrhunderte immer wieder als Fundgrube und Steinbruch für die Ausstattung von Sultanspalästen benutzt. Das was übrig geblieben ist, ist aber immer noch beeindruckend.

Wir können den Steyr direkt vor dem aufwendig gestalteten Eingang parken (Eintritt 10 DH/Person) und machen uns daran das Gelände zu erwandern. Besonders beeindruckend sind die Basilika, der Triumphbogen und natürlich die vielen zum Teil beeindruckend gut erhaltenen Mosaike. Die leichte Bewölkung verzieht sich nach kurzer zeit restlos und wir kommen gut ins Schwitzen und freuen uns, wenn wir auf alten Mauern im Schatten von Olivenbäumen mal eine Pause einlegen können.

Anschließen fahren wir weiter nach Fes. Die Straße ist lausig. Auf den ersten Blick sieht ja alles gut aus. Aber der Asphalt ist so wellig und ausgefahren, dass man es gar nicht glauben möchte. Das hat schon mehr von Rodeo als von Autofahrt an sich. Anfangs ist die Landschaft nicht besonders beeindruckend und erstaunlich trocken und kahl. Dann tauchen am Horizont hell sandfarbene Berge auf – sehr unwirtlich – und dann fällt unser Blick auf einen tiefblauen See, der übergangslos und ohne jede Vegetationszone an diese Berge anschließt. Das ist schon ein beeindruckender Anblick! Aber als wir um die nächste Kuppe biegen erreichen wir einen Aussichtsplatz mit einem Panorama, das uns einfach von den Füßen haut. Wir haben ja schon viele beeindruckende und teilweise auch sukrile Landschaften in Marokko gesehen – aber das hier toppt alles!

Wir schauen über ein grünes Tal auf den genannten See mit den fast weißen, kahlen Bergen im Hintergrund. Zur rechten Seite erheben sich weitere Berge. Sie wirken wie mit Künstlerhand aus farbigem Sand gegossen. Im Vordergrund liegt ein schon fast dunkelrostroter Bergkamm. Dahinter folgen Berge in beige, rosaüberhaucht, fast weiß und als ob das noch nicht genug wäre, erhebt sich dazwischen ein zuckerhutähnlicher Bergkegel in einem tiefen dunkelgrau. Wir steigen aus, staunen – staunen länger – machen Fotos – staunen wieder. Hier würden wir gerne mal einen Rundflug machen. Am besten mit einem Geologen! Leider finden wir keine Informationen zu dieser einmaligen Landschaft im Reiseführer und auf unserer Karte ist noch nichtmal der See eingetragen, obwohl er ja wirklich groß ist.

Weiter in Richtung Fes wird die Landschaft immer grüner und wir suchen uns einen Platz für die Mittagspause. Er liegt eigentlich sehr schön – einziges Manko ist der große Haufen aus angekokeltem Müll. Aber das ist hier leider ein weit verbreitetes Problem sobald man die sogenannte Zivilation erreicht.

Leider spinnen momentan beide Navigationssysteme. Das Garmin hat sich vor ein paar Tagen selbstständig ein Update gegönnt und hat seitdem die Tendenz uns über die hintertupfigsten Feldwege zu führen. Das Androidprogramm berechnet die Route super – nur leider findet es kein GPS, wenn es unseren Weg auf der Strecke verfolgen soll. Hilft also auch nicht viel. Glücklicherweise kann man hier gut nach Straßenschildern fahren und innerhalb der Stadt übernimmt wieder das Garmin und führt uns zum CP Diamant Vert.

 

Der CP liegt im Grünen – auf der einen Seite ist ein Park, auf der Anderen eine Badeparadies. Im Sommer mag es hier laut sein, derzeit ist die Anlage aber wohl geschlossen. Die Sanitäranlagen sehen top aus. Nur bei näherer Betrachtung erkennt man den typisch marokkanischen Verfall. Ein paar Fliesen bröcken, die Duschen sind verkalkt usw. - aber da letztlich alles recht sauber ist wollen wir mal nicht meckern.

Am Abend spricht uns ein Marokkaner in perfektem Deutsch an und stellt sich als Guide vor, der morgen mit einer 6 köpfigen Gruppe anderer Wohnmobilisten von diesem Platz aus eine Führung durch Fes machen wir. Er fragt, ob wir uns anschließen möchten und wir sagen spontan zu.

