01.01. - 31.01.16 Portugal/Spanien/Marokko

 

Wir beginnen das neue Jahr leicht angeschlagen. Thomas Kniebeschwerden wollen einfach nicht besser werden und Ute hat seit gestern Halsschmerzen und fühlt sich schlapp. Das Wetter ist auch nicht toll - hauptsächlich Wolken und zwischendurch immer mal wieder kleine Schauer. Deshalb beschließen wir, heute und morgen auf jeden Fall noch hier zu bleiben, verkriechen wir uns in den Steyr und machen es uns gemütlich - lange schlafen, lesen und WiFi des CP´s nutzen.

Ute geht es wieder besser und da das Wetter immer noch öde ist, beschließen wir zusammen mit den Schweizern weiterzufahren. Unser Ziel ist Tavira. Das ist nicht weit entfernt und so kontrollieren wir die Route, die das Navi vorschlägt, nicht so genau. Ein Fehler wie sich nachher herausstellt, da das gute Teil uns nicht an der Küste entlang sondern durch die Berge führt. Landschaftlich zwar eine ganz nette Strecke - aber davon haben wir bei dem regnerischen Wetter nicht so viel. Dafür dürfen wir mal wieder schmale "Feldwege" fahren. Hatten wir ja schon länger nicht mehr. Glücklicherweise ist auf diesen Wegen außer uns niemand unterwegs und so kommen wir ohne Probleme ans Ziel. Unser Steyr kann sich ganz schön klein machen ;-))

 

Der CP in Tavira ist sehr voll und so müssen wir mit einem nicht so schönen Platz in Straßennähe vorliebnehmen. Aber für eine Nacht soll´s reichen. Ein Ausflug in die Stadt entfällt wegen Regen und so sitzen wir lieber mit Christina und Roger zusammen und erzählen uns gegenseitig unsere Reiseerlebnisse.

Heute geht es ein Stückchen weiter in Richtung Spanien nach Manta Rota. Der Stellplatz nahe am Meer gefällt uns gut und das Wetter scheint auch etwas besser zu werden. Thomas schont sein Knie und nutzt das Wifi um Karten von Marokko und andere nützliche Apps herunterzuladen. Ute macht einen kleinen Erkundungsspaziergang am Strand, der von Muscheln nur so bedeckt ist. Auf den Sandbänken nutzen Muschelfischer die Ebbe und graben mit speziellen Fangkörben kleine Muscheln aus.

Wir erkunden die Umgebung von Manta Rota mit dem Rad und genießen es ein Örtchen zu finden, das von der Hochhausbauwut verschont geblieben ist. Auf der Rückfahrt radeln wir an einer Wiese vorbei, die vollständig von dem gelbblühenden Klee bedeckt ist, der ganz Portugal derzeit in ein gelbes Kleid hüllt. Die einzelne Pflanze ist zwar nicht besonders spektakulär, aber der Gesamteindruck ist wunderschön. Ob am Straßenrand, auf Wiesen oder zwischen Orangen- und Olivenhainen – überall vermittelt der Klee ein Bild von üppigem Wachstum. Wenn die kleinen Pflänzchen in den Sommermonaten einziehen, wird das hier ganz anders aussehen.

Da es uns in Manta Rota sehr gut gefällt, bleiben wir noch einen weiteren Tag und genießen das Nichtstun. Am Nachmittag macht Ute noch einen langen Strandspaziergang und kommt mit jeder Menge Muscheln zurück. Die Ausbeute ist hier bemerkenswert groß. Sie findet sogar einen angeschwemmten, korallenartigen Zweig einer Meerespflanze, der in einem schon fast künstlich wirkenden pink/lila-Ton leuchtet. Auf dem Rückweg sorgt die untergehende Sonne für schöne Fotomotive.

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Spanien. Freunde haben uns den Tipp gegeben, auf jeden Fall einen Abstecher zum Donana Nationalpark und nach El Rocio zu machen und so ist unser heutiges Ziel der Ort Matalascana, der an der spanischen Atlanitkküste an den Nationalpark angrenzt.

Kaum haben wir die spanische Grenze überquert, stellen wir fest, das die Landwirtschaft hier – im Gegensatz zu Portugal – sehr intensiv betrieben wird. Wir sehen viele Foliengewächshäuser und Orangen-/Olivenplantagen ohne jeden Unterwuchs. Die Straßenränder zeigen starke Errosionsschäden. Da hat uns die eher extensive Landwirtschaft Portugals besser gefallen.

Der weitere Weg führt uns durch einige sehr industriell geprägte Städte. Die Ölraffinerien riecht man schon von weitem. Nach einiger Zeit lassen wir diese Industriezonen glücklicherweise hinter uns und fahren durch sandige Kiefernwälder entlang der Küste.

Um Matalascana machen wir einen Bogen und suchen uns einen Parkplatz am Stadtrand. Hier beginnt auch der Donana Nationalpark und wir sehen die Unimogs der Parktverwaltung, mit denen Touren durch den Park angeboten werden.

Da das Wetter windig und unbeständig ist, machen wir nur einen kleinen Strandspaziergang und verbringen die restliche Zeit mit unseren Schweizer Freunden.

Auf dem Weg nach El Rocio machen wir einen Abstecher zum Besucherzentrum El Acebuche. Hier kann man auf Holzplankenwegen Wanderungen unternehmen und von Unter-ständen aus die Tierwelt beobachten – so sie sich zeigt. Wir sehen nur Störche, die auf einem Turm des Hauptgebäudes nisten. Trotzdem ist der Besuch lohnenswert, da die Anlage sehr schön ist und mit Bildern etc. einen Überblick über die hiesige Tierwelt gibt. Über eine Livekamera haben wir auch Einblick in das Luchsgehege. Die Wiederansiedelung des iberischen Luchses ist eines der Hauptanliegen des Parkes.

Anschließend fahren wir weiter nach El Rocio. Das Städtchen ist wirklich etwas ganz besonderes, da es nicht eine einzige asphaltierte Straße hat. Alle Wege und Plätze sind aus Naturboden – und das heißt hier Sand und da es in den letzten Tagen recht ergiebig geregnet hat gibt es Pfützen in allen Größenordnungen.

Durch die sandigen Straßen, die großen Plätze zwischen den Gebäuden und die imposante, weiße Kirche ähnelt El Rocio eher einem Westerndorf in Mexico. Vor jedem Haus sind Holzbalken um Pferde anzubinden und von Zeit zu Zeit traben Reiter an uns vorbei.

Wir können auf einem großen Platz mit Blick auf die Kirche parken (1 €) und dort auch über Nacht bleiben.

Direkt gegenüber befindet sich ein großer See, der von seltenen Vögeln nur so wimmelt. Wir sehen Löffelreiher, Seidenreiher, Wildgänse, Störche, schwarze Ibisse, Blesshühner und viele uns unbekannte Entenarten und Wattvögel. Ein Paradies für Vogelfreunde.