 

Am nächsten Morgen treffen wir unseren Führer und die anderen Reisenden an der Rezeption und los geht es mit einem Kleinbus nach Fes-el-Djedid zum Königspalast. Wir bestaunen das prunkvolle Einganstor und erfahren, dass der König momentan nicht da ist – schon daran erkennbar, dass die Brunnen auf dem großen Platz davor nicht in Betrieb sind. Wir halten uns rechts und gelangen in die Mellah, das jüdische Viertel, mit vielen Balkonen und Erkern. An einem der mächtigen Stadttore sammelt der Bus uns wieder ein und fährt uns zu einem Aussichtspunkt, von dem wir die gesamte Altstadt überblicken können. Hier sehen wir, wie riesig die Altstadt in Fes im Verhältnis zu Marrakech ist und sind froh um Führer und Taxi.

 

Anschließend fahren wir in das Töpferviertel. Hier werden vor allem die bunten Mosaikarbeiten (Brunnen, Tische etc.) hergestellt und in vielen kleinen und größeren Werkstätten auch verkauft. Ein ebenfalls gut deutsch sprechender Mitarbeiter führt uns durch die Produktion und erklärt uns die verschiedenen Arbeitsschritte. Anschließend haben wir die Möglichkeit in den Verkaufsräumen zu stöbern. Die angebotenen Teller, Vasen usw. sind auch wirklich sehr schön. Aber die Preise. Wir wundern uns! Entweder ist die Qualität – für uns nicht unbedingt ersichtlich – viel besser als in Marrakech, oder halt das Preisniveau sehr viel höher. Nun ja – wir belassen es beim Anschauen.

Anschließend bringt uns der Bus zum Gerberviertel. Unsere Erwartungen sind gespalten – aber die Überraschung ist groß. Kaum Gestank, da das Viertel derzeit für rd. 2 Mio. Euro restauriert wird. In zwei Wochen wird der Betrieb wieder aufgenommen, aber derzeit erstrahlt alles in Sauberkeit. Wir haben von der Terasse eines Lederwarengeschäftes einen guten Ausblick und ein Großbildfernseher zeigt auch einen Film, wie es sonst so hier hergeht. Anschließend – haben wir natürlich wieder die Möglichkeit zum Einkauf.

Das Ganze ist aber sehr ungezwungen und wir empfinden es keineswegs als Verkaufsveranstaltung. Der Rest der Gruppe sieht es ähnlich und so sitzen wir schon bald wieder im Bus und fahren zum Park Jnane Sbil – dem ang. schönsten öffentlichen Park in Fes. Wir haben wir rd. 15 Minuten um nach eigenem Gutdünken zu lustwandeln und dann bringt uns der Bus zum Bab Boujloud dem zweifarbigen Tor zur Altstadt und den Souks. Auf der Eingangsseite ist das Tor blau, auf der anderen Seite grün.

 

Durch die üblichen schmalen Soukgassen geht es vorbei an Lebensmittelständen zum Haus des Glockenspiels, einer hydraulischen Uhr, die in 1357 von dem Künstler Tlemsani gebaut wurde. Jetzt sieht man nur noch die Balken, an denen die wassergefüllten Behälter wohl hingen. Trotz Erklärung fällt es uns irgendwie schwer uns das ganze vorzustellen.

 

Tja – und dann geht es so richtig in die Tiefen der Medina. Schmale, schmutzige Gassen führen zu edlen Geschäften mit herrlichen Lampen, Stoffen und Kleidern in orientalischer Pracht. Immer wieder haben wir Einblick in die prächtigen Innenhöfe der Moscheen. Wir dürfen sie zwar nicht betreten, aber unser Führer versichert uns, das fotografieren kein Problem ist. Wir wundern uns – aber Ute lässt sich das natürlich nicht zweimal sagen!

 

Nach einiger Zeit erreichen wir den Nejjarine Komplex, den wohl schönsten Brunnen von Fes el Bali und dem daneben liegenden Foundouk mit dem prächtigen Portal, in dem nun ein Museum untergebracht ist.

 

Der Souk der sich hier anschließt, bietet u.a. Hochzeitspodeste an, die für eine Hochzeit gemietet werden können und dann dem Brautpaar einen exponierten Sitzplatz gewähren.

 

Unserer weiterer Weg führt wieder an einer prächtigen Moschee vorbei. Leider fehlt uns inzwischen die Orientierung, so dass wir nicht mehr wissen, welche es eigentlich ist. Anschließend kommen wir in den Kleidersouk. Die hier angebotenen Kleider, Kaftane und Perlenverzierten Stoffe runden das Bild aus 1001 Nacht perfekt ab. Die Farben sind prächtig und überall funkelt und glitzert es. Auf Ute´s Nachfrage erklärt unser Führer, dass so ein Festkleid ca. zwischen 250 und 300 Euro kostet. Grenze nach oben natürlich offen.

Anschließend kommen wir wieder an einer prächtigen Moschee vorbei und können einen Blick durch die offenen Tore in den Innenhof mit Brunnen werfen. Der Hof ist prächtig ausgestattet. Alles ist penibel sauber. Teilweise ist der Boden mit Teppichen ausgelegt. Und dann der Kontrast – die Gasse vor der Moschee ist schmutzig und der Belag bröckelt. Man muss gut aufpassen wohin man tritt. Keine drei Meter weiter ist ein kleiner Brunnen an der Außenwand der Moschee. Er starrt vor Dreck und stinkt. Diese Kontraste sind so typisch für die marokkanischen Medinas – und für uns so schwer zu verstehen.

 

Unser Weg führt uns weiter in den Souk Seffarine, den Bereich der Kupferschmiede. Hier kann man Kupferkessel aber auch prächtige orientalische Lampen kaufen. So langsam werden unsere Füße müde und leider nicht nur die, sondern bei Ute macht sich das Knie und bei Thomas der Fuß bemerkbar. Deshalb sind wir froh, als die Gruppe in ein prächtiges Haus geführt wird, in dem Stoffe alle Art verkauft werden.

 

Wir bekommen eine Erklärung zu den verschiedenen Materialien und staunen, welche herrlich weichen Stoffe aus dem Sisal der Agaven gewebt werden. Danach wird unsere Gruppe zu einem Restaurant gebracht, in dem die Anderen den Geburtstag eines Gruppenmitgliedes feiern wollen. Wir klinken uns aus und fahren mit unserem Führer zurück zum CP.

Es war ein toller Tag. Wir haben viel erlebt und konnten entspannt genießen. Ute hat einen neuen Fotorekord aufgestellt – über 850 Bilder. Unseren Führer können wir nur in den höchsten Tönen loben.

Deshalb hier für alle anderen interessierten Fes-Reisenden die Kontaktdaten: Hanaf E Louafi Tel: (00212) 672040156

Herr Louafi spricht ausgezeichnet Deutsch, ist sehr nett und hilfsbereit. Er ist auch gerne behilflich, wenn Übersetzungen angefertigt werden müssen, oder der Reisende Unterstützung bei Pannen etc. braucht. Wir freuen uns ihn kennengelernt zu haben.


Der nächste Tag ist als Ruhetag geplant, um unsere vielen Erlebnisse vom Vortag zu verarbeiten. Es kommt aber anders – wir lernen Andrea und Andy aus der Schweiz kennen, die mit ihrem Mowag Duro neben uns auf dem CP stehen. Tja – und dann tun wir den ganzen Tag nichts anderes als mit den Beiden zu klönen und gelegentlich unsere Campingstühle mal in die Sonne mal in den Schatten umzusetzten, viel Wasser zu trinken und etwas zu knabbern. Echt anstrengend so ein Reiseleben!

Am folgenden Morgen ist es bewölkt und die Sonne kommt erst am Nachmittag gelegentlich hervor. Ute bereitet Bilder für die HP vor und aktualisiert das Tagebuch.  Am Abend gehen wir mit den beiden Schweizern ins CP-Restaurant.

Wir essen Hühnchentanjine und sind über- rascht, diesmal unter dem Tajinedeckel ein ganzes Huhn auf einem Bett aus Zwiebelsauce mit Oliven vorzufinden. Sonst hatten wir immer viel Gemüse und ein wenig Huhn. Egal – hat auf jeden Fall gut geschmeckt.

 

Anschließend lassen wir den schönen Abend bei einem Glas Wein im Steyr ausklingen.

Andy hat schon viele Reisen unternommen, fährt Geländeralley´s und kann sehr spannend erzählen.