Heute geht es weiter nach Sanlucar. Luftlinie nur rd. 40 km von El Rocio entfernt – aber dazwischen ist Sumpfgebiet und so müssen wir über Sevilla fahren. Insgesamt eine Strecke von fast 200 km. Wir fahren einen freien WOMO-Stellplatz an, der direkt am Fluß und nahe der Altstadt liegt. Für eine Stadtbesichtigung und eine Übernachtung kann man es hier aushalten. Länger hält es uns hier aber nicht, da vom Fluß her ein unangenehmer Geruch ( wie Abwasser) herüberweht und das „Kuschelparken“ auch nicht so unser Ding ist.

 

Die Altstadt ist recht nett, aber leider sind wir am falschen Tag hier. Das Castell hat schon geschlossen und eine Besichtigung des gegenüberliegenden Weinmuseum wäre auch erst morgen wieder möglich – so lange werden wir aber nicht bleiben.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Jerez. Dort finden wir einen großen Parkplatz an einer Grundschule in der Nähe der staatlichen andalusischen Hofreitschule. Diese hat leider heute geschlossen und so ist ein Besuch nicht möglich. Auch unser Plan, die bekannte Bodega Sandemann zu einer Sherryverkostung zu besuchen, ist leider nicht umsetzbar, da diese ebenfalls Sonntags geschlossen hat.

 

Deshalb machen wir uns mit Christina und Roger zu einem Spaziergang durch die Altstadt auf. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Platz vorbei, auf dem eine Kutsche mit lebensgroßen Pferden an andalusische Tradion und das im Mai stattfindende Reiterfest erinnert. Durch schmale Altstadtgassen gelangen wir zu der beeindruckenden Kathedrale. Direkt nebenan liegt das Alcazar, an dessen Fuß ein Trödelmarkt stattfindet. Wir stöbern kurz über den Markt und entschließen uns dann zu einem Besuch der Festung (5 €/Person). Der Besuch ist wirklich interessant und lohnend. Von den Wehrtürmen aus haben wir einen guten Überblick über Jerez und innerhalb der Festung gibt es auch viel zu bestaunen. Das Gebäude, in dem die Bäder untergebracht waren, weckt Erinnerungen an die Alhambra. In einem anderen Bereich können wir eine alte Kornmühle und eine gewaltige Olivenölpresse bestaunen. In dem Palastbereich ist in einem Bereich eine alte, sehr stimmungsvoll aussehende Apothekeneinrichtung untergebracht.

 

Anschließend machen wir in einem kleinen Restaurant auf einem stimmungsvollen Platz in der Altstadt eine Pause und bestellen uns einen Sherry zu den Tapas. Wenn schon keine Sherryprobe möglich ist, dann wollen wir halt auf diesem Weg mal kosten.

 

Der Rückweg führt uns noch über einen anderen Platz, auf dem definitiv der größte Gummmibaum steht, den wir jemals gesehen haben . Ein gewaltiger, beeindruckender Riese der Gattung Ficus macrophylla. Leider steht auf dem Infoschild nicht, wie alt der Baum ist. Über die Fußgängerzone bummeln wir zurück zu unseren Wohnmobilen und machen es uns dort gemütlich. Kurz darauf fängt es heftig an zu regnen. Was sind wir für Glückspilze - bei unserer Stadtbesichtigung hatten wir strahlenden Sonnenschein.

Am nächsten Morgen werden wir recht früh geweckt, da es auf dem Parkplatz plötzlich lebhaft wird - Schulbeginn halt.

Wir machen uns auf nach Cadiz. Es ist zwar trocken, aber der Himmel hängt voller dunkler Wolken und es ist sehr windig. Schlicht und einfach - ungemütlich. In Cadiz finden wir in der Nähe der Altstadt keinen Platz für unsere "Dicken" und bei dem Wetter haben wir auch keine Lust von außerhalb mit den Rädern in die Stadt zu fahren. Also fahren wir weiter nach Tarifa und stellen uns dort am Ortsrand auf einen Platz, auf dem Camper geduldet werden.

 

Bei starkem Wind radeln wir zum Hafen und erkundigen uns nach Preisen für die Fähre nach Tanger. Von Tarifa aus wird aber nur Tanger und nicht Tanger med. angelaufen. Die Preise sind recht hoch. Eine Agentur verlangt

299 €. Eine andere geht auf Nachfrage auf 259 € herunter. Da bei "Carlos" in Algeciras die Tickets immer noch nur 220 € kosten, beschließen wir sie dort zu kaufen. (Details zu "Carlos" s. Reisebericht Frühjahr 2015 "Verschiffung").

Da das Wetter immer noch nicht besser ist, radeln wir nur kurz durch die Altstadt. Anschließend geht es noch Einkaufen und dann machen wir es uns mal wieder im Steyr gemütlich.

Am nächsten Morgen haben wir strahlenden Sonnenschein und der Wind ist kaum noch zu spüren. Himmel und Meer zeigen ein so intensives Blau, wie wir es lange nicht mehr gesehen haben. Der Fernblick ist ausgezeichnet und wir können die gegenüberliegende marokkanische Küste detailreich erkennen. Das herrliche Wetter nutzen wir zu einem kurzen Spaziergang entlang der Küste und anschließend radeln wir mit Christina und Roger über die Strandpromenade zum Hafen.

Über einen 250 Meter langen Damm fahren wir zur Isla de Tarifa, dem südlichsten Punkt Westeuropas. Die Insel selbst ist Naturschutzgebiet und nicht zu betreten. Anschließend radeln wir durch die Altstadt und machen es uns im Cafe Central Tarifa Baujahr 1894 gemütlich.

Am Abend feiern wir mit einem gemeinsamen Abendessen Abschied von Christina und Roger. Wir werden morgen nach Algeciras zu "Carlos" fahren, um uns die Tickets für die Fähre nach Marokko zu kaufen.

Heute ist großer Einkaufstag. Im Gewerbegebiet Salida 112 angekommen besorgen wir uns zuerst die Fährtickets (Preis unverändert 220 €wie im Vorjahr) und dann ergänzen wir bei Lidl und Carrefour unsere Vorräte. Gemüse, Brot und Eier bekommen wir ja in Marokko überall - das wissen wir noch von unserer ersten Tour. Und so decken wir uns hauptsächlich mit Käse, Koch- und Sojasahne, Butter, Joghurt und etwas frischem Gemüse ein.

 

Den restlichen Tag verbringen wir auf dem Parkplatz zwischen Carrefour und Carlos Büro der sich am Nachmittag mit immer mehr Womo´s füllt, mit Tagebuchschreiben und Aktualisierung der HP. Außerdem lernen wir Iris und Maik kennen, die mit ihrem Expeditions-LKW neben uns parken und die auch morgen verschiffen wollen. Die Abenteuer der Beiden kann man auf www.die-sternwanderer.blogspot.de miterleben.

Am nächsten Morgen sind wir recht früh wach und ob wir nun hier oder vor der Fähre warten ist auch egal – also machen wir uns so gegen 8 Uhr auf den Weg nach Algeciras zur Anlegestelle der Fähren nach Tanger. Am ganzen Verschiffungsprocedere hat sich nichts geändert.