Heute reisen wir weiter nach Chefchaouen. Ersteinmal geht es rd. 45 km auf der N4 zurück. Die Straße ist eine lausige Buckelpiste - wir erinnern uns von der Hinfahrt noch gut daran. Aber wir haben keine andere Wahl. Positiv ist, dass wir nochmals an dem tollen See vorbeikommen und jetzt teilt unser Navi uns auch den Namen mit - Lac de Sidi Chahede. Die verschiedenfarbigen Berge, der "Zuckerhutkegel" dazwischen und der See faszinieren uns wieder und so stellen wir einfach noch ein paar Bilder für Euch ein.

Die restliche Fahrt zieht sich, ist aber nicht besonders spannend. Die Straße wird leider auch nicht besser, als wir auf die N13 wechseln und so ist das Fahren für Thomas bei den schmalen, welligen und buckligen Belägen wirklich kein Vergnügen. Unterwegs fahren wir durch ein Dorf, in dem gerade Markt ist und Ute kann ihrer Leidenschaft nachgehen Menschen mit Eselchen zu fotografieren. In Marokko ja selbst in den Großstädten ein absolut übliches Bild - aber es verführt Ute doch immer wieder dazu auf den Auslöser zu drücken.

Je weiter wir nach Norden kommen, umso schlechter wird leider das Wetter. In Chefchaouen angekommen ist es stark bewölkt und die Spitzen der Berge liegen in den Wolken. Wir schrauben uns den Berg hoch, um den hoch oben liegenden CP zu erreichen. Dummerweise folgen wir der Ausschilderung und müssen uns an einer extrem spitzen Abzweigung etwas quälen. Hätten wir (Ute!) dem Navi vertraut hätten wir es einfacher haben können!

 

Auf dem CP haben wir einen Stellplatz mit toller Fernsicht über das ganze Tal. Wenn sich jetzt noch die Wolken verziehen würden ... - sieht aber nicht so aus!

Am nächsten Morgen ist das Wetter immer noch nicht besser. Bewölkt, kühl und sehr windig. Leider verkündet der Wetterbericht für morgen auch noch viel Regen - also machen wir uns lieber heute auf zur Stadtbesichtigung. Kaum haben wir einen Fuß vor das Tor des CP gesetzt, als wir von der Seite angequatscht werden. Woher wir kommen - blablabla - und ob wir nicht was "zu rauchen" haben wollen. Nein wollen wir nicht! Wir maschieren zügig bergabwärts und nach ein paar hundert Metern gibt der Marokkaner auf. Echt klasse hier - direkt neben dem CP ist die Jugendherberge und direkt davor steht der Haschverkäufer.

Die kürzeste Fußstrecke in die Medina führt vom Campingplatz links am Hotel Atlas Chaouen vorbei. Erst durch den kleinen Park und dann über die Straße und den Hang hinunter. Schon nach wenigen Minuten sieht man von oben auf die Stadtmauern und die direkt dahinter beginnende Medina. Nachdem wir das Bab Djenan passieren, sehen wir, was Chefchaouen so berühmt macht. Türen, Mauern und ganze Häuser sind in einem einmaligen Blauton - oder besser gesagt in verschiedenen Blauabstufungen - gestrichen. Wir haben Glück und das Wetter klart etwas auf, so dass wir die Farbenpracht auch richtig genießen können.

Unser Weg führt uns immer treppab durch die schmalen Gassen der Medina und als wir an eine Textilcooperative kommen, nutzen wir die Gelegenheit noch ein paar schöne Tücher als Mitbringsel für Bekannte einzukaufen. Die Preise sind hier deutlich niedriger als in Fes. Das Bündel, das wir jetzt dabeihaben erweist sich im weiteren Verlauf des Stadtbummels als recht hilfreich. Immer, wenn uns jemand auf Teppiche etc. anspricht, deuten wir auf das Bündel und sind die eifrigen Verkäufer sofort los. Hat doch was!

Die Medina gefällt uns gut und bietet jede Menge toller Fotomotive. Im Zentrum gibt es einen schönen Platz mit Brunnen, den Uta-el-hammam. Rund um diesen Platz haben sich Restaurants und Geschäft angesiedelt. Etwas lästig ist, das Anwerber der Restaurants auf Schritt und Tritt versuchen uns zu einem Restaurantbesuch zu überreden. Einfach in Ruhe stehen bleiben, schauen, Fotos machen - hier leider nicht möglich.