 

Nach einiger Zeit tauchen auch Iris und Maik auf. Ihre Fähre geht rd. 2 Stunden vor unserer, da sie von Carlos auf eine andere Fährgesellschaft gebucht wurden. Wir fahren mit der Fährlinie Balearia, die unter marrokanischer Flagge fährt. Die Fähre ist recht pünktlich und wir werden zu einem Platz auf dem ersten Oberdeck dirigiert. Da die Fähre deutlich größer ist als die vom letzten Jahr können wir auf der Fähre wenden und müssen nicht rückwärts ein-/ausfahren.

Auf dem Passagierdeck erledigen wir schnell die Passformalitäten und genießen dann die Überfahrt auf den Außendecks. Das Wetter ist herrlich. Die Sonne scheint und wir haben fast keinen Wind. Die Fernsicht ist auch sehr gut und wir haben einen schönen Ausblick auf Gibraltar und die spanische Küste entlang bis nach Tarifa.

 

Auf dem Schiff finden wir eine Anzeigetafel vor, die darüber informiert, dass die Fähre 1000 Personen befördern kann, auf dieser Fahrt aber nur mit 199 Personen (davon 60 Personal) besetzt ist. Wir haben also Platz ohne Ende.

 

In Tanger Med. angekommen fahren wir zügig zu den Zollterminals und wundern uns sehr, als wir dort den LKW der beiden Sternwanderer stehen sehen. Die Beiden haben schließlich 2 Stunden Vorsprung. Es warten auch auffällig viele Womo´s. Nur einige marokkanische PKW werden durchgelassen.

Wir werden zu einem Platz neben den Mercedes von Iris und Maik gewunken und erfahren von den Beiden, dass sich hier bereits seit anderthalb Stunden nichts tut. Ursache ist wohl ein Ausfall aller PC´s und so warten wir halt und vertreiben uns die Zeit mit Kaffeetrinken. Nach einer weiteren Stunde und einigem hin und hergerenne tut sich dann doch etwas. Da die PC´s aber immer noch nicht gehen, bekommen wir nur eine Aufenthaltserlaubnis für 2 Monate und nicht für die üblichen 3 Monate. Weshalb das so ist erklärt hier keiner, aber da wir ohnehin nur 6 Wochen eingeplant haben stört es uns auch nicht weiter. Eine Kontrolle des Steyr findet nicht statt. Nur die obligatorische Frage nach Motorrad und Waffen – haben wir auch in diesem Jahr nicht dabei!

Endlich können wir weiter und fahren auf der Autobahn in einem Rutsch bis Asilah.

 

Dort suchen wir uns einen Platz am Hafen. Inzwischen werden für die Übernachtung hier 5 Euro verlangt. Das finden wir für diesen Platz ziemlich happig. Es gibt keine Ver-/Entsorgung, das Gelände ist hoperig und matschig und alle möglichen Händler belagern die Wohnmobilisten.

 

Am späten Nachmittag machen wir eine Runde durch die Altstadt, die wir vom letzten Jahr noch in guter Erinnerung hatten.

 

Ganz so sehr kann uns Asilah dieses Jahr nicht begeistern. Alles wirkt etwas schmuddeliger. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Sonne nicht ganz so toll scheint wie damals.

 

Wir kommen auch wieder an der schönen Buchhandlung vorbei, in der Ute letztes Jahr die schlafende „Bücherkatze“ fotografiert hat. Wie die Bilder sich so gleichen – nur in diesem Jahr kucheln gleich zwei Kätzchen in dem kleinen Bücherregal.

Momentan wandeln wir auf unseren Spuren vom Vorjahr – unser nächstes Ziel ist Moulay Bousselham. Wir fahren wieder zum CP Flamants Loisirs und suchen uns einen ruhigen Platz. Das ist nicht schwer, denn es ist wirklich nicht viel los. Das kommt uns aber auch ganz gelegen, da Ute Kopfschmerzen hat und sich sehr müde fühlt.

Den nächsten Tag verbringt sie im Bett und Thomas vertreibt sich die Zeit mit lesen.

 

In der Nacht hat es geregnet, aber im Lauf des Vormittags kommt die Sonne wieder raus und wir radeln ins Dorf. Unser Versuch eine SIM-Karte zu kaufen ist nur mäßig erfolgreich. Eine Kommunikation mit dem Verkäufer ist nicht möglich und so bekommen wir nur eine Karte für 4 €. Weit werden wir damit wohl nicht kommen, aber fürs erste soll´s reichen.

Auf dem Rückweg besuchen wir den CP am Hafen um zu schauen, ob wir vielleicht Bekannte entdecken. Diesmal ist es hier auch recht schön und die Lagune riecht nicht unangenehm wie beim letzten Mal. Allerdings wird der Eingang von mehreren Anbietern von Bootstouren regelrecht belagert. Da haben wir es auf unserem CP doch ruhiger.

 

Bei leicht bedecktem Himmel reisen wir weiter nach Mohammedia, einer Küstenstadt nördlich von Casablanca. Entlang der Küste ziehen sich immer wieder große Rauchwolken, da im großen Umfang entlang der Autobahn aber auch auf den Feldern Schnittgut verbrannt wird. Das dieses vom Regen feucht ist und wie verrückt qualmt stört hier anscheinend niemanden. Die Autobahn führt uns vorbei an slumähnlichen Hüttensiedlungen und Bauprojekten, mit denen der Staat versucht diesen Slums entgegenzuwirken. Die Landschaft wechselt von Dühnen über Kiefer- und Eykalyptuswälder und landwirtschaftlich genutzte Flächen. In den Foliengewächshäusern werden Bananen bzw. Erdbeeren angebaut. Unterwegs fahren wir eine Autobahntankstelle an. Der Preis von rd. 0,70 Cent/Liter Diesel freut uns. Das hier, an dieser „touristenintensiven“ Autobahnstrecke aber keine Kreditkarten akzeptiert werden, wundert doch sehr. Hatten wir letztes Jahr aber auch. Später im Land war das meistens kein Problem mehr – seltsam.

In Mohammedia angekommen fahren wir den direkt am Meer gelegenen CP Camp L'ocean bleu an, der von einem Stellplatzführer wärmstens empfohlen wird. Der Empfang ist nett und die Verständigung gut, da die Rezeptionistin gut Englisch spricht. Die Duschen sind i.O., die Toiletten nicht so – aber darauf sind wir ja glücklicherweise nicht angewiesen.

 

Der Platz ist recht gut von französichen Womo´s besucht und auch von großen Fahrzeugen gut befahrbar. Leider ist rund um den Platz eine einzige große Baustelle, da in diesem Küstenabschnitt Appartmentblocks ohne Ende aus dem Boden gestampft werden. Die Küste ist felsig und die Klippen sind in einem Umfang mit zerschlagenen Glasflaschen bedeckt, den wir bislang noch nirgends erlebt haben. Die Scherben sind grün – Limonade war da wohl nicht drin.

Unser Fazit – für eine Übernachtung ist der Platz gut, aber länger hält es uns hier nicht.   

Uns so machen wir uns am nächsten Morgen zur Weiterfahrt nach Marrakech auf den Weg. Hier wollen wir Aischa und Reinhard Schatz besuchen. Auf dem Wohnmobilstellplatz bei ihrem Schloss in der Nähe von Marrakech haben wir letztes Jahr herrliche Tage verbracht. Allen Marokkoreiseinteressierten bzw. Stellplatzsuchenden können wir nur die Seite www.marokko-reisen.de der Beiden empfehlen. Alles zu beschreiben würde unser Tagebuch sprengen.

Die Autobahn führt uns durch sehr unterschiedliche Landschaften. Anfangs dominierten noch grüne Felder und Äcker. Später wird die Landschaft hügeliger und schlagartig trockener. Die Farbe Grün weicht erdigen Ocker- und Rottönen und macht einen sehr kargen Eindruck. Die Vegetation am Straßenrand ist fast vollständig vertrocknet. In diesem Winter hat es hier wohl kaum Niederschläge gegeben.

Autobahnmaut ist in Marokko wirklich günstig, wenn man die Preise mit Spanien oder Frankreich vergleicht. Für die ganze Strecke von Mohammedia bis Marrakech haben wir rd. 15 Euro bezahlt. Die Mautstationen in Marokko sind nicht automatisiert sondern hier wird bar bezahlt. Da – anders als in den Geschäften – Wechselgeld hier kein Problem ist, nutzen wir diese Gelegenheit immer, um die „großen“ 200 DH Scheine in Umlauf zu bringen.

 

Bei soviel Reisen in unbekannten Gegenden ist die Ankunft bei Aischa und Reinhard wie ein „nach Hause kommen“ für uns. Wir freuen uns sehr die Beiden wiederzusehen. Obwohl sie voll in den Vorbereitungen für ihre Reisegruppen stecken, nehmen sie sich die Zeit, den Abend mit uns bei einem Minztee zu verbringen.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Steyr nach Marrakech. Die Navigation mit der Karte von MAPS ME funktioniert prima und wir fahren den großen Parkplatz an der Medina vor dem Bab el -Djedid an. Mehr oder weniger offizielle Parkplatzwächter bieten einen „bewachten Parkplatz“ für 3 € an. Wahrscheinlich kann man auch so auf den anderen Bereichen des riesigen Platzes stehen, aber an den 3 € soll es nicht scheitern.

Vorbei am Mamounia Hotel spazieren wir durch einen kleinen Park auf die Koutoubia Moschee zu. Deren Minarett ist ein Wahrzeichen Marrakech´s und ein gutes Orientierungsmerkmal. Vorbei an den Pferdekutschen – dreimal so viel wie letztes Jahr und immer noch so penetrant stinkend – geht es zum Djemaa el-Fna.

Auf der rechten Seite liegen viele Banken und wir stocken an einem der vielen Geldautomaten unseren Dirham-Vorrat auf. Dann stürzen wir uns in das Gassengewirr der Souks. Unser Ziel ist die Medersa ben Youssouf, eine ehemalige Koranschule, die direkt neben dem Musée de Marrakech liegt, das wir im letzten Jahr besichtigt haben.

Leider driften wir etwas zu sehr nach rechts ab und kommen dem Gerberviertel immer näher. Unser Handy, mit dessen Hilfe wir uns auf dem Gewirr wieder herauslotsen lassen wollen hat leider keinen Empfang.

Ist aber auch nicht schlimm, da ein offensichtlich leicht orientierungsloser Tourist keine 2 Sekunden alleine bleibt. Von einem jungen Burschen lassen wir uns ca. 3 Minuten auf dem Weg Richtung Medersa begleiten. Die ihm von Ute dafür angebotenen 20 Dirham (rd. 2 €) sind ihm aber nicht genug. Er möchte 100 DH. Nur zum Vergleich – eine Führung für einen halben Tag kostet rd. 200 DH. Nun gut – dann gibt’s halt gar nichts. Verärgert entfernt sich unser „Führer“ - nur um ein paar Minuten später wieder aufzutauchen und sich doch mit den 20 DH zufrieden-zugeben. Das ist halt Marrakech live – aber inzwischen haben wir uns „aklimatisiert“ und regen uns über solche kleinen Zwischen-spiele echt nicht mehr auf.

In einer hübschen Ecke finden wir ein kleines Cafe und machen dort Pause bei frischgepresstem Orangensaft. Unseren Tisch teilen wir mit zwei freundlichen Katzen. Die Eine verschläft unseren Besuch ungerührt, die Andere schmeichelt sich bei Thomas ein. Schön zu sehen, dass beide Tiere in einem guten gesundheitlichen Zustand sind.

Frisch gestärkt spazieren wir weiter durch die Gassen zu der Medersa (Eintritt 2 Euro/Person). Der große Innenhof ist verschwenderisch mit Zellij (Fliesenmosaik), Stuck und Holzschnitzereien dekoriert. Ein sehr beeindruckendes Gebäude. Rund um den Innenhof ziehen sich im ersten Stock die früheren Kammern der Koranschüler (bis zu 900). Die Räume sind winzig und erinnern an Mönchszellen.

Direkt um die Ecke liegt der Eingang zum Dar el Bellarj. Es handelt sich um ein traditionelles Wohnhaus mit Springbrunnen in der Mitte, dass von einer Gesellschaft für marokkanische Kultur zu einem aktuellen Livestyle-Museum umgebaut wurde.


Ausgestellt werden derzeit Bilder, die das Leben auf dem Djema el-Fna zeigen Der Eintritt ist frei. Anschließend wandern wir weiter durch die Souks und Ute stockt in einer Apotheke ihren Parfümvorrat an Orangen- und Jasminöl auf.

Unser weiterer Weg durch die Souks führt uns auch an Ständen vorbei, die Tierfelle und Schlangenhäute verkaufen, die unserer Meinung legal nicht zu handeln sind. Sogar lebende Falken werden angeboten. Die Vielfalt der angebotenen Waren ist überwältigend – es gibt nichts, was es nicht gibt und dass muss nicht immer gut sein!

 

Auf unserer Suche nach einem INWI-Shop erreichen wir schließlich den Cyber Park Arsat Moulay Abdeslam. Hier treffen schöne Parkanlagen und freies WLAN zusammen und wir entschließen uns unsere Suche nach INWI aufzugeben und suchen statt dessen den großen Shop der Maroc Telekom am Parkeingang auf. Hier kaufen wir eine SIM-Karte mit 12 GB für 10 Euro und der Verkäufer installiert sie netterweise auch direkt in unserem Handy. Mit diesem Datenvolumen sollten wir wohl auskommen.