Deshalb wandern wir zügig weiter durch die Gassen und entdecken mehrere Läden, die offene Säcke mit leuchtenden Farbpigmenten anbieten. Auch ein schönes Fotomotiv.

Dann kaufen wir an einem Stand noch drei kleine Fladenbrote und 10 Eier - auf arabisch "aschra beit" - und machen uns wieder an den Aufstieg zum CP.

Dort wartet schon der "freundliche Marokkaner" mit dem schlechten Personengedächtnis - nein, wir möchten immer noch nichts "zu rauchen"!

Der Wetterbericht hat Recht gehabt. Es regnet die ganze Nacht durch und auch am Morgen jagt ein Regenschauer den Anderen. Also machen wir uns auf den Weg zur Mittelmeerküste Richtung Tetouan. Wir biegen schon bald von der N2 auf eine Landstraße nach Qued Laou ab. Diese führt uns über heftig sprudelnde Bachläufe in eine tolle Berglandschaft. Man hat das Gefühl im Hochgebirge unterwegs zu sein, so schroff sind die Schluchten. Allerdings führt die Strecke durch Flusstäler auf nicht mal 300 Höhenmetern. Die umliegenden Berge erreichen allerdings rd. 1.900 Meter Höhe.

Gerne würden wir diese schöne Gegend etwas intensiver kennenlernen, aber das Wetter hält uns davon ab. Die Bergspitzen hängen im Nebel, der Wind ist stark und immer wieder ziehen heftige Regenschauer durch. Kein Pisten- oder Wanderwetter. Wir staunen auch über den guten Straßenzustand dieser Nebenstrecke. Sie ist deutlich besser als die Verbindung Fes - Chefchaouen, obwohl sie in unserer Karte noch nicht mal eine N-Nummer trägt.

 

Je näher wir zum Mittelmeer kommen, umso breiter wird das Tal und aufgrund der hier viel feuchteren Witterung gedeiht die Landwirtschaft. Momentan ist die Zeit der Kohlernte. In dem Küstenort Qued Laou angekommen machen wir eine kurze Mittagspause auf einem großen Parkplatz an der Uferpromenade. Der Wind ist so heftig, das wir ganz schön durchgeschaukelt werden. Glücklicherweise weht er in Richtung Meer, sonst hätte der Steyr jetzt eine Salzwasserdusche.

Nach kurzer Zeit fahren wir auf der N16 weiter an der Küste entlang nach Tetouan. Die Straße ist hervorragend ausgebaut und bietet immer wieder aufwendig ausgebaute Raststellen mit gemauerten Tischen und Bänken und - bei gutem Wetter - herrlichem Meerblick.

Tetouan erreichen wir bei lausigem Wetter. Wir wollen einen mit Koordinaten im Reiseführer genannten Parkplatz an der Medina anfahren, an dem 20 Womo´s stehen können. Auch sollen dort LKW´s am Morgen ihre Ladung auf Kleinlaster verteilen. Hört sich also einfach an. Ist es aber leider nicht. Je näher wir dem Platz kommen, umso mehr Gewusel ist auf den Straßen. Scheint Markttag zu sein. Der Platz ist abgesperrt, allerdings sehen wir keine Stände dort, die die Sperrung erklären könnten. Die Straße ist voller Fußgänger, Taxen und mehr oder weniger sinnvoll geparkten PKW. Und mitten darin wir mit dem Steyr an Marktständen und -tischen vorbei - das macht Laune. In diesem Getümmel einen Parkplatz finden - völlig unmöglich. Wir sind echt erleichtert, als wir wieder breitere Straßen erreichen und wollen jetzt nur noch raus hier. Schiet Wetter und Straßenchaos - das ist zuviel für uns.

 

Wir fahren zu dem rd. 6km entfernt liegenden Badeort Martil und stellen uns auf den dortigen CP. Rundum liegen mehrstöckige Ferienhäuser. Nicht schön - hält aber wenigstens den Wind etwas ab.

 

Unsere Internetrecherche zu dem Stellplatz an der Medina in Tetouan führt dann zu dem Ergebnis, dass es diesen Platz wohl nicht mehr gibt, da er in einen Park umgewandelt wurde. Eine andere Stellplatzmöglichkeit in Tetouan können wir auch nicht ermitteln und deshalb beschließen wir morgen Richtung Cabo Negro weiterzufahren.