 

Zurück am Djema el-Fna gönnen wir unseren müden Füßen eine Pause und suchen uns einen schönen Platz auf der Dachterasse des Taj'in Darna. Hier stärken wir uns mit Couscous und Tajine und Ute teilt ihr Hühnchen mit einer hübschen Katze, die geduldig unter unserem Tisch auf das wartet, was für sie abfällt. Von der Terasse aus beobachten wir in Ruhe das muntere Gewusel auf dem Platz und nutzen auch die Gelegenheit ein paar Fotos zu machen.

Müde und zufrieden kehren wir am späten Nachmittag zum Steyr zurück und Thomas steuert unser rollendes Zuhause souverän durch das Feierabendverkehrsgewimmel zurück zu unserem Stellplatz bei Aischa und Reinhard.

An den nächsten beiden Tagen meint das Wetter es so richtig gut mit uns. Die Nächte sind mit rd. 8 Grad zwar recht frisch, aber die Sonne wärmt dermaßen, dass wir schon um 10 Uhr draußen frühstücken können.

Kurz darauf haben wir dann im Schatten schon 26 Grad und suchen uns einen schattigen Platz, da wir sonst in der Sonne verbrutzeln würden. Schwer vorzustellen, dass zu Hause in Deutschland rd. 10 Grad minus herrschen.

 

Nachdem Wäsche und Hausputz erledigt sind, verbringen wir die restliche Zeit mit relaxen, Reiseroute planen und Gesprächen mit Bea und Axel, die seit gestern unsere Stellplatznachbarn sind. Was geht es uns doch gut!

 

Heute machen wir uns wieder auf nach Marrakech. Erst jedoch repariert Thomas auf die Schnelle vom Steyr aus das klemmende, riesige Metalltor zur Einfahrt des Anwesens von Reinhard und Aischa. So ein Steyr ersetzt schon mal eine Leiter.

In Marrakech parken wir wieder auf dem Platz vom letzten Mal und wandeln durch die Medina zu den Saadier Gräbern und dem Badi Palast.

Der Eingang zu dem Gelände der Saadier Gräber liegt etwas versteckt hinter der großen Moschee. Eine Orientierung bietet das fast gegenüber liegende kleine „Kasbah Cafe“. Durch einen schmalen, gewundenen Gang kommen wir auf das Gelände, das von einem früheren Herrscher zugemauert und erst später wiederentdeckt wurde.

Die Mausoleen können nicht betreten werden, nur ein Blick hinein ist gestattet. In dem Garten zwischen den Gebäuden liegen noch viele weitere Gräber von Bediensteten etc. Die Ausstattung der Bauten ist prächtig, aber irgendwie fühlt es sich unpassend an, wenn eine solche Friedhofanlage von Touristen besichtigt wird. Wir fühlen uns nicht wirklich wohl und gerade als wir gehen, kommt uns eine große, schnatternde Touri-Gruppe entgegen. Was für ein Glück, das die erst jetzt kommenden!

 

Wir gehen weiter durch die schmalen Gassen der Medina zum Badi Palast. Die Orientierung ist nicht ganz einfach und mittlerweile ist es auch sehr warm. An strategisch günstig liegenden Stellen haben sich Händler niedergelassen, die einem – selbstverständlich kostenlos – freundlicherweise den Weg erklären, um einem dann ebenso selbstverständlich ihre Waren zu erklären und den Versuch unternehmen, diese an den Mann zu bringen. Keine schlechte Taktik.

 

Der Badi Palast ist eine sehr weitläufige, aber auch sehr verfallene Anlage. Man braucht schon viel Fantasie, um sich die ehemalige Pracht vorzustellen.

Wir haben den Eintrittspreis für den Mimbar mitbezahlt und dürfen deshalb auch in einen Raum, in dem diese Gebetskanzel aus der Koutoubia-Moschee ausgestellt ist. Fotos sind verboten und ein Wächter achtet darauf, das der Touri sich auch daran hält. Der Mimbar ist mit sehr schönen Holzschnitzarbeiten versehen.

 

Von einem höher liegenden Palastteil hat man einen guten Überblick über die Medina und kann den vielen auf den Palastmauern nistenden Störchen in die Nester schauen.

 

Anschließend wollten wir eigentlich noch den Bahia Palast anschauen, aber das wird uns zuviel für heute. Wir nehmen ein Taxi und lassen uns zum außerhalb der Medina gelegenen Jardin Majorelle fahren.

 

Was für eine Wohltat, aus der heißen und lauten Großstadt in den schattigen, ruhigen Garten abzutauchen. Dieses Gefühl von Ruhe, Luxus und Geborgenheit vermittelt kein Ort so gut wie ein solcher Garten in einer marokkanischen Großstadt.

 

Entlang einer großen Gartenanlage mit Kakteen und Sukulenten schlendern wir unter berankten Schattendächern zu dem kleinen Restaurant. Dort ergattern wir noch einen der letzten freien Tische und genießen erstmal ein Glas frischen Orangensaft und füllen mit einer Flasche Mineralwasser unseren aus dem Lot gekommenen Wasserhaushalt auf. Jetzt noch eine Tajine und dann sind wir wieder gestärkt um den Park zu erkunden.


Ganz besonders begeistert uns das kleine Museum mit Berberkunst, -schmuck und -trachten. Leider dürfen hier keine Fotos gemacht werden. Das finden wir mit Blick auf die tollen Exponate sehr, sehr schade.

Besonders beeindruckt uns der Raum mit der Schmuckausstellung. Er ist achteckig angelegt und vollständig mit Spiegeln ausgekleidet. Die Decke ist mit kleinen LED´s übersät und wirkt – durch die Spiegel ins Unendliche vervielfältigt – wie eine Kosmos.

In dem ansonsten dunklen Raum sind nur die Schmuckstücke angeleuchtet. Es ist sehr schön, dass nicht einfach nur einzelne Schmuckstücke gezeigt werden, sondern dass auf schwarzen Samtbüsten ein Gesamtbild aus Kopf- und Stirnschmuck sowie Ohrringen, Hals- und Brustketten gezeigt wird. Wunderschöne Stücke – eine Ideenfundgrube für alle Tribaltänzerinnen!

 

Auch die Trachten sind auf Kleiderpuppen dekoriert und vermitteln mit ihrem Detailreichtum – incl. Gürtel, Fibeln, Schmuck, Waffen, Schuhen usw. - einen sehr anschaulichen Eindruck von dem Gesamtkleidungsstil der verschiedenen Berberstämme.

Anschließend spazieren wir durch den Garten, der von dem in einem strahlenden Blau gestrichenen Haupthaus dominiert wird. Besonders beeindruckt uns ein Elefantenfußbaum von wirklich gigantischen Ausmaßen.

Nachdem wir uns an all dem Grün sattgesehen haben, lassen wir uns von einem Taxi zum Steyr zurückbringen. Wir haben für die Fahrt je 5,00 Euro bezahlt – sicherlich Touristentarif, aber wegen maximal 2 Euro in der Wärme rumdiskuttieren hatten wir keine Lust.

 

Durch den spätnachmittaglichen Verkehrstrubel fahren wir zurück zum Anwesen Schatz und genießen dort Ruhe, gute Luft und familiäre Atmosphäre etwas außerhalb der Großstadt.

 

Den Sonntag verbringen wir bei warmen 26 Grad mit relaxen und Routenpläneschmieden auf unserem Stellplatz. Da das Wetter für diese Jahreszeit so außergewöhnlich warm und trocken ist, beschließen wir, von unserem ursprünglichen Plan abzuweichen und einen Abstecher in den Hohen Atlas zu unternehmen. Da das Wetter dieses Jahr besser ist, wollen wir morgen über den Tizi-n-Tichka fahren, dann aber kurz hinter der Passhöhe die N9 verlassen und die Nebenstrecke über Telouet und Aid Ben Haddou nehmen.

Am nächsten Morgen fahren wir erst nach Marrakech um bei dem großen Telekomladen am Cyberpark einen Router zu kaufen. Das klappt aber leider nicht und so rollen wir weiter Richtung Pass. Leider spinnt unser Navi

und will uns immer wieder durch die Medina führen. Das wollen wir aber nicht und so kurven wir auf eigene Faust entlang der Medinamauern in südliche Richtung, bis wir endlich die richtige Ausfahrstraße – versteckt in einer Großbaustelle – finden. Danach wird der Verkehr - und auch wir - wieder ruhiger.

 

Ein Stück weiter sehen wir einen junden Backpacker am Straßenrand, der uns hoffnungsvoll zuwinkt. Da wir im Steyr nur zwei Sitze und dazwischen eine nicht so ganz bequeme Sitzmöglichkeit auf dem Motorblock haben, nehmen wir normalerweise keine Anhalter mit. Heute halten wir jedoch ganz spontan und lernen so Cody aus Kanada kennen. Er will sich in Zagora mit einem Freund treffen – nun, bis Quarzazate können wir ihn mitnehmen. Der „Stop“ in Telouet ist ihm auch recht und so wechseln Ute und Cody sich mit Beifahrersitz und Mitteltunnelplatz ab.

Die in Marrakech noch vorhandene leichte Bewölkung verflüchtigt sich schnell und wir können die schöne Aussicht in vollen Zügen genießen. Letztes Jahr sind wir ja die gleiche Strecke gefahren – nur leider in totalem Nebel und so haben wir heute das Gefühl eine ganz neue Strecke kennenzulernen.

 

Kurz nach der Passhöhe (2.260 m) biegen wir auf eine Nebenstrecke Richtung Telouet ab. Die Straße ist nur einspurig asphaltiert und der Asphalt ist stellenweise ziemlich abgebröckelt und von Schlaglöchern durchsetzt. Dafür ist die Natur ringsum wunderschön. Die tiefstehende Sonne beleuchtet Felsformationen, die durch ihre unterschiedliche Gesteinsstruktur in allen Farben von dunkelrot über weiß und auch leicht lilafarben leuchten. Offenbar sind die Böden hier sehr reich an unterschiedlichen Mineralien.

 

In Telouet angekommen suchen wir das vom Reiseführer empfohlene Restaurant Palace of Telouet. Nun ja – Palace – ist etwas sehr übertrieben, aber wir werden von Aissa freundlich empfangen. Der Kamin wird angeheizt und wir bekommen Eiertanjine, Tee und Brot. Eiertanjine, das sind quasi Spiegeleier nur hat in einer Tanjine zubereitet und nicht in der Pfanne. Da es in Telouet keinen CP gibt, zeigt uns Aissa einen Platz, an dem wir Übernachten können. Cody möchte wohl das Geld für ein Zimmer sparen und erklärt uns, das er im Schlafsack vor dem Steyr schlafen will – und das bei zwischen 4 Grad in der Nacht. Das wollen wir ihm aber nicht zumuten und so kommt erstmalig unsere zum Ersatzbett umfunktionierte Sitzgruppe zum Einsatz. Ist schon ungewohnt sich den Steyr mit einem Mitbewohner zu teilen – glücklicherweise schnarcht Cody nicht.

Nach einem gemeinsamen Frühstück im Steyr brechen wir mit Aissa zu einer Besichtigung der Kasbah auf

(2 €/Person für die Führung und 2 €/Person Eintritt Kasbah).

 

Aissa hat uns versichert, das die hiesige Kasbah die Schönste von allen ist und das können wir anschließend nur bestätigen! Leider ist die Kasbah sehr verfallen. Angeblich unternimmt die El-Glaoui Familie nun aber Renovierungsbestrebungen. Sehr beeindruckend ist die prachtvolle Gestaltung der Innenräume, die uns an den Palast der Alhambra erinnert. Die Mosaike und Stuckarbeiten sowie die aufwendigen Holzdecken verdienen auf jeden Fall eine Renovierung. Die durch staatliche Mittel renovierte Kasbah in Quarzazate, die wir im letzten Jahr besichtigt haben, kann da bei weitem nicht mithalten!

Anschließend fahren wir weiter durch die beeindruckende Landschaft des Hohen Atlas. Nach einiger Zeit verschwindet der Asphalt ganz und wir fahren auf guter Piste. Hier sichten wir auch unsere erste Schlange in Marokko, die trotz der noch morgendlich kühlen Temperaturen sehr schnell die Piste vor uns überquert.

 

Wir fahren entlang von landschaftlich wunderbar gelegenen Hochtälern und gelangen nach einiger Zeit wieder auf eine recht gute Asphaltstraße. Hinter jeder Kurve erwartet uns eine neue, spektakuläre Aussicht und Ute knipst sich die Finger wund. In den Tälern blühen die Mandelbäume und vermitteln ein frühlings-haftes Ambiente – und das in rd. 2.000 Metern Höhe Ende Januar! Damit hätten wir nicht gerechnet.

 

Die Straße führt uns entlang der steil abfallenden Berghänge. Unten in den Tälern zieht sich das Qued Ounila, der selbst in der derzeitigen Trockenphase noch Wasser führt. An den Berghängen kleben kleine Dörfer. Noch dominieren die Lehmbauten, aber neue Häuser werden aus Betonsteinen errichtet und so wird sich das traditionelle Bild mit der Zeit verändern.

Immer wieder sehen wir malerische Kasbahs in unterschiedlichen Verfallstadien. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Serpentinen-strecke, die früher zu Pistenzeiten wohl sehr schwierig war, heute aber asphaltiert und problemlos zu befahren ist – und das in jeder Richtung.

Kasbah Telouet
Kasbah Telouet

Gegen Mittag erreichen wir Aid Ben Haddou. Das alte Ksar – malerisch am Qued Mellah gelegen – ist seit 1987 Unsesco Weltkulturerbe und dient seit Jahren auch als Filmkulisse.

 

Wir parken den Steyr am Straßenrand neben der Moschee und gehen von dort durch das Dorf Richtung Fluss. Von hier aus führt nämlich eine Fußgängerbrücke über das Flussbett – der kürzeste, einfachste und trockenste Weg um zu dem auf der anderen Flußseite liegenden Ksar zu gelangen. Kurz vor der Brücke steht auch eine Infotafel mit Lageplan und empfohlenem Rundwanderweg – gut für die Orientierung.