 

An nächsten Tag ist es immer noch sehr windig und ungemütlich. Da wir noch jede Menge Datenvolumen auf unserer Karte von der Maroc Tekekom haben, legen wir einen „häuslichen“ (wie nennt man das im LKW?) Tag ein und surfen nach Herzenslust.

 

Die Anschaffung der Maroc Telekom Karte war übrigens eine sehr gute Wahl. Wir haben fast überall einen guten Empfang und 12 GB für 10 Euro ist super günstig.

 

Es wird heute wohl sonniger, aber da uns die Umgebung unseres CP´s nicht wirklich gefällt, wollen wir nach Cabo Negro weiterfahren. Wir haben gehört, dass dort ein CP auf einer „Farm“ (Restaurant, Hotel und Reitstall) von einem Franzosen betrieben wird und das dieser Platz etwas mehr Natur um die Stellflächer herum bietet.

 

So rollen wir dann ganze 7 km weiter und finden die „Farm“ auch auf Anhieb. Die Anlage ist großzügig, bietet einen schönen Blick auf die Berge, wird aber auch langsam von Ferienhausbauten eingekesselt.

 

Wir sind der einzige Gast auf dem CP (Achtung es steht kein Schild an der Straße, nur Hinweis auf Reitstall und Hotel) und suchen uns einen schönen Platz.

 

Die Anmeldung verläuft recht unterhaltsam, da der Patron nur französisch spricht aber dafür spitzenmäßig zeichnet. Wir verstehen ihn auf diese Weise super und haben was zu lachen.

 

Als wir wieder zum Steyr kommen, haben wir Gesellschaft von 2 Pferden bekommen, die in der Nähe zum weiden angepflockt wurden. Auf der nahegelegenen Koppel steht eine Schafherde und ein kleiner Esel. Hühner und Truthähne laufen herum – Ferien auf dem Bauernhof.

 

Bei bestem Wetter fahren wir am nächsten Morgen weiter die Küste hoch Richtung Tanger Med.. Cabo Negro und die folgenden Städtchen erinnern schon mehr an feudale spanische Küstenorte als an Marokko. Alles sieht sehr ordentlich und edel aus und es wird an allen Ecken und Enden gebaut wie wild. Nicht mehr lange und hier ist auch alles so zubebaut wie in Spanien und an der Algarve.

Kurz vor Ceuta (auf den Straßenschildern in Marokko steht nur der marokkanische Name der Stadt – Septa) biegen wir ins Landesinnere ab und fahren auf guter Straße in die Berge.

 

Die Aussicht ist fantastisch, da heute ein extrem klarer Tag ist. Gibralta und die spanische Küste bis Tarifa sind so klar zu erkennen wie wir es noch nie gesehen haben.

 

Ideales Fotowetter.

Im Fährhafen registrieren wir uns auf die 12 Uhr Fähre – steht jedenfalls so auf dem Ticket. Dann geht es zur Passkontrolle (Fiche vorher ausfüllen!) und zum röntgen. Alles verläuft super schnell und unproblematisch, keiner will in den Steyr schauen. Dann fahren wir weiter zu unserem Abfahr-Gate. Es ist jetzt 11.00 Uhr und dann heißt es warten und warten und warten ….

 

Die Fähre kommt so gegen 14.00 Uhr. Bis alle LKW etc. ausgeladen bzw. eingeladen sind und wir endlich auslaufen, ist es fast 16.00 Uhr (marok. Zeit). Die Fahrt dauert eine Stunde , eine weitere Stunde „verschwindet“ durch die Umstellung auf mitteleuropäische Zeit und so ist es 18.00 Uhr, als wir in Algeciras ankommen. Dort sind wir glücklicherweise bei den Ersten, die von der Fähre rollen. An den Kontrollposten wird nur ein kurzer Blick in die Pässe geworfen. Ansonsten werden wir durchgewunken und so stehen wir eine halbe Stunde später auf dem Womostellplatz bei „Carlos“. Europa hat uns wieder.

 

 

Genauere Beschreibungen zur Verschiffung findet Ihr auch hier.

 

 

Hier geht es direkt weiter zu dem Folgebericht 18.02. - 29.02.16 Spanien/Portugal