 

Der Weg durch das nicht mehr bewohnte Dorf führt an mehreren Kasbahs vorbei und ist von Souvenirläden gesäumt. Die Verkäufer sind für marokkanische Verhältnisse aber recht zurückhaltend und einige haben sogar Festpreise ausgezeichnet.

 

Wir schlendern durch die Anlage, schauen uns die unendliche Vielfalt der „Souvenirs“ an und können auf einigen alten Fotos sehen, wie das Ksar in Filmaufnahmen eingebunden wurde. Auch eine Liste mit allen hier gedrehten Filmen hängt aus.

Ksar Aid Ben Haddou
Ksar Aid Ben Haddou

Nach dem Besuch des Ksar (übrigends kostenlos) fahren wir weiter nach Quarzazate. Hier setzen wir Cody ab, damit er sich nach einer Fahrgelegenheit Richtung Zagora umsehen kann. Waren zwei nette Tage mit ihm! Unser Weg geht jetzt in eine andere Richtung, nämlich zum Tal des Dades. Die Fahrt dorthin führt durch ziemlich eintönige Landschaft aber auf nagelneuer Teerstraße über den Tizi-n-Taddert (1.370 m), den wir allerdings nicht wirklich als Passhöhe wahrnehmen. Später wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher und wir fahren an vielen Kasbahs vorbei – teils unbewohnt und verfallen, teils in Privatbesitz und zu mehr oder weniger noblen Herbergen ausgebaut.

 

Ab Boumalne verlassen wir die N10 und fahren ein Stück das Dadestal hoch. Die roten Felsen leuchten in der Abendsonne. Wir kommen an einer Felswand vorbei, die sehr brüchig aussieht und an deren Fuß Häuser stehen – hier möchten wir nicht wohnen. Es ist wohl keine Frage „ob“ sondern nur „wann“ sich der große Felsen lösen wird. Ein Stück weiter liegt das Riad Dar Tougha. Laut Reiseführer ein kleiner CP mit Restaurant und schöner Aussicht. Aktuell wird aber renoviert und so stellen wir uns zur Übernachtung auf den nebenan liegenden Schotterplatz. Nach und nach gesellen sich im Lauf des Abends noch einige andere französische Womo´s dazu. Wir verbringen eine ruhige Nacht auf 1.644 Meter Höhe – mal keine Hähne, Hunde etc..


Am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Dades-Schlucht und kommen nach kurzer Zeit an bizarren Felsformationen, den sogenannten Affenfußfelsen vorbei. Wirklich kurios, was Mutter Natur so entwirft. Hier liegt auch ein netter, kleiner Mini-CP mit einigen wenigen Stellplätzen aber grandioser Aussicht auf die o.g. Felsen. Nach einiger Zeit wird das Tal immer enger, die Straße verläuft aber noch direkt entlang des Dades. Hier liegen einige nette Auberges/Restaurants und auch zwei weitere kleine CP´s mit Stellplätzen direkt am Fluß. Kurz darauf treten die Berghänge so eng zusammen, dass kein Platz mehr für die Straße bleibt und so geht es in steilen Serpentinen die Bergflanke hoch. Oben, auf der höchsten Stelle, liegt das Restaurant/Hotel Timzzillite von dessen Terassen man einen wunderbaren Blick auf Schlucht und Serpentinen hat. Kein Wunder, dass alle Bilder der beeindruckenden Serpentinen identisch aussehen – sie werden alle von dem gleichen Aussichtspunkt gemacht.

Wir legen hier eine kleine Pause ein, genießen Sonne, Aussicht und einen Minztee, bevor wir weiterfahren. Schon ein paar Meter weiter haben wir einen wunderschönen Blick über das nächste Tal, in dem mittig – wie ein Krönchen – ein Hotel/Restaurant im traditionellen Stil errichtet wurde. Ein paar km weiter erreichen wir dann eine weitere spektakuläre Engstelle. Hier hat der Dades eine sehr schmale Schlucht in die Berge gegraben. Es ist gerade noch Platz für das Flussbett, die schmale Straße - und einen Steyr.

 Im Vergleich zu der Todraschlucht ist es hier deutlich enger und weniger touristisch.

 

Es wäre auch kein Platz für die Souvenirstände, die die Todraschlucht „zieren“.

 

In einem Vergleich der beiden bekannten Schluchten gefällt uns die „Dades“ besser. Mit den Highlights Affenfußfelsen, Serpentinenstrecke und Schlucht bietet sie deutlich mehr Abwechslung.

 

Auch gibt es kleine Nebenschluchten, die zu Fuß erwandert werden können und mehrere kleine Cp´s, die im späten Frühjahr und Sommer zum Verweilen einladen.

 

Nun - wir haben Ende Januar, sind im Hohen Atlas und einige der Wolken am Himmel sind auch etwas dunkler – also verweilen wir lieber nicht, sondern fahren Richtung Msemrir weiter. Dort endet die Teerstraße und wir fahren auf Piste immer höher in die Berge.

 

Die Piste ist - von wenigen Engstellen und zwei schmalen Brücken mal abgesehen – sehr gut zu befahren, bei dieser Trockenheit stellenweise aber sehr staubig. Gegenverkehr ist so gut wie keiner und das ist auch besser so, da die Piste nur einspurig ist und Ausweichstellen selten sind.

 Auf Piste zum Tizi-n-Quano (2.917 Meter)
Auf Piste zum Tizi-n-Quano (2.917 Meter)

Eine Beschreibung der Berglandschaft durch die wir fahren ist nur mit Superlativen möglich.

 

Wir machen eine Rast umgeben nur von roten Felscanyons und dem stetig wehenden Wind. Immer höher geht es hinauf. Die einzigen Menschen, die wir sehen, ist eine Gruppe Frauen mit ihren Eseln, die von der mühseligen Suche nach Brennmaterial zurückkommen. Sie sammeln die vertrockneten Büschel der hier wachsenden kissenartigen Sträucher ein. Holz gibt es nicht.

 

Eine Gruppe von 4 Frauen kommt uns direkt auf unserer Piste entgegen. Wir staunen, wie gelassen die Esel angesichts des Steyrs bleiben, an dem sie hautnah vorbeimüssen. Die Berberinnen bitten um Kleidung und Essen. Nun dafür haben wir ja Sachen mitgenommen und so statten wir die Frauen mit dicken Socken, Pullovern und Nähsachen aus. Zusätzlich geben wir ihnen Äpfel und Orangen.

 

Die Menschen in diesen abgelegenen Bergregionen sind sehr arm und so kann man verstehen, dass sie die seltene Gelegenheit, die wir ihnen bieten, nach Kräften nutzen. Deshalb halten wir hier – im Gegensatz zu Dörfern und Städten – meist auch an. Etwas unangenehm ist, dass die Bitten nach Unterstützung einfach kein Ende nehmen. Man kann geben soviel man will, die fordernden Gesten nehmen kein Ende – bis man schließlich weiterfährt.

 

Wir überqueren den Tizi-n-Quano und erreichen damit unseren neuesten Höhenrekord – 2.917 Meter. Nach einiger Zeit ändert sich das Landschaftsbild. Die Berge sind wieder mineralreicher und wir kommen an Stellen vorbei, an denen die Farbpalette von weinrot, blasslila bis lindgrün reicht.

 

Am späten Nachmittag erreichen wir das Örtchen Agoudal. Eine Horde von Kindern versucht uns mit eindeutigen Gesten zu stoppen. Aber sorry – selbst wenn wir wollten – so viele Hände können wir gar nicht füllen. Auch kann es nicht richtig sein, dass die Kinder dazu erzogen werden, dass ihr forderndes schon fast agressives Verhalten Erfolg mit sich bringt.

Camping Ibrahim in Agoudal - das passt so gerade!
Camping Ibrahim in Agoudal - das passt so gerade!

Wir fahren zur Auberge Ibrahim, dem einzigen CP am Ort. Als wir das enge Tor zum kleinen Innenhof sehen, schlagen wir vor, dass wir die Nacht lieber vor der Auberge verbringen. Davon will der gut englisch sprechende Inhaber Ahman aber nichts wissen. Er hätte schon mal so ein großes Fahrzeug in seinem Hof gehabt. Tja dann!

 

Thomas zirkelt den Steyr auf den Zentimeter durch das Tor. Ute macht Bilder – es sieht aus wie eine Fotomontage! Man sieht vor lauter Steyr das Tor gar nicht mehr.

 

Wir sind die einzigen Gäste, was uns zu dieser Jahreszeit auch nicht wundert. Sofort wird warmes Wasser bereitet und kurz darauf genießen wir eine herrlich warme Dusche in der sauberen Sanitäranlage. Nach dem Staub der Pistenfahrt ein grandioses Wohlgefühl.

Anschließend essen wir in dem kleinen aber stimmungsvollen Restaurantbereich die beste Tanjine, die uns bislang in Marokko serviert wurde.

 

Dabei staunen wir über das TV-Programm. Es läuft eine der typischen Vorabendserien, die man auch ohne Worte versteht. Worüber wir uns wundern sind die durchweg westlich gekleideten Darstellerinnen. Wir erfahren, dass es sich um arabisch syncronisiertes, türkisches Fernsehen handelt.

 

Ahman möchte nach Fes und fragt uns, ob wir ihn bis Midelt – unserem nächsten Etappenziel – mitnehmen können. Nun ja – glücklich sind wir nicht über die Aussicht die rd. 130 km mit Fahrgast zu verbringen, aber irgendwie können wir auch nicht nein sagen.


Am nächsten Morgen müssen wir erst ein paarmal rangieren, um den Steyr im engen Innenhof zu wenden und dann ist die Ausfahrt durch das enge Tor genauso spannend wie gestern die Einfahrt. Glücklicherweise bleibt das

Tor heil und alle Wände stehen. Auf der Straße wartet schon Ahman und eine Berberfrau mit Kleinkind. Ob wir die Berberin nicht auch mitnehmen könnten – nur 10 km. Nun - es ist eisig kalt und die Alternative für die Frau wäre laufen. Also entscheidet sich Ute die kurze Strecke mit der Berberin in der Kabine mitzufahren und Ahman fährt mit Thomas im Fahrerhaus. Geht doch.

Ausfahrt Camping Ibrahim in Agoudal - unsere Fahrgäste warten.
Ausfahrt Camping Ibrahim in Agoudal - unsere Fahrgäste warten.

Am Ziel angekommen erkennen wir auch den Reisegrund der Frau – es ist Markt. Wenn man das Gewimmel so sieht, glaubt man eigentlich nicht an ein Durchkommen – aber irgendwie geht es dann doch immer.

 

Über Imilchil führt uns Ahman zum Lac de Tislit, einem großen See, der in der kargen Hochgebirgslandschaft recht surreal wirkt. Wir machen eine kurze Teepause und dann geht es weiter über einen Pass in rd. 2.400 Meter Höhe. Die Straße ist in einem kurzen Bereich schmal und mit schlechtem Belag versehen. Außerdem ragen einige Felsüberhänge hinein, aber wir sind problemlos durchgekommen. Der Ausblick über die Passhöhe auf das nächste Tal entschädigt uns für alles – er ist einfach genial und der Höhepunkt der heutigen Strecke.

 

Wir fahren weiter über Tassent und Arhbala. Die Landschaft wird eintöniger und immer mehr steppenartig. Die Straßen sind zwar geteert aber in schlechtem Zustand. Schlaglöcher und andere Straßenschäden lassen mehr als max. 40 kmh nicht zu. Hinzu kommen Schwellen in den Dörfern, die Schnellfahrer stoppen sollen. Die Teile werden aber nicht angekündigt oder farblich hervorgehoben und sind echt heftig. Einmal kurz einem Passanten zurückgewunken und schon krachen wir bis auf die Federn durch. Mist – da waren selbst unser 25 kmh noch zuviel! Kurz nach El Khemis biegen wir nach rechts auf die R503 und freuen uns über bessere Straßenverhältnisse. In Zeida erreichen wir die N13 und setzen Ahman ab, der von hier den Bus nach Fez nehmen wird. Zuvor hat er uns noch zu einem Essen in einem Lokal am Straßenrand überredet. Nun ja – die obligatorische Tajine ging so – das drumherum war eher nicht unser Ding (Fleisch hängt im Ganzen an der Straße neben der Küche etc.).

 

Jetzt wünschen wir uns einfach nur ein ruhiges Plätzchen um uns von der Fahrt zu erholen. Ute ist ganz steif vom stundenlagen Sitzen im Schneidersitz auf dem Mitteltunnel und Thomas ist platt von der ständig erforderlichen Konzentration bei diesen Straßenverhältnissen. Staubig war´s heute auch wieder – also nichts wie zum nächsten CP. Dieser liegt zwischen Zaida und Midelt und macht einen sehr guten Eindruck.

Den kommenden Tag verbringen wir mit relaxen. Außerdem schmiert Thomas den Steyr ab, der das nach der Strecke auch dringend nötig hat. Ute sortiert die massenhaft geschossenen Bilder der letzten Tage – das artet schon in Arbeit aus.

 

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich weiter, aber daraus wird nichts. Thomas hat Fieber und Durchfall und an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Ute geht es auch nicht so gut. Ihre Atemwege haben Probleme mit der geringen Luftfeuchte und dem Staub der letzten Tage. Sie beschließt zukünftig bei staubigen Strecken einen Gesichtsschal wie die Marokkaner zu tragen. Also bleiben wir an Ort und Stelle und hoffen auf Besserung.

 

Glücklicherweise geht es Thomas heute schon deutlich besser. Fieber und Durchfall sind weg, aber er ist noch sehr schlapp und so bleiben wir einen weiteren Tag. Zeit für Ute das in den letzten Tagen vernachlässigte Tagebuch zu schreiben und die HP zu pflegen.

 

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